Dienstag, 27. März 2012

So ist das heute - So war das damals

Wie kann etwas, dass so schön ist, nur so tödlich sein? Ich finde dieses Schachteldesign fast schon philosophisch. Man kann dieses fiesen Tabakindustrie-Kapitalismus-Vampiren ja viel nachsagen, aber die Leute von Gauloises geben sich verdammt Mühe mit den Aufmachungen ihrer Schachteln. Man muss die Menschen nun auch mal an ihren Taten messen. Das war nicht mein Ernst. 

Ich wieg mich schon wieder zu sicher in den Armen Nikotins - es wird, glaub' ich, bald mal wieder Zeit für einen kalten Entzug. Um ehrlich zu sein, fand' ich das nämlich auch ganz spannend. Vielleicht ist das eine Prise Masochismus, aber es war interessant zu sehen, wie sehr ich eigentlich darunter leide, nicht rauchen zu können. Quäle ich mich gern selbst? Ich habe auch kurzzeitig an Nikotinpflaster- und Kaugummis gedacht, aber dabei muss ich immer so an Werner Lorant denken. Außerdem sind die Scheißdinger auch nicht unbedingt billig. Die Promomaschinerie hinter diesen E-Zigaretten muss auch gewaltig sein; ich hab nur "Nikotinpflaster" bei Amazon eingegeben und schon bekomme ich auf der ersten Trefferseite, die Kaufempfehlung für ein Starter-Kid von dem Schwachsinn. Damit anzufangen, wäre genauso dämlich, weil es wahrscheinlich nur 'ne Frage der Zeit ist, bis die militante Nichtraucherlobby ein Verbot dafür durchbringt, da sie sich längst mehr durch die Optik gestört fühlen, als durch gemeingefährliches Passivrauchen. Die Leute haben einfach ihren Sinn für die Romantik von Zigaretten verloren. Rauchen stiftet die Atmosphäre alter Filme, den stilvollen Glanz vergangener Zeiten und bildet gleichsam einen schönen Kontrast zur sterilen Gesundheits-Vegetarierer-Arztzimmer-Welt von heute. Ein bisschen Cowboy-Melancholie, versteht ihr? ABER: Stillstand ist der Tod. Was soll ich dieser todbringenden Nostalgie nachhängen? Lieber quäl' ich mich ein bisschen.

Ich war gerade draußen. Lektionen, die ich dort lernen musste:

- es ist tatsächlich wärmer, als es draußen aussieht
- die Menschen sind hässlich und selbstgerecht - im Penny-Markt
- das mit dem Bart lassen wir wieder (ich hab mich in der Reflexion eines Schaufensters gesehen und erschrak)
- das Bild der Verkäuferin einer Obdachlosenzeitschrift, aus deren Radio "Forever Young" von Alphaville schallt, zieht mich in seinen Bann

Ich hab mir 'ne Pizza bestellt und hör' jetzt traurige Musik.
A.       

Kommentare:

  1. Kalter Entzug ist meines Erachtens nach erfolgversprechender als "ausschleichen". Zumindest war das bei mir so. Aber ich will auch nicht sagen, dass es einfach war. Ich habe das Rauchen lange vermisst...

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  2. Ich würde auch den kalten Entzug wählen. Mit Schokolade habe ich das geschafft... Aber das ist wohl nicht vergleichbar... Und was das Aussehen angeht: Es sind gerade die giftigsten Tiere und Pflanzen, die mit einer besonderen Farbenpracht daherkommen. Zieh's durch, Alex!

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  3. Nun ich muss dazu sagen, ich habe jahrelang geraucht und mehrmals versucht aufzuhören. Jedesmal gescheitert, meistens wieder angefangen, wenn ich feiern war. Doch dann von einem Tag zum anderen hab ich aufgehört und rauche seitdem nicht mehr. Nicht eine einzige Zigarette habe ich angerührt. Vor allem meine Gesundheit und das Geld spielten dabei eine Rolle. Nur allein der Wille zählt, wenn der Wille nicht da ist, dann kann man(n) es gleich vergessen. :)

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