Samstag, 12. Mai 2012

Hauptstadtgeschwafel

Holstein muss wohl gerade spielen. Vom Balkon aus hört man ein Publikum brüllen. Da geht's um den Aufstieg. Ich bin ein bisschen angetüdelt, aber das soll mich nicht hindern. Schon ein bisschen vorgeglüht für`s Pokalfinale nachher. Durch eine verlorene Wette, habe ich vorhin zwanzig Minuten in die kalte und kontrolllose Fratze der Menschheit geblickt: Chatroulette. Lediglich zweimal hat sich irgendein Idiot dazu berufen gefühlt, mir seinen Penis zu zeigen. Das ist 'ne ziemlich gute Quote. Wird Quote wirklich so geschrieben? Captain Morgan sagt ja. Bayern hat den Pokal verloren. Das tut mir leid. Oder?

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 2000. Besucher auf IADST, präsentiere ich Neues aus der beliebten Rubrik: Bücher, die niemand lesen sollte!

"Provinzglück" von George Lindt

"Jan schlägt sich in Berlin mit unterbezahlten Kreativjobs durch. Da flattert termingerecht zu seinem 30. Geburtstag ein Angebot aus der Provinz ins Haus: Festeinstellung, Tarifgehalt, 29 Tage Urlaub und nie wieder komplizierte Steuererklärungen - ein Geschenk! Großstadtroman mal umgekehrt: witzig, skurril, wunderbar." (Amazaon.de, Kurzbeschreibung)

Wahrscheinlich hat jedes Buch, welches eine potentielle Leserschaft bzw. eine Zielgruppe vorzuweisen hat, auch irgendwo seine Existenzberechtigung. Da es zweifellos jede Menge Menschen gibt, die denken, dass sie in einem Till Schweiger-Film leben, dass sie den Individuellsten aller Musikgeschmäcker haben, dass sie bezaubernde Besonderheiten auf unserem schönen Erdenrund und noch dazu unglaublich verliebt in unsere durchgekaute Hauptstadt sind, kann man im Fall von "Provinzglück" wohl von einer Daseinsberechtigung sprechen.

Was man hier bekommt, hat man schon tausendmal gesehen, gehört und gelesen: selbstgefällige Pseudoreflexion, eine dösige Liebesgeschichte, das Verhältnis zweier bester Freunde zueinander und natürlich die Problematik des wirklichen Erwachsenwerdens. Man stelle sich nun diese durchaus bekannten Thematiken im Korsett der Dialoge eines deutschen Mid-Budget-Films à la Schweighöfer vor. Permanent hat der Leser das Gefühl einen Film zu sehen. Sicher, das ist erst mal nicht schlecht, spricht es doch für die Erzählerqualität des Autors, aber es ist in diesem Falle wahrlich kein guter Film. Alles wirkt gesetzt und überkonstruiert, wobei es zugegebenermaßen nicht unangenehm ist, Lindt's Sätze zu lesen. Was stört, sind - neben der Handlung -  die Charaktere; jeder kennt wahrscheinlich irgendeinen Typen, der genauso ist, wie Lindt's Protagonist Jan. Das Problem: dieser Typ ist ein Idiot, mit dem sich Leute, die nicht in sich selbst, in ihr eigenes dummes Gefasel und natürlich in Berlin in höchstem Maße verliebt sind, nur schwer identifizieren können. Alles in Allem lässt sich "Provinzglück" auch mit den Worten: „Bla Bla, Berlin, Bla Bla, Kreativberufe, Bla Bla, Bin ich unreif?, Bla Bla, Berlin, Fernbeziehung, Bla Bla, Bla, Berlin“ zusammenfassen.

Vielleicht sollte sich Lindt lieber auf das Schreiben von Drehbüchern konzentrieren – schließlich ist der Deutsche Film doch immer irgendwie „am Boden“. Was das Schreiben von Romanen betrifft: „Scheitern muss erlaubt sein. Scheitern gehört dazu. Scheitern, jetzt in den letzten Jahren, ist nicht mehr so schlimm, wie es zum Beispiel mal für unsere Eltern war“, wie George Lindt es selbst in diesem Meisterwerk der Zeitverschwendung formuliert. Na also.

Vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie NICHT "Provinzglück" von George Lindt! 
Für Fehler und Schirft haftet der Stift!
Peace out, ihr Hasen!

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