Samstag, 31. März 2012

Ich kränke, also bin ich

Mit meinen vorgestrigen Ergüssen über sinkende Einschaltquoten habe ich, ironischer Weise, meine eigenen Quoten ganz schön ansteigen lassen. Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Erstaunlicherweise schien mich das gestern sogar unter Druck zu setzen. Im Zuge meiner fünfzehn Minuten des Ruhmes, habe ich tatsächlich kurzzeitig in Erwägung gezogen, dass Ganze hier ein wenig zu kommerzialisieren - ein bisschen nette Sex-Werbung zu schalten quasi, ihr kennt das. Was wäre auch themenbezogener? Aber: ich knicke nicht ein vor der kapitalistischen Todes-Maschinerie unserer grausamen Welt! Nicht ich. I.A.D.S.T. bleibt hart. I.A.D.S.T. bleibt Untergrund. 

Und dass, obwohl ich, nach meinen neuesten Kalkulationen, ab dem nächsten Monat weit unter der Armutsgrenze leben werde. Ich bin 25; ich muss mich selbst krankenversichern und bekomme dafür aber, vor lauter Freude, kein Kindergeld mehr. Nach Abzug aller Fixkosten bleiben mir dann ca. 100€ im Monat. Ich bin kein Mathematiker, eher ein Dramatiker, aber man kann wohl festhalten: Das werden ab jetzt fette Jahre. Ich seh' mich schon in lilalen Jogginghosen vor der Uni Dosenbier trinken. Nicht auszudenken, wie gut ich leben würde, hätte ich mich statt für eine Laufbahn, für keine Laufbahn entschieden. Das ist übrigens auch mein Wahlkampfthema Nummer 1. An meinem Tagesablauf hätte sich doch auch nicht all zu viel geändert. Nur, dass ich dann kein schlechtes Gewissen haben müsste, die Tage mit Büchern, dem wohligen Cyberspace, meiner Gitarre und Fifa 2012 zu verbringen. Ein paar Kinder, ein paar bescheuerte Haustiere und Schwups, der Rest wäre ein Selbstläufer. Sagt man noch "Cyberspace"? Ist das nicht zu 90'er? Wie auch immer, vielleicht passiert ja doch noch ein Wunder. Nichts liegt mir außerdem ferner, als hier einen Missstand zu verorten. Ist doch alles super. Ich sollte froh sein, dass ich mich überhaupt selbst krankenversichern darf (in anderen Ländern gilt das schließlich schon als sozialistisch) - so kosten wenigstens alle Medikamente und Arztbesuche überhaupt gar nichts mehr.

Heute haben sich meine Klickstatistiken auch wieder beruhigt. Der Druck ist weg. Alles cool. Ich werde zur Tagesordnung übergehen und weiterhin einfach das schreiben, was mir einfällt. Wo wir gerade bei munterem Smalltalk waren; ich hab "Faserland" ausgelesen. Gutes Buch! Stellt euch vor, Hank Chinaski würde in der Upper Class leben, dies wären seine Gedanken. Ich hab mir gestern noch schnell "Imperium" von Kracht zugelegt. Das schieb ich noch fix ein, bevor ich mich vollends "1Q84" widme, schließlich war das viel zu teuer, um es links liegen zu lassen. 

Fast hätte ich es vergessen: heute ist Promi-Boxen. Was hab ich mich doch über den Verfall unseres Fernsehprogramms echauffiert. Was hab ich das Schwinden der guten alten Unterhaltung gebrandmarkt. Was war ich im Irrtum. Ich muss im Irrtum gewesen sein. Wenn man sich allein die Starbesetzung vergegenwärtigt, die dort heute abend buchstäblich Einzug hält, kann man eigentlich nur spucken vor Freude. Das Problem wird sein, Favoriten zu küren. Was ich meine ist, man braucht jemanden, für den man jubelt, einen Liebling, dem man auch den Sieg gönnt. Werden wir sowas hier vorfinden? Lieblinge? Nicht. Das sind alles gierende Arschlöcher. Selbst Aminati. Ja, Aminati. Spätestens seit "Bed & Breakfast" wissen wir, was für ein selbstverliebter Schwanz hinter der Fassade des lustigen Pro7-Muskel-Maskottchens schlummert. So kann das nichts werden. Alles jetzt, meine ich.

Bis später-päter,
A.      






Donnerstag, 29. März 2012

Die Krankheit eines guten Freundes

...was übrigens auch ein schöner Buchtitel wäre.


Wie Ihr sehen könnt, habe ich mein/meinen Blog optisch völlig gerelauncht, wie man ja heute so sagt. Ich weiß, für viele von Euch ist das ein schwerer Einschnitt in die wohlige Welt der Gewohnheit, aber ich konnte einfach nicht mehr damit leben, die erstbeste Standard-Vorlage für das Blog-Design gewählt zu haben. Und ich bin eigentlich ganz zufrieden so, wie es jetzt aussieht - das Design.

Schreckensnachricht des gestrigen Tages: Harald Schmidt wird abgesetzt! Wenn ich mir die Quoten von gestern ansehe, überrascht das nicht mal mehr - immerhin haben fast doppelt so viele Menschen gestern ein Format wie "Soko Wismar" gesehen - und dass, trotz Champions-League-Schützenhilfe. Sicher, die guten Zoten wurden alle schon gerissen, wie heute so richtig im Spiegel bemerkt wurde (Zum Artikel). Trotzdem fühl' ich mich komisch; glatt so, als hätte ein Freund von mir, die Diagnose einer tödlichen Krankheit bekommen. Ich will mich ja gar nicht aufspielen, und den von nun an fehlenden Anspruch beklagen, aber irgendwie will ich es doch. Ich mochte Schmidt; ich mochte seine Art, ich mochte die Gags, ich mochte sein Essemble, Hölle, ich mochte sogar die Gäste. Das alles endet nun. Ein Kumpel von mir hat das Ganze mit "Er ist alt. Lass ihn gehen." kommentiert und vielleicht hat er Recht.

