Dienstag, 10. April 2012

Osterdienstag

Die Feiertage sind vorüber und ich sitze in einem Haufen von Schokoladenhasen und Kostbarkeiten aus Niederegger-Marzipan. Gott sei's gedankt, die Uni beginnt morgen wieder. Endlich nicht mehr bequem in den Tag hinein leben und das gute Essen genießen. Ich bin zurück im Exil und das Wetter umrahmt das Ganze dazu passend. Morgen dräng' ich mich dann wieder einmal mit über hundert Studenten in einen viel zu kleinen Hörsaal und geb mich ganz dem Nationalsozialismus hin. Das klang merkwürdig, nicht? Was werden da Eindrücke auf mich einprasseln. Nicht unbedingt von Seiten des Dozenten, der seinen Job bestimmt ganz toll machen wird, sondern eher von Seiten der Kommilitonen. Kommilitone (lat. commilito) kann u. A. übrigens Kriegsgefährte oder Waffenbruder heißen. Ich bin mir nicht sicher, ob wir tatsächlich alle im selben Krieg kämpfen. Ich hasse es wie die Pest, in so überfüllten Menschenmengen zu sitzen, fremde Ellenbogen zu berühren, eineinhalb Stunden auf den Nacken von irgendwem zu starren und unzählige Gesprächsfetzen von affektierten Vollidioten aufzuschnappen. Aber das ist der Preis. Davor und danach werde ich mir einen langen Spaziergang gönnen - nicht etwa, weil ich ein strammer Naturbursche wäre, sondern, weil die Busse hoffnungslos überfüllt sind, sobald das Semester wieder begonnen hat. Lieber lauf' ich eine halbe Stunde, als das ich mir und meinem schwachen Gemüt fünf Minuten im Stadtbus zumute.

Ich hab 'ne schöne neue Band gefunden. Guckt mal:
Ihr müsst euch nur von Beginn an dazu zwingen, keine Gemeinsamkeiten zwischen der Sängerin und Lena Meyer-Landrut zu sehen - dann ist's cool. Obwohl es eigentlich schon absurd ist, dass beide, obwohl sie keine Muttersprachler sind, so tun, als hätten sie einen Cockney-Akzent. Das Lied lief heute sogar bei VIVA. Viva! Manchmal läuft da noch Musik. Da darf man gar nicht drüber nachdenken. Wenn ich überlege, welchen kulturellen Stellenwert Viva und MTV hatten, als ich ein Kind bzw. ein aufgeweckter Teenager war, kann man sich jetzt eigentlich nur noch darüber auskotzen, zu welcher Pervertierung ihres eigenen Ideals die Sender geworden sind. MTV ist Pay-TV. Von wegen frech und verrückt. Beschweren tut sich ja aber auch niemand. Musik oder eigen-produzierte Sendungen (also aus Deutschland für Deutschland) liefen da ja sowieso nicht mehr. No one wants his MTV anymore. Und Viva? Außer GameOne fällt mir nicht viel ein, was noch für einen Platz auf der üppigen Programmliste spricht. Ich weiß gar nicht, was mir im Speziellen an dem Song gefällt. Ich glaub', ich bin einfach empfänglich für Akkordeon-Begleitung. Nichts ist gemütlicher. Das liegt bestimmt an meiner maritimen Herkunft.

Bis morgen, liebes Tagebuch

Alix

  

 

1 Kommentar:

  1. Die Sache mit den Menschenmengen und insbesondere die mit den überfüllten Bussen kenne ich nur zu gut.
    Ich habe deswegen mit meinem Arbeitgeber ein bisschen um meine Bürostartzeit gefeilscht und bin so dem Schülerbus entkommen. Ein Rudel Schüler, deren Gespräche sich um Komasaufen und Prügeleien auf der einen Seite und Lästern und Kosmetik/Mode auf der anderen Seite drehen. Nebenbei die Geräusche, die durch die billigen Kopfhörer nach außen dringen. Und diese Duftwolke aus Parfum, Haarspray, kaltem Rauch, Kaugummi, billigem Duschgel - da konnte ich immer nur ganz flach atmen.
    Auch wenn ich es Dir ganz und gar nicht gönne - ich bin immer froh wenn es anderen auch so geht. Dann komme ich mir nicht so überempfindlich vor!

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