Montag, 25. Juni 2012

Panda Pressure: Der WWF gegen die Rechte der Menschen?

Um ehrlich zu sein; mir war der World Wildlife Fund, kurz: WWF, schon damals suspekt, als sie die World Wrestling Federation juristisch nach Jahren dazu zwangen, ihren Namen in WWE zu ändern. Keine Zweifel sollten darüber entstehen, wer das Sagen hat. Zugegeben, man hätte beide Unternehmen schon leicht verwechseln können. Die einen erzählen Geschichten von Gut und Böse, von harten Kämpfen auf Leben und Tod, von übermächtigen, fiesen Gegnern, die mit der Hilfe von Leidenschaft, Hartnäckigkeit und dem Applaus des Publikums niedergerungen werden können - die anderen veranstalten Wrestling-Kämpfe.

Und doch, natürlich hat sich der WWF in den letzten 50 Jahren mehr als verdient gemacht, im Kampf für die Rechte von Tieren und Umwelt. Er ist in über 100 Ländern aktiv und zählt, allein in Deutschland, laut eigenen Angaben, mehr als 430'000 Menschen zu seinen finanziellen Unterstützern. 2011 nahm der WWF Deutschland fast 51 Millionen Euro ein (weltweit: über 238 Millionen), von denen er, laut eigener Aussage, allein 36,5 Millionen wieder in "Projekte" investierte. In den letzten drei Jahren der allgegenwärtigen Wirtschaftskrise gelang es dem WWF somit jedes Jahr aufs Neue, die Einnahmen noch zu steigern. Selbst in diesen, finanziell schwierigen Zeiten haben die Menschen Vertrauen in den WWF und unterstützen ihn, seine Prinzipien und Projekte. Er ist DIE Tierschutzorganisation - nicht so aufmüpfig und wild wie Greenpeace, nicht so radikal und anstößig wie PETA

Und natürlich hat der WWF Erfolge vorzuweisen. So sei er (in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung und der Krombacher-Brauerei), nach eigenen Angaben, unter anderem dafür verantwortlich, dass 4,5 Millionen Hektar Wald, den etwa 11400 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten im Kongo-Becken, ein sicheres Rückzugsgebiet bieten würden. Die Rolle des Partners Krombacher - wir erinnern uns natürlich an die Werbung mit Günther Jauch und Rudi Völler - ist jedoch eher zweifelhafter Natur gewesen. Doch nicht nur die Partner des WWF geraten von Zeit zu Zeit in ein Licht des Zweifels. Der WWF selbst reagiert ausgesprochen dünnhäutig auf kritische Stimmen, die etwa die mangelnde Transparenz des Unternehmens beklagen, oder dem WWF eine zu große Nähe zur Industrie nachsagen.

Am 20. April diesen Jahres veröffentlichte der Filmemacher Wilfried Huismann ein Buch mit dem Titel "Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda", was die erwähnte Industrienähe, die Intransparenz, die koloniale Vergangenheit und die Beteiligung des WWF an zweifelhaften Projekten kritisiert. Der Autor wirft dem Konzern unter anderem vor, umweltschädigende Unternehmen und Großkonzerne mit seinem Etikett grün zu waschen. Nun könnte man doch zurecht meinen, ein so gefestigtes und nobles Unternehmen (denn auch das ist der WWF ganz klar; ein Unternehmen) müsste doch eigentlich über jeglichen, durch vermeintliche Diffamierung gesäten Zweifel erhaben sein. Doch dem ist nicht so. 

Wie die Random-House-Verlagsgruppe der FAZ berichtete, sei bereits vor Veröffentlichung großer Druck vonseiten des WWF ausgeübt worden. Eine Woche nachdem das Buch erschienen und zunächst auch überall erhältlich war, kamen zahlreiche große deutsche Buchvertriebe wie Amazon, Thalia, Weltbild, Libri und KNV den Bitten des Global Players nach, und nahmen Huismanns Buch ohne jede Anmerkung oder Hinweis aus ihren Sortimenten. Einfach so. In einem Rechtsstaat wie Deutschland, indem Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit gelten und wir oft und gern mit dem Finger auf Andere zeigen, kann die Existenz eines Buches, das nicht gesetzlich verboten wurde (!) einfach so verschleiert werden, zumindest, wenn man eine noble Tierschutzorganisation ist. Wer nicht für sie ist, scheint gegen den Artenschutz zu sein. Ob sich das Ganze genauso verhalten hätte, wenn es sich um ein anderes, einem Unternehmen gegenüber kritisches Werk gehandelt hätte? Nicht auszudenken, was wäre, wenn so ein Vorgehen in Deutschland Schule machen würde, oder vielleicht sogar längst Schule gemacht hat.  