Nachdem Sat.1 nun schon die CL-Rechte verloren hat, jetzt auch noch Harald. Mir fallen keine Gründe mehr ein, dann noch weiter Sat.1 zu gucken. Überhaupt ist das alles ein Armutszeugnis, ABER: das Fernsehprogram ist letztendlich nur ein Spiegel der Gesellschaft. Es läuft das, was die Leute eben sehen wollen. Ich finde nur traurig, dass das eben nur auf Scheiße hinausläuft. Ich mag ja auch die ganzen amerikanischen Serien, aber ich finde es bedenklich, dass bspw. auf Pro7 nur noch Scrubs, HIMYM und Big Bang Theory laufen. Die erste eigen-produzierte Sendung des Tages ist Taff  um 17.00 Uhr. Wenn ich nachts einschlafe läuft Big Bang Theory und wenn ich aufwache immer noch. Dieser Overkill an Serien scheint jedoch nur bei den wenigsten Menschen auf Ablehnung zu stoßen. Irgendwann wird so selbst eine gute Serie wie How I met your mother, den inflationär-nertötenden Status von Two and half man oder King of Queens erreichen. Kein Wunder, dass so viele (vernünftige Menschen) nur noch auf die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen zugreifen, um die experimentellen Programme der Subsender zu sehen. Lieber sehe ich den ganzen Tag ZDF Neo, als nur eine Stunde RTL. Inzwischen kann doch jeder scheiß Idiot einen eigenen Sender aufmachen. Man muss doch nur noch Formate aus Amerika kaufen und auf Play drücken. Aber wie gesagt, die Menschen wollen diese ganze Scheiße durchgehend sehen - weil sie Idioten sind. Das ist eben TV-Demokratie. Und der Demokratie darf sich doch wohl niemand in den Weg stellen. Trotzdem ist es verfickt nochmal ärgerlich, dass die Harald Schmidt Show verschwindet. Es gibt ja auch einfach keine Late-Night-Alternativen. TV Total hat vor 6 Jahren aufgehört, lustig zu sein - das zählt also nicht. Die Erklärung, warum also gute Fernseh-Instanzen wie Schmidt, Gottschalk und __________ (bitte ergänzen) scheitern und sich zurückziehen, ist simpel: es sind die Idioten vor den Bildschirmen; die Idioten, die Unheilig hören, die Idioten, die Günther Jauch zum Bundeskanzler wählen würden, die Idioten, die Bild lesen, die Idioten, die Guttenberg's Abschied bedauern, die Idioten, die nicht verstehen, dass die Klitschkos das Schwergewichtsboxen eher blockieren, als dass sie es bestärken, die Idioten, die "Deutschland schafft sich ab" auf die Bestsellerliste gehievt haben, die Idioten, denen es wichtig ist, dass irgendwelche bescheuerten Hunde in der Ukraine nicht abgeknallt werden, trotzdem aber total auf den Hunger in der dritten Welt scheißen und natürlich die Idioten, die Till Schweiger symphatisch finden.

Gute Nacht. 

Dienstag, 27. März 2012

So ist das heute - So war das damals

Wie kann etwas, dass so schön ist, nur so tödlich sein? Ich finde dieses Schachteldesign fast schon philosophisch. Man kann dieses fiesen Tabakindustrie-Kapitalismus-Vampiren ja viel nachsagen, aber die Leute von Gauloises geben sich verdammt Mühe mit den Aufmachungen ihrer Schachteln. Man muss die Menschen nun auch mal an ihren Taten messen. Das war nicht mein Ernst. 

Ich wieg mich schon wieder zu sicher in den Armen Nikotins - es wird, glaub' ich, bald mal wieder Zeit für einen kalten Entzug. Um ehrlich zu sein, fand' ich das nämlich auch ganz spannend. Vielleicht ist das eine Prise Masochismus, aber es war interessant zu sehen, wie sehr ich eigentlich darunter leide, nicht rauchen zu können. Quäle ich mich gern selbst? Ich habe auch kurzzeitig an Nikotinpflaster- und Kaugummis gedacht, aber dabei muss ich immer so an Werner Lorant denken. Außerdem sind die Scheißdinger auch nicht unbedingt billig. Die Promomaschinerie hinter diesen E-Zigaretten muss auch gewaltig sein; ich hab nur "Nikotinpflaster" bei Amazon eingegeben und schon bekomme ich auf der ersten Trefferseite, die Kaufempfehlung für ein Starter-Kid von dem Schwachsinn. Damit anzufangen, wäre genauso dämlich, weil es wahrscheinlich nur 'ne Frage der Zeit ist, bis die militante Nichtraucherlobby ein Verbot dafür durchbringt, da sie sich längst mehr durch die Optik gestört fühlen, als durch gemeingefährliches Passivrauchen. Die Leute haben einfach ihren Sinn für die Romantik von Zigaretten verloren. Rauchen stiftet die Atmosphäre alter Filme, den stilvollen Glanz vergangener Zeiten und bildet gleichsam einen schönen Kontrast zur sterilen Gesundheits-Vegetarierer-Arztzimmer-Welt von heute. Ein bisschen Cowboy-Melancholie, versteht ihr? ABER: Stillstand ist der Tod. Was soll ich dieser todbringenden Nostalgie nachhängen? Lieber quäl' ich mich ein bisschen.

Ich war gerade draußen. Lektionen, die ich dort lernen musste:

- es ist tatsächlich wärmer, als es draußen aussieht
- die Menschen sind hässlich und selbstgerecht - im Penny-Markt
- das mit dem Bart lassen wir wieder (ich hab mich in der Reflexion eines Schaufensters gesehen und erschrak)
- das Bild der Verkäuferin einer Obdachlosenzeitschrift, aus deren Radio "Forever Young" von Alphaville schallt, zieht mich in seinen Bann

Ich hab mir 'ne Pizza bestellt und hör' jetzt traurige Musik.
A.       

Montag, 26. März 2012

BEFREIT DEN KRAKEN!

