Montag, 23. April 2012

Von Göttinnen und Göttern

Montag. Ich habe gerade die üblichen zwei Löffel Zucker und ein Schlückchen Milch in meinen Kaffee gleiten lassen. Meine Hände zittern, obwohl ich noch gar nicht aufgehört habe zu rauchen. Ich quäle mich gerade durch eine unnötige Masse an "großen" Unterrichtsentwürfen, damit mein Praktikum in Mecklenburg nachträglich anerkannt wird. "Es muss ja auch verglichen werden können, ob Sie auch ein Praktikum absolviert haben, dass im Sinne einer Universität Schleswig-Holsteins' ist". Ihr kennt das, in Mecklenburg lernen die Schülerinnen und Schüler eigentlich nur, wie und warum man Ausländer hasst. Sowas behindertes. Warum zum Teufel sollte ich da irgendetwas Minderwärtiges an der Schule gemacht haben? Soviel zur wunderbaren Vergleichbarkeit durch das Bachelor-System - das klappt nicht mal mit dem Nachbarbundesland. Aber ich halte es da ganz mit dem weisen italienischen Denker Carlo Pedersoli, dessen Denken und Handeln meine ganze Jugend geprägt haben und dessen Credo: "Scheiß drauf!" immer ein treuer Leitfaden durch mein Leben war. Aber "Schülerinnen und Schüler, SuS" - warum haben bloß alle so einen Stock im Arsch? Letzte Woche hab ich aufgeschnappt, dass es in Dänemark als sexistisch gilt, explizite Berufsbezeichnungen für Frauen zu erwähnen; eine "Lehrerin" wäre so ganz schnell so etwas wie eine Gouvernante. Die gute Frau ist einfach Lehrer von Beruf. Ist das so schlimm? Ist es tatsächlich chauvinistisch "Schüler" zu sagen statt "Schülerinnen und Schüler"? Ich find' die dänische Logik dahinter nachvollziehbarer und erheblich gleichstellender, als das dumpfe und zwanghafte Erfinden und Aufrufen weiblicher Berufsbezeichnungen. Das ist doch keine Gleichberechtigung. Das ist ein albernes und herablassendes Zugeständnis, dessen sich die Frauen eher erwehren sollten. Damit werden doch nur mehr Unterteilungen vorgenommen. Aber: Scheiß drauf.

Wie mir ein amerikanischer Pfarrer gestern bei Spiegel TV erklärt hat, wird Rauchen, Drogenkonsum und bösartige Unbeständigkeit durch vorehelichen Sex hervorgerufen. Und ich habe geglaubt, es läge an meiner Nervosität und Suchtempfänglichkeit. Oh Gott im Himmel, bin ich froh, dass wir in so ungläubigen Breitengraden leben. Dass ein Buch voller Fiktion sehr alt ist, macht es nicht wahrhaftiger. Die Zugehörigkeit zu einer Religion - egal welcher, birgt immer den Keim der Ausgrenzung und die Gefahr von Hardlinern, die sich der Tatsache verschließen, das alter Käse eben nicht immer essbar ist. Sicher, die Menschen wären auch ohne Religionen irgendwie bescheuert, und klar, die Meinungen von irgendwelchen keuschen Mexikaner-Jägern aus dem Bibelgürtel der USA sind ebenso wenig repräsentativ, wie es das dröselige Geschwätz einiger Scharia-Fans aus dem Nahen Osten ist, aber trotzdem, Teufelnocheins, das stößt mir alles säuerlich auf. Jeder kann in seinem Leben irgendwann den Frieden mit seiner Existenz machen, auf welche Weise auch immer. Na klar, Sterben ist scheiße, versteh ich alles. Und wenn man sich dabei Inspiration aus alten Büchern voller Geschichten holt, und einem das irgendwie hilft, ist das doch auch legitim, aber wenn dann damit begonnen wird, zu vergessen, dass es sich nur um Geschichten, nur um Metaphern, nur um sehr alte Wertvorstellungen und Leitsätze handelt, und die individuelle Bewältigung des eigenen Sterbens und der eigenen Sinn-Gebung, einem Gruppen-, einem Wir-Gefühl weicht, aus dem ein Bewusstsein entsteht, anderen und deren Überzeugungen überlegen zu sein (bei einer so wabberigen Thematik), sollte man doch Vernunft walten lassen und sich verficktnochmal zusammenreißen. Religionen sind fehlerhaft, eben wie die Menschen, die sich die Religionen ausgedacht haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Himmel und Hölle gibt, ist eben so hoch wie die, dass es Mittelerde und Narnia gibt - nur dass die Geschichten dazu noch nicht so alt sind. Ich will ja auch nicht alles schlecht machen, einige Gebote und Werte sind mitunter zeitlos, aber: Du sollst nicht hassen! Auch keine Homosexuellen, keine Frauen und keine Menschen, die an andere Scheiße glauben. Du hast nicht die verfluchte Weisheit mit Löffeln gefressen, denn das hat in dieser Hinsicht niemand. Du sollst damit leben! Außerdem solltest du dich wundern, wenn du Geld für deinen Glauben bezahlen musst!

So, jetzt wisst ihr's!       

Kommentare:

  1. Na das unterschreibe ich doch mal! Alles!

    Auch ich als Frau finde es furchtbar dass sich so unglaublich viele Geschlechtsgenossinnen (!!!) auf den Schlips getreten fühlen wenn ich einfach nur Geschlechtsgenosse gesagt hätte. Überall wollen sie mit Männern gleichberechtigt sein (und dagegen habe ich nichts, auch wenn mir viele da ein bisschen übers Ziel hinaus schießen), hier darf es dann aber gerne die Extrawurst sein.
    Und bei vielen Begriffen klingt die weibliche Form geradezu lächerlich (Beispiel aus meinem täglichen Leben: Bauherrin. Lächerlich. Absolut.).

    Und Dein angenommenes Credo "Scheiß drauf" klingt gut. Wenn man es denn umgesetzt bekommt...

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  2. wohl eher die Extrawürstinnen...

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