Mittwoch, 7. Oktober 2015

Ach übrigens #2

Ellie Gouldings Musik ist in keinster Weise schön oder erträglich. Ellie Goulding ist auch nicht so hübsch, wie behauptet wird. Ellie Goulding ist scheiße!

Samstag, 26. September 2015

News

Ich schreibe einen Reisebericht. Ich habe Sonnenbrand und Mückenstiche.

A.

Freitag, 11. September 2015

Ach übrigens #1

Wusstet Ihr, dass es offensichtlich ein gesellschaftliches Tabu ist, ungeborene Kinder als "geschlechtslose Zellklumpen" zu bezeichnen? Kommt jedenfalls nicht gut an.

A.

Mittwoch, 9. September 2015

Ratschläge

Ich habe vor kurzem einen Artikel über die TV-Debatte der potenziellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten gelesen, in dem von einem Ratschlag berichtet wurde, den Jeb Bush im Vorfeld in Bezug auf eine mögliche Konfrontation mit Donald Trump erhalten haben soll: "Ringe nie mit einem Schwein. Du wirst schmutzig und außerdem gefällt es dem Schwein." Das ist ein guter, ein wichtiger Rat. Ich habe immer große Probleme damit, nicht in den Gegenwind zu pinkeln, aber ich stehe auch nicht in der Öffentlichkeit.

Es gibt so viele zu guten Sprichworten geformte Ratschläge, die alle miteinander wahr sind. "You either die a hero or live long enough to see yourself become the villain". Dass diese Weisheit aus dem Mittelstück von Christopher Nolens Batman-Trilogie verdammt wahr ist, beweisen so viele Bands meiner Jugend mit jedem neuen Album aufs Neue. Hört Ihr das, Matthew Bellamy und Brandon Flowers? Und Beck und Juliette Lewis sind inzwischen Scientologen, verdammte Scheiße! Brian Fallon leugnet die Evolutionstheorie! Chris Martin war mal ein sympathischer Loser im Regen am Strand, und jetzt ist er dieser durchtrainierte Veganer- und Fair-Trade-Nervsack, der Songs mit Rihanna macht und ein Kind namens Apple hat. Chris Martin! Sicher, wir alle verändern uns. Wie gefährlich es ist, wenn man sich nicht verändert, zeigen Fred Durst oder Jonathan Davis, diese alten anachronistischen Millennium-Spastis. Limp Bizkit jetzt zu beobachten, ist, als würde man peinliche alte Fotos ansehen, bei denen man dann sowas sagt wie: "Scheiße, so sahen wir mal aus? Warum ist meine Zunge ständig draußen? Gott, und diese Klamotten! Zeig das bloß niemanden!"

Wir alle müssen uns verändern – doch aber nicht zwingend zum Schlechten! Ja, Tim Burton und Johnny Depp, ich gucke auch in Eure Richtung! Ach, all diese Bands waren mal gut. Ich habe zu diesen Songs getanzt, geschwitzt und gevögelt, habe mein Taschengeld für Konzerte und CDs ausgeben. Ihr seid scheiße geworden, ihr seid alle scheiße geworden. Selbst der Punkt, an dem man nach ein paar Fehltritten loyal blieb, ist vor Jahren überschritten worden. Und Dave Grohl? Naja, er bleibt Dave Grohl, aber geil ist das auch nicht, was die jetzt so machen. Vielleicht wären die selben Songs damals gut gewesen, vielleicht seid Ihr einfach Produkte Eurer Zeit, so wie ich, der es damals mochte. Aber vielleicht hat das Zitat auch recht und Ihr seid einfach satt, scheiße und eingebildet geworden. Und man nennt sein Kind nicht Apple, Du Idiot. Und Gwyneth Paltrow ging auch nicht klar! Naja, "Große Erwartungen" war ganz gut. Oder war nur der Soundtrack und das Set gut? Ach, ich relativiere schon wieder aus Loyalität und Nostalgie! Wäre Chris Martin vor "Viva la Vida" (eigentlich doch eher vor "X&Y") an einer Überdosis gestorben, er wäre für immer eine Legende und ein Patch an den schmuddeligen Rucksäcken 15-jähriger Mädchen in ihrer Rebellionsphase. Oh, es kommt gerade eine Meldung aus der Regie: Niemand hat mehr Rucksäcke mit Patches. Dann eben ein verdammtes Hintergrundbild auf dem Smartphone.

Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach so: gute Ratschläge. Nachdem ich "The Crow" gesehen hatte, bedachte ich jahrelang jeden traurigen Menschen in meiner Umgebung mit einem "Es kann nicht immer regnen" und auch "Am dunkelsten ist die Nacht vor der Dämmerung" ist fester Bestandteil meines Repertoires. Und doch meine ich, dass die besseren Ratschläge eben nicht in Catchphrases verpackt sein sollten, weil sie dann so bezugslos sind – zumindest meistens.