Ich bin so voller Hass. Diese scheißfetten Vollidioten, die über mir wohnen sind so verfickt laut, dass ich fast kotzen muss. Aber es ist ja mitten in der Woche und außer mir scheint das hier niemanden zu stören. Die anderen Bewohner dieses Hauses sind bereits so verdammt alt, dass sie nichts mehr hören und nach Staub und Tod riechen. Es reicht ja noch nicht, dass ich in regelmäßigen Intervallen mit beschissener Bauchtanzmusik genervt werde. Aus irgendeineinem Grund müssen fette Mid-Life-Crisis-Weiber denken, dass das auf irgendeine Weise ästhetisch wäre. Ist es nicht. Und die Musik ist schrecklich. Ich bin ein toleranter Mensch, ich hab kein Problem mit fremden Kulturen, aber diese gottverdammte Scheißmusik ist - als wären scheiß Insekten in meinen Ohren! Sonst hört sie auch gern mal Unheilig und Charts. Das weiß ich so genau, weil sie mich immer daran teilhaben lässt. Aber diesmal schreit sie sich einfach nur mit ihrem behinderten Marine-Fettsack von Ehemann an, der vor vier Jahren, als ich hier eingezogen bin, klingeln kam, um mir zu sagen, dass er nicht auf einer Baustelle frühstücken wolle und wir leiser sein sollen. Wichser. Scheiß-Wichser! Aber was reg ich mich überhaupt auf, er ist doch schon genug damit gestraft, mit der Bauchtanzschlampe zusammenleben zu müssen. Den letzten Satz wollte ich eigentlich eherblich undiplomatischer formulieren. Manchmal hört man ihn nachts schreien, dass sie ein "fettes Schwein" sei. Ich weiß nicht in welchem Zusammenhang, aber ich habe viel Phantasie. Der muss wirklich angepisst sein. Wäre ich auch. Bundeswehridioten.  Das ist wohl diese Hierarchiesierung bis nach ganz unten. Wie bei den Nazis. Er wird von seinem Kadetten-Feldwebel-Captain angeschrien und muss das zuhause an seiner arbeitslosen Alten auslassen, die dann ihren scheiß Kummer in sich reinfrisst und wie ein Maniac tanzt. 

Nachdem die ganze Woche schon scheiß Gebohre und Gehämmer zu hören war, jetzt das. Ich muss in meiner eigenen Wohnung mit verfickten Kopfhörern rumsitzen, damit ich überhaupt konzentriert an meiner dämlichen Hausarbeit schreiben kann. Wie sehr wünsche ich euch verfettete und zugequollenen Arterien, ihr verschissenen Arschlöcher.
Aber Lana, Lana beruhigt mich.

    

Sonntag, 25. März 2012

Sunday Bloody Sunday

Tja, da haben die transparenten Piraten tatsächlich mehr Prozent eingefahren als die Grünen und die FDP zusammen. Und dass, obwohl, laut Umfragen, die Mehrheit der Deutschen sie für unglaubwürdig hält. Komisches Wahlverhalten. Sicherlich kann man ihre Kompetenz anzweifeln, aber ihre Credibility? Was ist denn bitte glaubwürdiger als ein Haufen Neon-lesender Studenten in Kaputzenpullovern, fusseligen Social-Media-Idioten und affektierten Schlampen in gepunkteten Second-Hand-Kleidern? Wahrscheinlich die modernen Anzug-Katholiken mit Retro-Brillen von der CDU oder deren konfessionslose Klone von der SPD. Die Grünen haben auch keine Themen mehr, nachdem sich die Leute nicht mehr für Fukushima und Stuttgart 21 interessieren und die FDP ist eben die FDP. Hab ich wen vergessen? Ach ja, die Linke. Aber wenn es nach denen ginge, gäbe es ja auch das Willy-Brandt-Chor, unsere freiwillige Friedensverteidigungsarmee. Ja, Willy Brandt ist, nach Meinung der Linken, inzwischen ein Linker - posthum sozusagen. Und denn sagen die Leute, dass andere Parteien Probleme hätten. 
    Ich hab' immer noch den Plan für eine Partei mit hundertprozentiger Erfolgsaussicht in der Schublade: Guttenberg und Sarrazin, die beide im Chor, den sofortigen Ausstieg aus der Europäischen Union fordern, das Schengen-Abkommen verlassen und die Reichs-äh-D-Mark zurückholen. Beide könnten jede kritische Stimme an ihnen sofort, der schon so wohlbekannten Medienhetze zuschreiben und alle wären glücklich; die Bild hätte wieder eine First Lady, die richtigen Journalien hätten wieder richtige Feinde, und die Trottel auf den Straßen wären mal glücklich mit ihrer Wahl. Aber das sind sie jetzt auch schon. Die Kanzlerin macht ja sooooo einen guten Job und represented unsere krasse Wirtschafts-Industrie-Pünktlichkeits-Super-Power gegen das schmarotzige EU-Umland. 

Und Christian Kracht gastiert heute bei Druckfrisch (ARD, 23.50 Uhr) - das ist mal 'ne gute Nachricht.

Hab Euch furchtbar lieb,
euer A.    

   

Samstag, 24. März 2012

Heil dir, Than von Cawdor!

Uaaaaaaaaaaaaaaaaargh, Samstag.
Ich gebe es zu; ich hab gestern nicht darauf geachtet, wieviel ich rauche. Voller Scham und Schande öffnete ich also heute morgen erst meine Augen, dann meine Schachtel Gauloises und siehe da: 10. 10. 10. Who's your daddy?! Ich hab' es also geschafft, mein natürliches Verlangen auf das, von mir gesetzte, Limit einzupendeln. Ich bin ein Meister der Selbstdisziplin - oder nicht, ich weiß nicht genau. Jedenfalls ist das ein deutliches Indiz dafür, wie krass ich bin - in welcher Hinsicht, weiß ich nicht genau.
    Ich bin, wie versprochen, gerade dabei, Christian Kracht eine Chance zu geben. Um dem Ganzen auch fair gegenüber zu treten, habe ich beschlossen mit "Faserland" zu beginnen, Kracht's Debut. Viele halten es für große Scheiße, bei einigen ist es Abiturrelevante Schullektüre, wieder einige sprechen im Zusammenhang dieses Werkes vom neuen J.D. Salinger. Bis jetzt liest es sich tatsächlich wie eine Mischung aus "Der Fänger im Roggen" und Bukowski in der deutschen Upper-Class. Kurze und knappe Sätze, welche natürlich eine große Angriffsfläche für bedeutungsschwängernde Über-Interpreten aufbieten. Bei knappen 180 Seiten gönne ich mir jedoch den Einschub.
    Dass FDP-Jude-Law Christian Lindner jetzt von allen Titelseiten flirtet, geht mir auch auf die Eier. Und dass das funktionieren wird, ist noch viel dämlicher. Laut Umfragen ist die FDP in NRW auf einmal schon wieder bei 5% - wtf? Und in Schleswig-Holstein zieht Kubicki auch immer ein bisschen - ungeachtet der Erfolge der Parteispitze. Witzig ist höchstens, dass das ein Erfolg für die Liberalen zu sein scheint. Wenn Lindner NRW reißt (mit krassen 5%), hat sich's bald ausgeröslert. Ich habe sogar schon Stimmen im Straßenumfragen aufgeschnappt, die kund tun, dass sie die FDP wählen werden, weil "keiner die auf'm Zettel hat" - aus Liebe zum Underdog quasi. Verrückte Welt des Wahlkampfes.    
Wo ist eigentlich der Frühling, den ich heute früh im Fernsehen gesehen habe, wenn ich ihn brauche? Ich wollte heute grillen, die Sonne genießen (wenn auch nur vom Balkon aus - alles andere wäre albern). Doch der Frühling ist im Ruhrgebiet und in Bayern, am Alpenrand oder sonstwo. Fest steht jedoch: Die Wurst ist gekauft, jetzt muss sie gegessen werden. So steht es schon in der Bibel - Lex 6:66. 

