Mittwoch, 14. März 2012

Tag 2 auf der Insel

Liebes Tagebuch,
ja, zweiter Tag - zweiter Eintrag. Bei mir wird Produktivität noch groß geschrieben. Aus den Boxen meiner Anlage singen abwechselnd Michael Kiwanuka und die Faded Paper Figures, Bayern gewinnt 7:0 in einem Champions-League-Achtelfinale, in der Bild entzündet sich eine Debatte darüber, dass die Deutschen ihre Kinder zu oft schlagen und die Sonne schafft es nicht, durch die dicklichen Wolken über Kiel zu luschern. In dieser hässlichen und grauen Stadt besteht meine Aufgabe heute darin, neue Auslegeware auf dem Balkon zu verlegen: 8m² paradisisch roter Kunstrasen - pimpin' ain't easy oder so.
  Wo wir gerade bei Kiwanuka waren. Nach dem 300sten Hören scheint sein frisch-erschienenes Album "Home Again" noch immer nicht an Reiz zu verlieren. Während hierzulande bisher erst ein paar einschlägige, öffentlich-rechtliche Kulturmagazine und Musiksites über den jungen Londoner berichteten, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Zug voller wird. Mit gerade einmal 24 Jahren macht der junge Brite Musik, die eigentlich jenseits unserer Zeit zuhause ist. Wikipedia verordnet seine Songs im "Retro-Soul". Ein Etikett, an dem man sich sicherlich auch stoßen kann. Was die PR betrifft, dürfte das Ganze jedoch ein Selbstläufer werden, denkt man an die pre-skandalöse Entstehung der Winehouse. Was aber am wichtigsten ist; die Musik ist gut - ohne wenn und aber.
  Wo wir gerade nicht bei Fussball waren... Dass Bayern gegen Basel weitergekommen ist, sollte eigentlich für niemanden eine Überraschung sein (müssen), doch die Art und Weise, wie das Spiel vom deutschen Rekordmeister dominiert wurde, lässt nun natürlich die internationale Sportpresse jauchzen. Erste Gedanke an ein Traumfinale zwischen Barca und dem FCB drängen sich auf. Ob man es nun mit den Bayern hält oder nicht, man kann nicht leugnen, dass der erste deutsche Champions-League-Titel seit über zehn Jahren, ein angenehmer Start in die Feierlichkeiten zur ersten deutschen Europameisterschaft seit 1996 wäre. Die Meisterschaft gönn' ich den Bayern natürlich nicht, aber international sollte man solche persönlichen Stolpersteine doch lieber hinter sich lassen. Schließlich geht es auch immer um die UEFA-Fünf-Jahres-Wertung. Immer. Bei allem.
  So, nur dem geschulten Leser dürfte aufgefallen sein, wie ich, umgarnt von geschmeidigen Übergängen, das aktuelle Tagesgeschehen in meinen Blog integriert habe. Als ich vorhin eine Freundin fragte, ob sie denn auch einen Blog habe (so reden doch die jungen Leute miteinander, oder?), antwortete sie nur: "Nööö, wozu?!". Ich war außerstande ihr diese gekonnt gekonterte Gegenfrage zu beantworten. Jeder Versuch einer Argumentation wäre nur dummes Gefasel, welches am Ende darauf hinausläuft, dass man geil darauf ist, anderen sein Geschwafel zu präsentieren. Scheinbar will ich wohl genau das. Ich bin mir sicher; die Welt hat darauf gewartet. Vielleicht sollte ich mir auch ein Thema oder sowas überlegen. Vielleicht ist das Problem aber auch, dass ich bisher keine anderen Blogs gelesen habe (Wenn ich welche kannte, waren es eher abschreckende Beispiele). Vielleicht ist das jedoch mehr Vorteil, als Problem. Ich könnte: aus der Gesellschaft aufbrechen und meine Erlebnisse dokumentieren, mal den Jakobsweg gehen, in ein Krisengebiet reisen oder Filme, Bars und Bücher vorstellen...
Oder aber: ich bleibe hier sitzen und ess meinen Erasco-Linseneintopf auf. Mal im Ernst, Erasco macht echt verfickt gute Eintöpfe. Erasco, Erasco. Vielleicht hätten die ja Interesse an einem Sponsoring-Deal; ich erwähne sie wohlwollend in meinem Blog und verdiene damit im Gegenzug meinen Lebensunterhalt. Ich mach das, ich steh voll hinter dir, Erasco - Kein Scheiß! Gleiches gilt für Coca-Cola, Heineken und Gauloises. Mein Angebot steht. Meldet Euch einfach. 
Ist das nicht "wohnlich"?
Ohne die Hilfe meines Vaters hätte ich mir wahrscheinlich die Fingerkuppen mit dem Cuttermesser (Was ist das eigentlich für'n dämlicher Name?) abgeschnitten und anschließend am Boden festgeklebt.
Ich möchte, dass sich gewisse Riten einschleifen, weswegen ich heute mit einem Zitat schließe:

"Während Sinatras Stimme an den nackten Felswänden widerhallte, saß ich vollkommen zufrieden auf dem Dach dieses nutzlosen Sterns und kostete die Sonne aus. Mich interessierte nicht, wie viel Zeit uns noch blieb, bis sie hinter den Bergen verschwinden würde. Einen wunderbaren Augenblick lang - und wer wollte mehr vom Leben verlangen - fehlte mir nichts, und ich war wunschlos glücklich." (J.R. Moehringer: "Tender Bar")

In diesem Sinne,
A. 
P.S.: Egal, wie schlecht es um uns alle steht, dass in knapp zwei Wochen Promi-Boxen sein wird, vermag uns allen, Kraft zu geben.   

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