Montag, 14. Mai 2012

Geschichten vom Balkon

Ihr seid im Begriff, einen schwafeligen Laberblogpost zu lesen. Mir ist heute nicht nach Politik oder Hass oder beidem (Im Verlauf des Schreibens hat sich gezeigt, dass ich diese Linie jedoch nicht durchhalten konnte, Anm. d. Red.). Es kann ja auch nicht immer regnen. Ich habe heute ein ganzes verfluchtes Märchen von Hans Christian Andersen aus dem Dänischen ins Deutsche übersetzt. Das klingt mächtig, oder? Das dänische Original ist aber nur eine Seite lang. Was soll's, es war mühsam und nervig. "Die Frau mit den Eiern" - es musste nicht einmal jemand kichern in der Uni. Ich verstehe das nicht. Sonst lachen die scheiß Idioten doch auch über jeden Scheiß - mit ihren dämlichen Chucks und ihren bekackten Joko-und-Klaas-Frisuren. Ich weigere mich "Under-Cut" oder was auch immer dazu zu sagen. Kein Hass heute, keine Frustrationswörter.

Man kann ja viel über schlechte Ernährung sagen, so an sich, doch das Preis-Leistungs-Verhältnis, das stimmt einfach! Na gut, ein bisschen hängt es auch davon ab, wie man Leistung in dem Falle definiert, aber ich, ich bin satt. Und wenn in meinem Baguette-3'er-Pack von Penny eben keine natürlichen Lebensmittelbestandteile mehr drin sind, dann ist das nun einmal der Lauf der Dinge. Sie sehen wenigstens so aus, als wären sie echt und vom süditalienischen Wochenmarkt - zugegeben, eine Prise Phantasie braucht man da schon. Wichtig ist doch, wie es aussieht, ihr verfluchten Ökos! Das war natürlich nicht mein Ernst, oder?

Im Garten vor dem Haus blüht ein Kirschbaum rosafarbend. Durch den starken Wind, der seit ein paar Tagen durch Kiel und seine Starßenzüge bläst, sind sogar ein paar der Blütenblätter bis hier oben geweht.

Ein Traum in rosé


Wenn man hier so steht und auf das andere Ufer der Förde blickt, ist es recht angenehm. Man kann deutlich das Marine-Ehrenmal von Laboe erkennen, diesen hässlichen roten Backsteinklotz. Wenn der Wind von der See her weht, läutet mein kleines Windspiel fast ununterbrochen. Das hab ich mal in Cottbus auf einem Mittelaltermarkt gekauft, als ich mit meinen Eltern eine kleine Rundreise durch Dresden und die Lausitz gemacht habe. Ich mag weder Cottbus noch Mittelaltermärkte. Ich möchte die Leute, die sich bei sowas mitmachen, nicht einmal mehr beschimpfen. Ich habe fast Mitleid, so bescheuert ist das, wenn vierzigjährige Vollidioten kleinen Scheißkindern mit Doppelnamen zeigen, wie man mit einem authentisch-nachgebautem Langbogen schießt, selbstgemachtes Brot verkaufen und irgendeinen lächerlichen Spektakelscheiß aufführen, um irgendwie nach ein bisschen Individualität und Aufmerksamkeit zu gieren. Seht her, ich hab ein beschissenes Hobby. Spastis. Das geht mit bekacktem, deutschsprachigem Metal-,Folk-,Black- oder wie auch immer es gerade heißt-Metal los, findet seinen Weg über "Ich interessier' mich jetzt persönlich sehr für die nordische Kultur. Wusstet ihr, dass eigentlich die Wikinger Amerika entdeckt haben? Krass, oder?" und endet bei Mittelalterhochzeiten und Live-Rollenspielen, wo denn alle Ritter, Schmiede und verfluchte Trolle oder sowas sind. Ich schäme mich schon, wenn ich Leute davon erzählen höre. So ein Mittelaltermarkt für die ganze Familie ist also nur die dämliche Spitze des Eisberges. Keine Frustrationswörter! Selbst als ich also als zehnjähriger Junge im Regen in Cottbus auf dem Mittelaltermarkt stand, das gerade gekaufte Windspiel in einem kleinen Cellophanbeutel in meiner Hand, wusste ich, dass alles, was ich hier sehe, irgendwie in keinster Weise beeindruckend oder erstrebenswert ist, sondern peinlich und erniedrigend - für jeden hier. Geschmackssache am Arsch, das sind Trottel.

Meerblick vom Balkon. Lifestyle, Baby!
     
Morgen fahr' ich nach Laboe. Ja, dann sehe ich auf die andere Seite.


A.
IADST


1 Kommentar:

  1. 1. Der Blick von Deinem Balkon ist wirklich beneidenswert!
    2. Das ewig bimmelnde Windspiel würde mich allerdings ziemlich schnell in den Wahnsinn treiben.
    3.Auf Mittelaltermärkten (ja, ich war auch schon EINMAL auf so einem) bimmelt es auch ständig von den Glöckchen, die sich die affig gewandeten Leute um ihre Fußgelenke oberhalb ihrer meist ekelerregenden Füße schnallen. Auch ein Grund da nicht mehr hin zu gehen!
    4."Das war natürlich nicht mein Ernst, oder?" Das frage ich mich auch des öfteren. Es bleibt also spannend...

    Grüße!

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