Der WWF versteht jedenfalls keinen Spaß, wenn es um das eigene, kapitale Standing geht, und wirft inzwischen mit einstweiligen Verfügungen nur so um sich. Natürlich drängt sich da der Verdacht auf, dass so viel Heiligkeit irgendwann selbstgerecht macht und getroffene Hunde eben bellen, denn an kritischen Stimmen, selbst aus den Reihen anderer Tierschutzorganisationen hat es nie gemangelt. Laut Informationen des NDR-Magazins Zapp habe der WWF, eigens zur aktuellen Debatte, sogar eine "Taskforce Huismann" ins Leben gerufen, deren einziger Zweck es sei, den besorgten Unterstützern ihre Zweifel zu nehmen. Viel Aufwand für einen Haufen "falsche und ehrverletzende Behauptungen", wie der WWF es selbst in einer Pressemitteilung formuliert, in der er auch deutlich den Verdacht eines Eingriffs in die Meinungsfreiheit zu negieren versucht. 

Ein Dokumentarfilm Huismanns ("Der Pakt mit dem Panda"), der seinem strittigen Buch vorausgegangen ist, wurde bereits mit zwei Filmpreisnominierungen und drei einstweiligen Verfügungen ausgestattet. Daran, dass der Film diese Preise auch erhält, hat der WWF-Anwalt im Zapp-Interview so seine Zweifel und gibt sich gelassen und süffisant, denn der WDR hat den Film bereits, auf Druck des WWF, aus dem Sortiment gestrichen. Gern hätte ich außerdem auf einen Beitrag der ARD-Sendung Titel, Thesen, Temperamente verwiesen, aber leider, aus welchen Gründen auch immer, fehlt genau dieser Beitrag in der Mediathek. Systematisch macht der WWF kritische Stimmen mundtot. Solange sein Buch und auch sein Film erscheinen dürfen, müssen sie auch erscheinen.

Versteht mich nicht falsch; ich stehe nicht auf der Seite Huismanns und maße mir auch nicht an, die Richtigkeit seiner Kritik zu beurteilen - ich stehe auf der Seite der Informationsfreiheit, und das solltet ihr, die ihr das hier lest, ebenfalls! Es geht nicht darum, den WWF als Organisation zu brandmarken - es gilt, seine Praktiken und Methoden gegenüber Presse und Buchmarkt zu verurteilen. Niemand darf vor Kritik gefeit sein! Wir dürfen nicht zulassen, dass in Deutschland eine kritische Meinung auf Druck eines Unternehmens, ohne eine völlige juristische Legitimation, einfach weggewischt werden darf. Wie sehen wir doch sonst immer mitleidig nach China und Russland und bilden uns etwas auf unsere Rechtsstaatlichkeit ein. Keine Lobby, ob nun Tierschutz, oder nicht, darf Druck auf Verleger und Fernsehanstalten ausüben! Sicher, vermutlich findet so etwas im Verborgenen öfters statt, aber hier haben wir ein konkretes Beispiel, etwas, an dem wir uns festklammern können. 

Weist darauf hin, teilt diesen Artikel, erzählt es euren Freunden, damit das Ganze nicht nur eine bloße Randnotiz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kurz vor Mitternacht und in den Artikeln der FAZ bleibt! Der Zweck heiligt hier nicht die Mittel.    

Pandabären gibt es nur in China, oder?

Quellen und Infomaterial:

1 Kommentar:

  1. Und du willst dich jetzt auch kaufen lassen, damit dieser Artikel wieder verschwindet?

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