   
 

Freitag, 23. März 2012

Lang lebe der Bundespräsidentenkönig

Guten Morgen Nimmerland,

Oh Gott, der Echo? War das schlecht. Alles. Einzige Ausnahme: Krafklub mit Casper. Aber auch Rammstein - was war denn da los, meine Damen und Herren? Playback mit einem deutlich satten Manson. Es sind wohl traurige Zeiten. Und Shaggy ist zurück, hey. Die deutschen Preisverleihungen werden mit jedem Jahr schlimmer und peinlicher. Das schein aber nicht nur ich so zu sehen, wirft man einen Blick auf die Quoten. Als ich gerade meine Äuglein geöffnet habe, wurde Gauck vereidigt. Der hat ein paar ganz spannende neue Dinge über - Achtung - "Freiheit" in seiner Rede gesagt. Das schöne an einem Bundespräsidenten mit 'nem "Thema" ist, dass uns dieses Thema wahrscheinlich nie ermüden wird in den nächsten fünf Jahren. Man muss sich nur mal die Spiegel-Bestsellerliste "Sachbuch" ansehen. Wundervoll, Deutschland ist verliebt.
  Aprospos Spiegel. Wie stehen wir eigentlich zu Christian Kracht? Diesem fiesen Antidemokraten, wissen Sie? Ich find den ja in Interviews immer so sympathisch. Ich geb ihm ne Chance. Vielleicht sollten wir alle den Menschen mehr Chancen geben. 

Das Zehn-Kippen-Model funktioniert. Es wird also Zeit, weiter zu gehen, Zeit, die Grenzen auszutesten und einzureißen. Nächste Woche Montag geht's los mit neun. Ja.

So, jetzt renn' ich erstmal zum Drugstore, yeah, und kauf Zigaretten.
A.

Mittwoch, 21. März 2012

Große Erwartungen (2012)

Jip jip, gestern hatte Blog Geburtstag. Was für eine aufregende Woche voller neuer Medien und neuer Vorsätze. Eigentlich hat es Spaß gemacht und ich sehe keinen Grund, dass Ganze hier nicht noch eine weitere Woche durchzuziehen, weißt?
  Ich stehe bei fünf Zigaretten, was zweifelsohne bedeutet, dass ich jetzt nochmal so viele in der Bar rauchen kann. Ich hab also die nötige Vorarbeit geleistet. Ich bin mir noch ein wenig unschlüssig darüber, wann wir die Blinds erhöhen. Schon nächste Woche? Könnte das wieder zu plötzlich sein, wie es bei der "Schande von Montag" der Fall war? Darüber muss sich Zukunfts-Alex Gedanken machen.

Dieses Jahr hält noch eine Menge toller Geschenke für uns bereit; neben neuen Alben von The Gaslight Anthem, Mumford & Sons, The Killers und Norah Jones und Robert Francis, neben dem neuen Roman Carlos Ruiz Zafon "Der Gefangene des Himmels", neben dem letzten Batman-Teil von Christopher Nolan und neben Leonardo D.C. in "Great Gatsby", habe ich ich die Hoffnung auf ein weiteres tolles Album vom Gott des Alternative Country noch nicht aufgegeben: Mr. Ryan Adams. Nachdem "Ashes & Fire" im letzten Jahr der Beweis war, dass er noch immer kann, wenn er will, wäre es doch wieder schön Neues zu hören. Ein neues Buch soll wohl in jedem Falle erscheinen, aber moderne amerikanische Gedichte sind sicherlich nich was für jedermann - für mich zum Beispiel nicht, weil ich ein furchtbar intolleranter Kultur-Nazi bin.

Gerade bin ich im Spiegel auf einen amüsanten Artikel gestoßen: "Tofu ist schwules Fleisch": Geschmacklose Werbung sorgt nach Jahren für Ärger"  - das sich darüber jemand aufregt.

So, ich geh jetzt auf den Blog-Geburtstag anstoßen.

Bis morgen,
A.

Hier noch mein All-Time-Classic-Super-Song von Ryan Adams:
  

Dienstag, 20. März 2012

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze


Na, habt ihr alle Gottschalk gesehen? Also ich, ich hab's vergessen - wohl wie die meisten Menschen in Mutter Deutschland. Ich bin bei acht Zigaretten. Ich lieg also gut im Pensum. Morgen geh ich abends ein paar Bierchen trinken. Das wird nochmal 'ne neue Herausforderung. Alkohol spornt mich sonst nämlich immer zum noch-mehr-Rauchen an.
  Bisher kann ich mein Konzept zur Minimierung eigentlich nur empfehlen, ABER: da ich momentan jedoch auch Semesterferien habe, sind das ja noch lange keine Wettkampfbedingungen. Bisher scheint es machbar zu sein. So ein bisschen Selbstvertrauen kann nicht schaden. Ich bleib am Ball. Ich bleib am Ball. Ich bleib am Ball.

