Freitag, 6. April 2012

Am Strand

Im Gedenken an unseren Erlöser habe ich mich heute, mit einem alten Freund, zum Strand Boltenhagens aufgemacht, um eine Dosis Nostalgie und Heimat zu tanken. Vielleicht hatte man früher seine Augen noch auf andere Dinge des Lebens gerichtet, aber seit wann sind die Strände nur noch voll von Kindern und Kötern? Beide sind laut und unerzogen. Aber: alle Welt liebt ja Hunde. Man muss Hunde einfach lieben. Zumindest scheinen das Hundebesitzer zu glauben bzw. zu fordern. Man weiß nicht einmal mehr, welche Mode, die jeweils andere abgelöst hat. Sind Hunde die neuen Kinder? Hoffentlich setzt sich da nich auch bald sowas wie eine antiautoritäre Erziehungsweise durch. Leinen sind für Spießer und Nazis. Wohlmöglich kommt jemand noch auf die Idee, dass jegliche Domenstizierung irgendwo ja auch nicht richtig artgerecht und wider die Natur sein könnte, vestehste, Kumpel? So richtig korrekt ist das ja auch nicht. Vom Ansatz her, jetzt. Gott, da sollte ich ein Buch drüber schreiben. Jegliche Entwilderung von Tieren sei unwürdig. Ich nenne es "Artgerecht" - gedruckt auf faulendem, recyceltem Papier aus dem Thüringer Wald. Bestsellergarantie. Da fressen mir doch die ganzen Veganer, Vegetarierer und sonstigen Go-Veggy-Spasten in den zivilisierten, deutschen Großstädten aus der Hand. Und am Ende schleppt dann zumindest - von denen - keiner mehr seine Hunde mit an den, ohnehin schon hoffnungslos überfüllten, Strand zur Rush-Hour des Spazierens. Nachts ist mir das verfickt nochmal egal.

Ich hab' übrigens ebenso aufgehört mitzuzählen, wieviele gelbe Wolfsklauen mich von den dunklen Windbreakern unförmiger 40'er angrinen. Die, die nicht Wolfskin tragen, schleppen identische Klamotten von The North Face mit sich rum. Das ist alles so verfickt peinlich. Ein großer dämlicher Witz. Aber wer ist schon frei von Sünde? Ein Blick in meinen Kleiderschrank offenbart zwanzig H&M-Uniformen, die mich seit Jahren nicht mehr glauben machen, ich sei etwas besonderes, frech oder Rock'n'Roll.

Trotz allem Geschimpfe; zuhause ist's schön. Gott schütze unsere kirchlichen Feiertage. Der Strand ist immer noch schön. Ich möchte niemals entfernt vom Meer leben. Ich hab mir ein paar schöne Strandvillen ausgeguckt, in denen ich meinen dekadenten Lebensabend zubringen will. 

So, Mutti ruft. Teures Rindersteak und Vanilla Coke. Home is where the heart is.  

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