Donnerstag, 24. Mai 2012

Der beste Whisky ist Wodka

Es ist so albern. Erinnert ihr euch noch daran, dass ich letzte Woche, einen der beiden Idioten, die in der Uni vor mir saßen, ganz klar als Fanblock-Spasti identifiziert habe? Ich hatte verficktnochmal recht. Als hätte er es gelesen und sei darauf erpicht gewesen, diesen Eindruck noch einmal zu untermauern, hatte er sich gestern für eine solide Camouflage-Hose zur obligatorischen Gürteltasche entschieden. Diesmal sitzen sie hinter mir. Ich habe gerade meine Kopfhörer abgelegt, höre gerade erst wieder die Welt um mich herum und schon wird es unangenehm; Tarnfarben-Assi berichtet seinem Freund über eigene Stadionerfahrungen, erläutert nicht besonders fachkundig die Rolle Manuel Neuers im Ensemble der Welttörhüter und echauffiert sich über Bundesligavereine ohne Tradition. Es ist dasselbe peinliche Bierwagen-Plädoyer, das wir schon tausendemale gehört haben. Die Art, wie er spricht, ist ekelerregend. Ich hasse es, wenn Leute beim Reden schauspielern. Wisst ihr, was ich meine? Sie versetzen ihre Stimme zurück in bestimmte Situationen und leiten das Spektakel meistens mit "Und ich denn so..." oder "Da dacht' ich mir denn auch..." ein. Grässlich. Als würde es realistischer oder nachvollziehbarer dadurch werden, dass man wie irgendein affektierter Schauspielschulen-Pimmel aus Kreuzberg redet.
In der Reihe vor mir sitzt ein Mädchen mit - ungelogen - der verdammtnochmal größten Nasen, die ich in fünfundzwanzig Jahren zu Gesicht bekommen habe. Das sieht völlig unproportioniert aus. Ich übertreib' da jetzt nicht, die Nase war echt verfickt riesig. Der Rest von ihr hingegen war völlig unscheinbar und blass. Ironischerweise musste sie fast ununterbrochen niesen. Ihre Augen tränen. Offensichtlich Heuschnupfen oder irgend' 'ne andere Allergie gegen Pollen oder was auch immer. Aber mit so einer Nase ist das auch nicht weiter verwunderlich. Die muss ihre Umwelt ja völlig zeratmen. Wie einer von diesen riesigen Walhaien, die, im Vorbeischwimmen, einfach das ganze Wasser ansaugen und sich von Krill, Plankton und dem Rest ernähren, der sich darin befindet. Was hängen bleibt, bleibt eben hängen. Die ersten zwanzig Minuten tat sie mir noch leid. Wegen des Schnupfens und wegen dieser abstrus gigantischen Nase. Nach dem dreizehnten Niesen war ich jedoch der Meinung, dass sie auch einfach hätte zuhause bleiben können. Nicht jetzt wegen der Nase, sondern wegen dem Schnupfen. Ebenso nervig wie das Niesen generell war inzwischen auch, dass sie nach jedem Mal, ihrer Freundin davon Bericht zu erstatten schien. Alles konnte ich nicht verstehen, aber ich bin mir sicher, dass sie mehrfach "Ich sterbe, ey" sagte. Selbst ihre Freundin, die ununterbrauchen und fast apathisch auf ihr Smartphone starrt, machte inzwischen den Eindruck, als ob es sie auch nervte, denn das verständnisvolle Lächeln, das sie der Nase nach jedem Niesen + Bericht zuzuwerfen pflegte, verschwand immer schneller von ihren Lippen. Die Intervalle wurden kürzer - als ob man einen alten Witz von jemandem hört, den man nicht dadurch kränken will, nicht zu lachen.
Draußen, auf den Sportplätzen findet offenbar ein albernes Sportfest statt. Auf dem Weg zur Uni habe ich mich plötzlich umringt von einer Traube aus Mädchen in Hot-Pants wiedergefunden, die wohl unterwegs zum Beach-Volleyball waren - das fand ich gar nicht so unangenehm. Natürlich war ihnen ein Haufen Vollidioten mit buntgerahmten Sonnebrillen und diesen hässlichen kurzen Hosen im Hawaii-Muster auf den Fersen. Und die Musik. Zu jedem guten Sportfest gehören offenbar auch die größten Perlen der aktuellen Single-Charts - natürlich jeweils als Dance-Version. Freundlicherweise war die Musik so laut aufgedreht, dass man sie sogar in den Hörsälen deutlich und einprägsam vernehmen konnte. Ein Vortrag über die Außenpolitik des dritten Reichs entwickelt einen völlig neuen Drive, wenn er musikalisch von Rihanna untermalt wird. Das ganze hatte eine eigenwillige Komik, aber niemand hat es zur Sprache gebracht. Außerdem schien es die Spreu vom Weizen zu trennen. Ein paar Mädchen wippten mit den Köpfen, deuteten Tanzbewegungen an und warteten auf bestätigendes Nicken ihrer Freundinnen, ein paar zogen pseudo-entnervt die Augenbrauen hoch, um nach Möglichkeit, irgendeinem Fremden zu verdeutlichen, dass sie einen deutlich versierteren Musikgeschmack ihr Eigen nannten. Mir war es irgendwie egal. Aber die Reaktionen waren interessant.
Abends, in meiner Lieblingskneipe, hab' ich mir ganz lässig einen Whisky bestellen wollen, wie das wilde Romanciers wie ich so tun. Die Kellnerin fragte mich liebevoll, welchen ich denn möchte: Jim Beam, Ballantine's, Barcadi oder Wodka. Genau genommen ist es eben eher eine Pizzeria, als eine Kneipe. Sympathisch war auch, als ein Mädchen am Tisch ein Astra bestellen wollte, die Kellnerin aber einfach "Alster" aufgeschrieben hat. Sie haben eben kein Astra. Warum auch? Ich mag den Laden. Kein blödes Getue, kein "Möchtest Du den Schokochino mit Sojamilch?". Einfach ein Getränk bringen, egal, was bestellt wurde. Bam. Die Leute verlieren sich sonst doch auch in den ganzen albernen Extrawünschen. 
Bob Dylan wird heute einundsiebzig. Alles Alles Alles Gute, Bob! Der Spiegel hat mich heute Morgen darauf hingewiesen, dass das Zitat: „Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt.“ von ihm stammt. Auch wenn ich der Meinung bin, dass viele seiner Songs, noch besser klingen, wenn andere Künstler sie interpretieren, muss man ihm wohl Tribut zollen. Und, seid ihr erfolgreiche Menschen im Sinne Dylans?
Ich hab' gestern einen ziemlich verrückten Promo-Move durchgezogen. "Das Café am Rande der Welt", was, wie ich bereits erwähnt habe, ein wirklich schlechtes Buch ist, habe ich sorgfältig, und mit der Adresse des Blogs versehen, auf einem der vielen Uni-Grabbel-Buch-Tische zurückgelassen. Also wenn DU, gerade das hier liest, weil DU das Buch mitgenommen hast: es ist kacke. Aber wenigstens hat es Dich kein Geld gekostet.
Sharktopus,
A.  