Ich werd mir jetzt demnächst mal dieses hochgelobte Buch hier reinzimmern:
Siddhartha Mukherjee - "Der König aller Krankheiten: Krebs - eine Biografie"



















Ich schätze, das wird meinen Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören, nur bestätigen und bestärken. Angst ist immer ein guter Lehrmeister (oder "kein guter Lehrmeister", ich weiß nicht mehr so genau). Ich fürchte den Krebs. Gaaaanz wirklich. Ich finde den Gedanken sehr faszinierend, dass der Krebs, der ja todbringendend sondergleichen ist, in gewisser Hinsicht Unsterblichkeit bedeuten kann. Die Krebszellen überleben ihren Wirt. Im Buch ist die Rede von den Zellen einer Frau, die in den 70'ern an Krebs gestorben ist. Die bösen Zellen, welche im Labor eingelagert sind, teilen und gedeihen immer noch - fast schon philosophisch. So, jetzt geh ich meine letzte Kippe für heute rauchen und denn guck' ich Fußball. Wir sehen uns ja morgen wieder.

HDGDL,
A.

Im Westen nichts Neues

Ich möchte nicht wissen, wieviele Idioten einen ihrer Posts schon so betitelt haben.

Gestern: neun Zigaretten - damit bin ich schon unter der Vorgabe des Tages geblieben. Sowas muss auch mal honoriert werden! Und eigentlich hat es sich nicht wie die Hälfte des üblichen Pensums angefühlt. Das ist doch mal ein gutes Omen.
  Heute stehe ich bisher bei drei Kippchen. Das riecht fast nach 'ner neuen Bestmarke, aber loben wir den Tag lieber nicht vor dem Abend. Heute Abend ist erstmal Fußball und Fußball ist erfahrungsgemäß nervenaufreibend und und rauch-provozierend. Also muss ich ein bisschen vorarbeiten, indem ich mich zusammenreiße. Wir sollten heute alle mal Gottschalk gucken. Die Ansätze von gestern waren gar nicht so(oooo) mies. Und da ich wahrscheinlich mehr Leser habe, als er Zuschauer, wäre es nur fair, ihm ein bisschen Schützenhilfe zu geben. 19:20 ARD! Wer da nicht kann, guckt GZSZ und das, liebe Freunde, ist ein Armutszeugnis - im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich ess' jetzt jetzt erstmal Nudeln und arbeite an meiner vielversprechenden Hausarbeit.

Bis nachher

     

Montag, 19. März 2012

Der Kampf gegen Windmühlen

Hier steh ich nun und habe ein schlechtes Gewissen - euch gegenüber. 
Wisst ihr, ich habe heute etwas gelernt; vielleicht ist so eine 0-auf-100-Variante nicht so richtig was für mich. Was ich brauche, ist ein Abschied auf Raten. Ja ja, ich kann genau hören, was ihr denkt. Anders geht es aber nicht. Ich war echt wuschiger, als ich angenommen hatte. Das war ein schreckliches Experiment.
  Mein Plan sieht nun folgendermaßen aus: als ersten Schritt halbiere ich meine tägliche Dosis auf 10 Zigaretten pro Tag. Und dann erhöhen wir die Blinds nach und nach. Auf diesem Weg zieh ich mir dann langsam den rauchigen Boden unter en Füßen weg, weißt? Aufgeben ist aber einfach nicht meine Art - ihr kennt mich. Ich muss auch immer noch daran denken, dass ich nicht verrückt werde. Und das geht nicht, wenn ich auf einmal gar nicht mehr rauche, verdammte Scheiße.
  Als Entschädigung und Zeitverschwendung habe ich heute mein Blog um ein paar tolle Features bereichert. Ich dräng' euch nun auch noch Bücher und Musik auf. So kann ich in eure Köpfe gelangen. Ich habe GottschalkLive heute seit gefühlten 3 Monaten wieder einmal eine Chance gegeben: sooooooooooooo schlecht war das gar nicht. Olli Pocher ist tatsächlich ein nerviger Wichser, aber Gottschi war OK. Ob jedoch die alte Studiodeko der Grund für die miesen Quoten war, wage ich zu bezweifeln. Genug der Plauderei. Bis Morgen.

A.
    

20h 54min - Rückfall

Ich bin schwach, mir ist schwindelig und ich schäme mich. Meine Fingernägel waren runter gekaut und ich konnte partout kein Wort schreiben. Jetzt bin ich benebelt und kann kein Wort schreiben. Warum ist das denn so verfickt schwer? Ich bin aber auch einfach 'ne Nummer zu suchtanfällig. Gottseidank bin ich nicht reich, sonst wäre ich wahrscheinlich drogen-, spiel- und kaufsüchtig.
  Scheiße, was machen wir nun? Ein Freund von mir hat mir gestern erzählt, dass der Nikotinentzug zusammen mit dem Kokainentzug am Schlimmsten sein soll. Ich war bisher zwar nicht süchtig nach Koks, aber ich stimme dem einfach mal zu, sei es nur, um meine eigene Situation ein bisschen empor zu heben. Trotzdem, der Plan muss bestehen bleiben. Rückfälle muss man einfach einkalkulieren. Im Krieg muss man Verluste hinnehmen. Gauloises hat vielleicht die Schlacht gewonnen, doch der Krieg ist noch offen. Mein engster Freund ist nun mein Feind. Ich steh auf martialische Metaphern. Ich muss die Gewohnheiten bekämpfen, darf dabei aber nicht außer Acht lassen, was für ein furchtbar nerviges Arschloch ich bin, wenn ich nicht rauche. Ich geb nicht auf, der Countdown startet neu.

A.

P.S. Ja M, ich schulde dir 'nen Zehner.

20h

Es wurde wirklich noch schlimmer gestern Abend, aber ich konnte doch recht solide einschlafen. Im Augenblick geht es, auch, wenn ich Probleme habe, mich zu konzentrieren. Das ist nicht unbedingt ein Vorteil, wenn man an einer Hausarbeit schreibt. 
  Nachdem ich heute morgen meine Augen geöffnet habe, sind mir tausende Bilder in den Kopf geschossen: all die Jahre, in denen ich geraucht habe. Wälder, Proberäume, Strände. So viele Erinnerungen, die wie Musikclips ablaufen - und immer habe ich 'ne Kippe im Mund, und immer ist die Musik "Glycerine". Die letzten zehn Jahre waren super! Dank an alle Beteiligten.
  Offenbar ist meine Stimmung von absoluter Gereiztheit in totale Nostalgie umgeschlagen. Ich würde echt gern rauchen, wenn auch nur, um mich so zu fühlen wie früher. 

