Mittwoch, 4. April 2012

On Autobahn

Manchmal glaube ich, dass sich das Wesen der Menschen nirgends so deutlich zeigt, wie auf der Straße. Das meine ich nicht gangstermäßig. 

Da ich keinen Füherschein besitze, hab ich immer die Perspektive des Beifahrers, und somit die Gelegenheit, die Menschen in den anderen Autos zu beobachten. In den meisten Fällen genügt doch ein Blick und du weißt, mit wem du es zu tun hast. Allein schon der Fahrstil, der bereits von weitem, zeigt, wie es um die Persönlichkeit des Fahrers bestellt ist; fährt er ruppig, macht er coole Rallye-Schlenker, sobald er eine Möglichkeit zum schneller fahren wittert, sind seine Nebelscheinwerfer immer an? Idiot. Ist sein Auto weiß? Niemand sollte weiße Autos fahren. Außerdem bin ich der Meinung, dass man Idioten schon daran erkennt, wie sie im Auto sitzen. Der ausgestreckte linke Arm ist immer verdächtig. Überhaupt lässt sich doch das ganze Leben am Straßenverkehr ableiten. Es gibt die Nervösen, die Zuvorkommenden, die Dreisten, die Ängstlichen. Wenn man dann an der Ampel steht, kann man in die ganzen blöden Gesichter sehen. Die offenen Münder der Dummheit, mit ihren Tribals, ihren Onkelz- und Frei.Wild-Schriftzügen an den Heckscheiben; die Eltern mit ihren Baby-Aufklebern garniert mit unsagbar blöden Vornamen; die Mid-40'er, die sich selbst Autos von Jack Wolfskin kaufen würden, würde es diese nur geben (Outdoor ist, wo dein Herz ist); die Polen, in ihren deutschen Kombis (mit den langen Walkie-Talkie-Antennen), die ihre grässliche Woche in diesem grauen Land verbracht haben, nur, um am Wochenende in ein noch graueres zurück zu gleiten; die vollbepackten roten Kleinwagen voller Studenten, die sich zu einer Mitfahrgelegenheit zusammengefunden haben, alle aussehen, als würden sie bei Mando Diao spielen und ihren pseudo-interessanten Blödsinnsunterhaltungen über traumhaft-unbekannte Filme, den gierigen Öl-Imperialismus, Rucksackreisen in superschöne Länder und das übliche Gefasel aus ihren beschissenen Filmleben abhalten; die Kleinbusse voller Tief-,Trocken- und Bla-Bauer, die auf dem Rückweg von den Monatgen, zurück zu Frau, Kind und Hund unterwegs sind, Scheiße im Radio hören, und mit ihren Ärschen, die Bild vom Morgen platt sitzen. Die Straße ist das Leben - oder umgedreht.  

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