Kommentare:

  1. Oh je, da ist Jemand seeeehr Intelektuell und wie gut er sich aaaaaaaausdrücken kann. Sogar über Bücher kann er urteilen, ob sie gut oder schlecht sind. Mode ist ihm wichtig und ob Fußballfragen richtig diskutiert werden auch. Das muß man der Welt auch gleich mitteilen ............. Alter, laß es bleiben und spiel bloß nie mit dem Gedanken mal selbst ein Buch zu schreiben, du hast uns einfach nichts zu sagen !!!! ;D Fazit: Laaaaaaangweilig!!!!!!

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    1. Ich werde nicht in den Gegenwind pissen.

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  2. Hm; ich hatte mich schon gefragt, wie lange es dauert, bis bei dieser "gnädigen" Sicht auf die Mitmenschen solche Kommentare auftauchen.
    Hier also der obligatorische Gegenkommentar:
    Sein Blog, seine Meinung, keiner zwingt dich, das zu lesen.
    Mich zwingt ja auch keiner, und obwohl ich die ganzen Kraftausdrücke eher störend finde, lese ich hier gerne mit. (Aber ich bin ja auch nur eine weitere, misanthrop veranlagte Bloggerin, die nichts zu sagen hat ;)
    Und nein, ich habe das Buch nicht gefunden, ich bin über die Bloglist von Madame Himmelblau hier gelandet.

    Scheinbar findet das Kommentarformular bisher, dass ich anonym bin. Bin ich aber nicht. Deshalb zur Abwechslung eine Unterschrift.

    Grüße,
    owyanna

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