Mittwoch, 4. April 2012

Now Back From The Dead

Bettina Wulff schreibt ein Buch über ihre Jahre als First Lady der Buntenrepublik. Was heißt "sie", die feine Dame lässt schreiben. Was sagt es über einen Menschen aus, wenn er mit Amtsantritt des Gatten, sofort beginnt Tagebuch zu schreiben und Notizen von "interessanten Gesprächen" festzuhalten, um im Anschluss sofort ein Buch veröffentlichen zu können? Nun ist man sicherlich leicht vorbelastet durch ihren Ehemann und dessen merkwürdiges Verständnis von moralischer Intigrität. Das Schlimme ist jedoch, dass die Menschen kaufen werden. Ich seh das schon genau vor mir. Erste Zeilen erscheinen vorab in der Bild (die Wogen haben sich geglättet, schließlich wurde der Rubikon wohl doch nicht überschritten) und Bettina stößt eine Diskussion darüber an, wie mit den Personen des öffentlichen Lebens in den Medien umgegangen wird - schließlich sind sie und ihr Mann, bei allem, ja immer nur einfache Menschen mit einfachen menschlichen Gefühlen gewesen. Und wie wird das Werk heißen? "Einmal Bellevue und zurück", "Erste Frau im Staat", "Palastgeflüster", "Am Pranger", "Betty - Schichsalstage einer Kaiserin" - Alles ist denkbar. Vielleicht werden die Boulevard-Journalien dann sogar ein wenig wehmütig, ob des Glamourfaktors, den die Wulffs ja irgendwie doch inne hatten, vergleicht man sie mit den Gaucks.

Ich hab' eben "Imperium" ausgelesen. Ich kann partout keine anti-demokratische Haltung Kracht's dabei erkennen. Vielleicht passt mir dieses Paar Schuhe intellektuell ja auch nicht besonders, aber ich habe wirklich keine Bestimmungspunkte festmachen können, die darauf schließen lassen, dass der Autor tatsächlich ein fieser Nazi ist. Der Plot war ordentlich abgefahren und bildet an einigen Stellen wohl, wie die Autor aber auch selbst erwähnt, eine Art Allegorie oder Parabel auf Adolf Hitler und den Wahn des Dritten Reichs, die jedoch keineswegs positiv zu verstehen sein muss/sollte. Ironie gibt es eben auch noch. Was mir nicht so 100%ig gefallen hat, war der snobistische Ton Krachts (oder viel mehr der, seines Erzählers), der aber unter Umständen auch der Authenzität-stiftenden Erzählweise geschuldet sein kann. Schwaches Manko, aber es war da. Alles in allem: ein wuschiges Buch, das in einem weiterarbeitet. Ähnlich wie bei Eco's "Der Friedhof in Prag", finde ich es verwunderlich, dass diese Bücher es so weit auf der Bestsellerlisten schaffen. Nicht, weil sie schlecht oder der Liste nicht angemessen wären, sondern, weil sie schon eine gewisse Schwere haben.

Ich werd' mich jetzt erstmal wieder dem alten Murakami zuwenden - vielleicht mit einer Prise Doyle's Sherlock Holmes zwischendurch. So, schluss mit dem Literaturgefasel.

Meine Finanzen werden mich in naher Zukunft tatsächlich dazu zwingen, das Rauchen komplett sein zu lassen - zum Monatsersten quasi. Wenn das nicht mal nicht das gute und alte Schicksal ist, was da an die Tür klopft. Da haben wir unseren Krieg, unseren kalten Entzug. Vielleicht sollte mich bis dahin schon ein wenig zurückhalten und den ganzen Spaß drosseln ODER ich koste es noch aus.

Ich melde mich.
In Liebe,
A.  

         

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