  

Sonntag, 18. März 2012

7h

Langsam wird's unangenehm. Ich meine; ich will hier keine Heroinsucht aus 'nem Rauchdunst machen, aber es ist heftig, wie sehr man sich dran gewöhnt hat. Ich werfe mir durchgehend Pfefferminzpastillen ein. Für meinen Atem hat sich die Mission bisher also gelohnt.
Ich bin aufgeregt. Alles ist wahrscheinlich schlimmer, weil ich ununterbrochen darüber nachdenke. Wenn die Pfeffis alle sind, brauch ich was neues. Ich habe schon zweimal das Geld in meinem Portmonee gezählt. Ja, es würde für'n Zigarettenautomaten passen, aber nein, ich gehe nicht los. 
Ich geh erstmal in die Badewanne und versuche zu lesen. Alex obsiegt.

Bundesversammlung vs. Zigaretten

So, jetzt ist es durch. Es gibt keine Zigaretten mehr. Kein Mahnmal. Ich fühl mich leer und verräterisch. Ob die Bundesversammlung mich gebührend von den Zigaretten abhalten wird, wage ich auch zu bezweifeln. Stasijäger vs. Nazijägerin. Wenigstens haben wir ja jetzt Kandidaten mit einem "Thema" - das ist sehr essentiell in so einer wichtigen Funktion. Aber wie der stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD, Udo Pastörs, es wieder geschafft hat, ein bisschen Aufmerksamkeit zu ergattern, ist auch irgendwie befremdlich. Ich bin mir nicht sicher, ob das Protokoll der Bundesversammlung wirklich vorsieht, dass solche kalkuliert provozierenden Zwischenrufe aus dem Vorfeld, während der großen Kür tatsächlich Erwähnung finden müssen, oder, ob man Pastörs damit nicht genau die Lobby gegeben hat, auf die er abgezielt hatte. 
  Vielleicht sollte ich mir auch ein neues Laster suchen. Ich bin offen für Vorschläge. Politik? Ich könnte ja die FDP retten. Wenn dann auch 'ne richtige Herausforderung, oder nicht? Aber ich glaub', so schlimm ist es noch nicht. Schokoriegel? Kaugummizigaretten? E-Zigaretten sind was für Schlappschwänze und alte Witwen. Mal sehen, erstmal habe ich ja auch das Blog. Das Blog klingt so falsch. Ich würde so gern "den" sagen. Aber wir leben nicht in einer Welt der Wünsche.

Ich knabber bereits hart an meinen Fingernägeln und das, obwohl ich erst seit 20 Minuten keine mehr geraucht habe. Das ist keine Zeit, die mich sonst wuschig macht, aber die Gewissheit, dass das jetzt nur der Anfang ist, macht es bereits schlimm. Alex obsiegt - bestimmt.

Hab euch furchtbar lieb,
A.

Samstag, 17. März 2012

Der Riss im Mahnmal

Ok, das mit dem Mahnmal war 'ne scheiß Idee. Es ist zu verlockend. Außerdem fühlt es sich nicht einmal wie Betrug an, wenn man die Zigaretten der Schachtel raucht, die hier sowieso noch liegen. Erklären kann ich das auch kaum. Ich mach' die Regeln nicht. Don't hate the player - hate the game.
  Heißt also: Ich sollte so ehrlich sein und zugeben, dass ich meine Linie bereits jetzt nicht halten konnte und die drei restlichen Mahnmal-Kippen natürlich auch noch rauchen werde. Noch ist die Mission nicht gescheitert. Der Plan des Aufhörens besteht. Wahrscheinlich ist das eine Lektion, die ich lernen musste. Man wird immer Raucher sein. Das ist wie bei den Weight-Watchers oder den AA. Man wird immer fett sein oder Trinker - wenn auch nur metaphorisch. Das ist eben mein Abschied auf Raten - wie bei Gottschalk.
  Heute gab's vor'm Weiland 'ne Aktion: 1kg Buch - 5€. Das war befremdlich, aber ich habe eine tolle Sammlung von Balladen für 2€nochwas erstanden. Es war zwar merkwürdig, dass abgewogen wurde an der Kasse, doch der Zweck heiligt die Mittel. All die schönen Gedichte aus der Schule; John Maynard, Barbarossa, Erlkönig, Des Sängers Fluch und wie 'se alle heißen. Und ich hör' Roxette. Ja, Roxette. Mehr Indizien für eine bevorstehende Veränderung kann es doch gar nicht geben. "The night is so pretty, is so young". Hach, Roxette.

Also noch drei Kippen bis zur Freiheit. Keine Panik, das geht schnell. "Drei Kippen bis zur Freiheit" - so heißt übrigens auch meine bald-erscheinende Autobiographie. Also bis morgen, liebes Tagebuch, dann geht's wirklich los. Ohne doppelten Boden, ohne Kompromisse. Alex obsiegt.

A.

P.S. Ich kann mich nicht daran erinnern, gestern großkotzig irgendwelche Wetten eingegangen zu sein.

P.P.S. Ich glaube, das mit dem Verantwortungsgefühl dem Blog gegenüber funktioniert. Ich geh' eine rauchen. 2. 

Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los

Nun ist es soweit; wie versprochen, werde ich vier Zigaretten als Mahnmal übrig lassen. Das bedeutet, dass noch eine letzte Zigarette übrig ist. Zum Abschied habe ich mir gestern vielleicht doch eine Big Box gegönnt.
  Ich bin mir nicht sicher, ob ich vielleicht sowas wie eine kleine Zeremonie abhalten sollte. Vielleicht ein paar letzte, feierliche Worte. Mir fällt aber irgendwie nichts richtiges ein. Warum auch? Ich sollte froh sein und die Sache hinter mich bringen. Ich werde unausstehlich werden. Irgendein kluger Kopf hat einmal gesagt, dass er aus Verliebtheit zum Tode raucht - Nietzsche? Ich glaub'. Ich bin nicht in den Tod verliebt, ich schwärme nicht einmal für ihn, ich fürchte ihn. Ich hab gestern abend vielleicht ein bisschen viel geraucht und getrunken. Das macht mich wohl übermütig, aber stärkt auch mein Vertrauen in mich und meine Mission. Unsere Mission. 