So sehr ich mich auch anstrenge, wenn es um die großen Ratschläge, die mir in meinem Leben gegeben wurden, geht, fällt mir nicht besonders viel ein. Vor vielen Jahren, ich war damals vielleicht zwölf oder dreizehn Jahre, stand ich einmal neben meinem Vater auf unserem alten Balkon und wir sahen durch den Nebel eines miesen Tages einem Mädchen aus meiner Schulklasse hinterher, mit dem ich zuvor die Hausaufgaben für den nächsten Tag erledigt hatte. Das war keine Metapher. Ich glaube, sie hieß Jeanette. Mein Vater sah nicht zu mir rüber, aber er sagte mit fester Stimme: "Weißt du, solange du jung bist, musst du so viele Weiber wie möglich vögeln." Das war keine Metapher. Ich weiß noch, wie ich mich geschämt habe, als ich nicht wusste, was ich darauf antworten sollte. Alles, was aus meinem Mund gekommen wäre, schien mir deplatziert, also nickte ich einfach still und blickte weiter auf die Straße zwischen den weißen Reihenhäusern, während der dichte Nebel langsam das Licht des Tages verschluckte.

Der beste Ratschlag, den ich je bekommen habe – ich weiß nicht mehr genau, ob von meiner Mutter oder meiner Großmutter – ist jedoch: Beginne niemals einen Brief mit "Ich". Dieser Satz ist wie ein Geschenk, dass man erst auspackt, wenn man alt genug dafür ist, denn in ihm steckt weit mehr als eine aus der Zeit gefallene Faustregel für das gute Benehmen während der Nachmittagskorrespondenz der Urgroßeltern-Generation am Café-Tisch. Einen Brief nicht mit "Ich" zu beginnen, ist ein Bekenntnis dazu, immer auf den Anderen zuzugehen, es bedeutet, sich selbst nicht immer für wichtiger zu halten als den Rest der Welt, es bedeutet, höflich und respektvoll zu sein und ein wenig Abstand von den eigenen Gedanken zu gewinnen oder einfach mal die Perspektive zu wechseln, es bedeutet, ein Gespür dafür zu entwickeln, was, wann nervig ist und es bedeutet, Geduld zu haben und nicht dem erstbesten Impuls nachzujagen, es bedeutet, zuzuhören und mitfühlend zu sein, denn der Anfang eines Briefes hat so Platz, eine Frage nach dem Befinden des Gegenüber zu werden, es bedeutet schlicht, kein egozentrisches Arschloch zu sein – und das ist ein guter Rat.

Mir gelingt es nicht immer, aber ich versuche ihn zu beherzigen – und das sollten viel mehr Leute tun.

A.  

Sonntag, 30. August 2015

Der Sommer in Deutschland

Es ist eine schwierige Zeit. Nicht nur für mich, für alle. Diesen Sommer, so scheint es, ist die Welt ein ordentliches Stück schlechter geworden. Inzwischen bekommen schon Selbstverständlichkeiten Applaus und werden als "mutig" tituliert, weil die Dummen, vielleicht auch nur gefühlt, durch das Verhalten im Internet, immer zahlreicher beziehungsweise immer präsenter werden. Menschen, die nichts falsch gemacht haben, außer, dass sie auf der falschen Seite einer Grenze geboren worden sind, werden diffamiert, angefeindet und attackiert – und das von Menschen, die nichts richtig gemacht haben, außer, dass sie auf der vermeintlich richtigen Seite der Grenze geboren worden sind. 

Die Menschen glauben den etablierten Medien und Journalisten nicht mehr, sie sind skeptisch und misstrauisch, aber was in irgendeinem Podcast oder Blog gesagt wird, scheint wiederum ihr uneingeschränktes Vertrauen zu verdienen – und zwar kompromisslos. Bei all der freundschaftlichen Polemik, ein gesundes Misstrauen gegenüber allem und jedem ist sicherlich nie unangebracht. Jeder verfolgt Interessen. Cui bono über alles. Eine pauschale Dämonisierung ist jedoch das genaue Gegenteil gesunder Skepsis. Außerdem: Wenn es tatsächlich eine New World Order gibt, die so mächtig und verborgen ist, wie konnte sie es dann zulassen, von Euch Spasten entdeckt zu werden? Warum sind es immer Idioten? Bestimmt, weil ich schon so motherfucking brainwashed bin, dass ich gar nicht anders kann, als so zu denken. Das alles ist nicht neu. Der Werdegang der legendären (und doch erwiesenermaßen gefälschten) "Protokolle der Weisen von Zion" sei erwähnt. Jahrzehntelang gab es Kreise, die alle Berichte und Beweise für die Fälschung dieses vermeintlichen Zeugnisses einer jüdischen Weltverschwörung als Manöver einer politisch-motivierten und fremdgesteuerten Systempresse, wenn man so will, bezeichneten und daraufhin ignorierten. Ein Totschlagargument: Wer nicht für mich ist, wird automatisch zum Teil dessen, was ich bekämpfe. So ist die Welt einfach. Die Presse sagt, dass unsere Forderung von Vorurteilen und irrationalen Überfremdungsängsten getrieben seien, wir haben jedoch nicht das Gefühl, dass wir falsch liegen oder Idioten sind, also lügt die Presse. 