Ich geh jetzt die letzte Zigarette aller Zeiten rauchen. Adieu Gauloises, mein treuer Freund, doch ich trage das Messer bereits im Gewande. Alex obsiegt. 

Freitag, 16. März 2012

Im Angesicht des sicheren Todes, werde ich mit dem Rauchen aufhören.

Hallo, mein Name ist Alex und ich bin Raucher.

Um diesem Blog eine Linie zu geben und mich gleichzeitig selbst auf Kurs zu bringen, habe ich beschlossen, mit dem Rauchen aufzuhören und alles hier zu dokumentieren. Ich erhoffe mir davon eine Verantwortungsbewusstsein dem Blog und meinen Millionen von Lesern gegenüber, das mich dazu zwingt, es durchzuziehen. 
  Ich bin kein bescheuerter Idealist; um ehrlich zu sein, rauche ich ziemlich gern. Ich habe zwar erst mit sechzehn damit angefangen (damals rauchten schon viele meiner Freunde), bin aber seit dem durchgehend, naja, am Ball geblieben. Also nun, zehn Jahre und unzählige Euro später, soll die Liaison zwischen Gauloises Blondes und mir ein jähes Ende finden. Aber so ist es nun.  Mein Konsum hat über die Jahre eigentlich weder zu noch abgenommen: Ich war immer so bei zwanzig Zigaretten pro Tag. Manchmal auch pro Abend (hing ja auch immer davon ab, was ging, weißt?). Gehen wir jetzt davon aus, dass ich seit zehn Jahren rauche, dann ergibt sich daraus, dass ich:

- ca. 73'000 Zigaretten (+/- 7000 eher plus) geraucht habe
- ca. 18'250 € (+/- Geschenke von Oma, Polenkippen)investiert habe

  Das ist zugegebener Maßen eine sehr einfache und wohlwollende Rechnung, aber selbst, wenn das nur ein Näherungswert ist, klingt es beängstigend, oder nicht?
  Rauchen war immer auch etwas Spirituelles für mich. Das Rauchen war der verlängerte Arm meine Außendarstellung. Ich bin darin aufgegangen, habe mich damit identifiziert. Aber wie schon die weise Philosophin Nelly Furtado einst sagte: "All good things come to an end". Und sicher: Gesundheit und Geld.  Der Tod sind die Gewohnheiten; War ich nervös, zufrieden, kaputt, wach, satt, befriedigt, habe ich eine geraucht. Ist irgendwo ein Zeitfenster entstanden, habe ich eine geraucht. Hat jemand angerufen, habe ich eine geraucht. Ist nichts davon zugetroffen, habe ich wahrscheinlich auch eine geraucht. All das endet. Ich muss mich den Gewohntheiten und meiner eigenen Unsicherheit stellen und meine Angst zu meinem Verbündeten machen. So wie Batman.
  Heute Abend geh ich nochmal pokern. Es wäre albern, zu erwarten, dass das also sofort heute klappen würde - aber ich mache den Anfang damit, dass ich mir keine Big Box kaufe, sondern eine kleine Schachtel. Devil in the details. Und morgen geht die wilde Fahrt dann los. Ich werde mir vier Zigaretten übrig lassen und sie als Mahnmahl auf meinem Schreibtisch deponieren. Mal gucken, ob das eine gute Idee ist. Sollte ich widererwarten scheitern, dann ist dieser Blog als Karikatur auf die Blogkultur an sich zu verstehen. Ironie ist immer der letzte Ausweg, nech? Aber so weit wird es nicht kommen. Ich werde obsiegen.

Lexman Over       

Donnerstag, 15. März 2012

+++BREAKING NEWS+++

Kleiner Nachtrag, der mir heute nochmal ein Lächeln auf's Gesicht gezaubert hat:

Kammeramann tritt Keinohrhasen tot

Neues aus Elfenbeinturmistan

Tag Drei. Den Blogspot-Statistiken zufolge, wurde mein Blog gestern 67mal aufgerufen. Da sind schon ein paar Freudentränchen geflossen. Ich wusste, dass es sich lohnt, meine Zeit zu investieren. Mir geht Türkisch für Anfänger jetzt schon dermaßen auf den Sack (ohne ihn gesehen zu haben und ohne ihn sehen zu werden), dass es die Dimensionen der BASE- und Pickup-Werbungen annimmt. Wer guckt so eine gottverdammte Rotze? Das sind Filme, bei denen die Trailer schon so nervig sind, dass einem schlecht wird. Als haben wir nicht schon genug behinderte Integrationskomödien. 
Ich guck' Fussball und trinke Bier. Kartoffel ergo sum.
Morgen wieder mehr.
Hannover ist durch. Schalke arbeitet gerade fleißig daran, auszuscheiden. 5-Jahres-Wertung!

Luv yu all so much!
A.


WHO THE FUCK IS MAN UNIIIIITED?

Mittwoch, 14. März 2012

Tag 2 auf der Insel

Liebes Tagebuch,
ja, zweiter Tag - zweiter Eintrag. Bei mir wird Produktivität noch groß geschrieben. Aus den Boxen meiner Anlage singen abwechselnd Michael Kiwanuka und die Faded Paper Figures, Bayern gewinnt 7:0 in einem Champions-League-Achtelfinale, in der Bild entzündet sich eine Debatte darüber, dass die Deutschen ihre Kinder zu oft schlagen und die Sonne schafft es nicht, durch die dicklichen Wolken über Kiel zu luschern. In dieser hässlichen und grauen Stadt besteht meine Aufgabe heute darin, neue Auslegeware auf dem Balkon zu verlegen: 8m² paradisisch roter Kunstrasen - pimpin' ain't easy oder so.
  Wo wir gerade bei Kiwanuka waren. Nach dem 300sten Hören scheint sein frisch-erschienenes Album "Home Again" noch immer nicht an Reiz zu verlieren. Während hierzulande bisher erst ein paar einschlägige, öffentlich-rechtliche Kulturmagazine und Musiksites über den jungen Londoner berichteten, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Zug voller wird. Mit gerade einmal 24 Jahren macht der junge Brite Musik, die eigentlich jenseits unserer Zeit zuhause ist. Wikipedia verordnet seine Songs im "Retro-Soul". Ein Etikett, an dem man sich sicherlich auch stoßen kann. Was die PR betrifft, dürfte das Ganze jedoch ein Selbstläufer werden, denkt man an die pre-skandalöse Entstehung der Winehouse. Was aber am wichtigsten ist; die Musik ist gut - ohne wenn und aber.
  Wo wir gerade nicht bei Fussball waren... Dass Bayern gegen Basel weitergekommen ist, sollte eigentlich für niemanden eine Überraschung sein (müssen), doch die Art und Weise, wie das Spiel vom deutschen Rekordmeister dominiert wurde, lässt nun natürlich die internationale Sportpresse jauchzen. Erste Gedanke an ein Traumfinale zwischen Barca und dem FCB drängen sich auf. Ob man es nun mit den Bayern hält oder nicht, man kann nicht leugnen, dass der erste deutsche Champions-League-Titel seit über zehn Jahren, ein angenehmer Start in die Feierlichkeiten zur ersten deutschen Europameisterschaft seit 1996 wäre. Die Meisterschaft gönn' ich den Bayern natürlich nicht, aber international sollte man solche persönlichen Stolpersteine doch lieber hinter sich lassen. Schließlich geht es auch immer um die UEFA-Fünf-Jahres-Wertung. Immer. Bei allem.
  So, nur dem geschulten Leser dürfte aufgefallen sein, wie ich, umgarnt von geschmeidigen Übergängen, das aktuelle Tagesgeschehen in meinen Blog integriert habe. Als ich vorhin eine Freundin fragte, ob sie denn auch einen Blog habe (so reden doch die jungen Leute miteinander, oder?), antwortete sie nur: "Nööö, wozu?!". Ich war außerstande ihr diese gekonnt gekonterte Gegenfrage zu beantworten. Jeder Versuch einer Argumentation wäre nur dummes Gefasel, welches am Ende darauf hinausläuft, dass man geil darauf ist, anderen sein Geschwafel zu präsentieren. Scheinbar will ich wohl genau das. Ich bin mir sicher; die Welt hat darauf gewartet. Vielleicht sollte ich mir auch ein Thema oder sowas überlegen. Vielleicht ist das Problem aber auch, dass ich bisher keine anderen Blogs gelesen habe (Wenn ich welche kannte, waren es eher abschreckende Beispiele). Vielleicht ist das jedoch mehr Vorteil, als Problem. Ich könnte: aus der Gesellschaft aufbrechen und meine Erlebnisse dokumentieren, mal den Jakobsweg gehen, in ein Krisengebiet reisen oder Filme, Bars und Bücher vorstellen...
Oder aber: ich bleibe hier sitzen und ess meinen Erasco-Linseneintopf auf. Mal im Ernst, Erasco macht echt verfickt gute Eintöpfe. Erasco, Erasco. Vielleicht hätten die ja Interesse an einem Sponsoring-Deal; ich erwähne sie wohlwollend in meinem Blog und verdiene damit im Gegenzug meinen Lebensunterhalt. Ich mach das, ich steh voll hinter dir, Erasco - Kein Scheiß! Gleiches gilt für Coca-Cola, Heineken und Gauloises. Mein Angebot steht. Meldet Euch einfach. 
Ist das nicht "wohnlich"?
Ohne die Hilfe meines Vaters hätte ich mir wahrscheinlich die Fingerkuppen mit dem Cuttermesser (Was ist das eigentlich für'n dämlicher Name?) abgeschnitten und anschließend am Boden festgeklebt.
Ich möchte, dass sich gewisse Riten einschleifen, weswegen ich heute mit einem Zitat schließe:

"Während Sinatras Stimme an den nackten Felswänden widerhallte, saß ich vollkommen zufrieden auf dem Dach dieses nutzlosen Sterns und kostete die Sonne aus. Mich interessierte nicht, wie viel Zeit uns noch blieb, bis sie hinter den Bergen verschwinden würde. Einen wunderbaren Augenblick lang - und wer wollte mehr vom Leben verlangen - fehlte mir nichts, und ich war wunschlos glücklich." (J.R. Moehringer: "Tender Bar")

In diesem Sinne,
A. 
P.S.: Egal, wie schlecht es um uns alle steht, dass in knapp zwei Wochen Promi-Boxen sein wird, vermag uns allen, Kraft zu geben.   

Was bisher geschah...

Mit diesem Satz vermeide ich, meinen Blog mit "Ich" zu beginnen - schließlich schickt sich das nicht. Ich bin nicht neu in diesem "Internet". Ich bin auch schon ein paar Trends mitgegangen; StudiVZ, Myspace, Twitter - die wenigsten werden wohl noch etwas damit anzufangen wissen. Und doch habe ich mich immer gegen diese "Blogs" gewehrt. Ich war stets der festen Überzeugung, dass nur Egomanen und Vollidioten, Interesse an solch' schleimigen Selbstreflexionen haben können. 
  Ob ich nun letztendlich eines Besseren belehrt wurde, oder, ob ich mit den Jahren selbst zu einem egomanischen Vollidioten geworden bin, kann ich noch nicht genau einordnen. Indizien sind vorhanden. Schließlich müsste ich mich sonst nicht so zusammenreißen, nicht zu viele Sätze mit "Ich" einzuleiten. Die Möglichkeit, dass ich dies alles hier nur tue, um nicht mit meiner Fachdidaktik-Hausarbeit anfangen zu müssen, sollte ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Doch nun nehmen wir's, wie es eben ist.
  Nachdem ich mindestens 3 Stunden in die Wahl des richtigen Namens, des Designs und die Entscheidung zwischen Wordpress und Blogspot investiert habe, schreibe ich. In welchen Intervallen ich hier posten, bloggen (oder wie auch immer man das verdammt nochmal nennt) werde, weiß ich noch nicht so genau. Thematisch hab ich mir wohl ein ähnliches Konzept vorgenommen, wie Gottschalk VOR seiner Sendung - soll heißen: aktuelles Tagesgeschehen, Selbstbeweihräucherung und dummes Gelaber.

In Liebe,
A.