Als es um unserer aller Daten und um ein mögliches Asyl für einen Whistleblower ging, der unser Vertrauen in die Mächtigen wirklich erschütterte, hielt sich die Rage in Grenzen. Doch jetzt, wo es um die Aufnahme von Menschen geht, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, sich unfassbaren Gräuel und Gefahren aussetzen, um hier leben zu können, wird zu Fackeln, Mistgabeln und Dialekt gegriffen. Und auf einmal verstehen sich alle: die wütenden Hooligans, die rechten Parteien, die Verschwörungsidioten, die Stammtische und diejenigen, die bisher undercover mit ihrer Dummheit in geräumigen Haushalten gelebt haben. 

Woher kommt diese fehlende Demut gegenüber allem und woher dieses besoffene Gefühl, selbst für den Wohlstand und die Freiheiten in unseren Breitengraden verantwortlich zu sein und deswegen auch einfach mal entscheiden zu dürfen, wer rein darf und wer nicht, welche Religion hier praktiziert wird und welche Ehen und Tiere heilig sind? Denn wenn es um irgendwelche gequälten Hunde in der Ukraine oder Rumänien geht, dann wollen die Assis nicht nur Facebook-Milizen bilden, den dortigen Verantwortlichen den Krieg erklären, sondern auch jedes Tier retten und Heim ins Reich holen, aber bei Menschen hört eben der Spaß auf. Wie wohl das Dritte Reich mit Facebook und Twitter ausgesehen hätte? 

Mit dieser Demut meine ich nicht, dass man genügsam zusehen soll, wie sich das zwanzigste Jahrhundert wiederholt oder alles immer ein bisschen beschissener wird, nein. Es gibt sicherlich jeden Tag mehr als genug Gründe, sich aufzuregen und wütend auf irgendwen oder irgendetwas zu sein. Über Menschen, die es dort hinzieht, wo sie Verfolgung, Not, Hunger oder Unterdrückung entfliehen und wo sie glauben, ein besseres Leben erwarten zu können, sollte sich jedoch niemand beklagen, denn das ist im Verlauf der Geschichte tausendfach vorgekommen und wird immer und wieder geschehen. Das ist der Lauf der Dinge. Es wird nie überall gut sein, daran arbeiten wir ja stetig. 

Ich weiß nicht, ob ich den Mut hätte, eine solche Reise anzutreten, selbst wenn ich nicht wüsste, was mich hier von so vielen erwartet. Irgendwer hat mal gesagt, dass die Industrielle Revolution unser persönlicher Anfang vom Ende war. Da ist viel Wahres dran.

A.        

Montag, 10. August 2015

Morgens

Ships in the rain, I'll see you again, Ships in the rain, I'll see you again,

ich wache auf und bin geschafft. Gestern Nacht habe ich in einer Unterwasserdiktatur rebelliert. Am Ende des Traums, als das Gute gesiegt und der riesige Kubus, in dem die Menschen mitten in einem See gelebt hatten, aufgetaucht war, sagten mir die gestürzten Anführer noch, dass ich mich nicht zu freuen brauchte, denn jede Revolution würde ihre Kinder am Ende fressen. Kurz aufgewacht, pinkeln gegangen, dann konnte ich fliegen und die Menschen haben in Bäumen gelebt wie die Ewoks. Heute Nacht war es wieder die alte Sporthalle: Ich und ein paar Schulfreunde, die ich tatsächlich seit Jahren nicht gesehen habe – einer von ihnen ist inzwischen sogar schon tot (Liebeskummer und ein fahrender Zug) – zogen uns in dem kleinen Séparrée der Jungenumkleide, das damals, in der Wirklichkeit, einen immensen sozialen Aufstieg bedeute, für den Unterricht um. Ein Mädchen war auch dabei, was uns jedoch nicht irritierte. Danach spielten wir Fußball, in Dreier-Teams, mit umgekippten Sitzbänken als Tore, wie wir es tatsächlich oft taten. Als der Unterricht vorbei war, brauchte ich ewig, um mich umzuziehen und war am Ende der Letzte in der Kabine. 

Aufgewacht, Kopfschmerzen und die verfickten Cornflakes sind alle.

Guten Morgen, Nimmerland,

A.