Freitag, 29. Juni 2012

themorningafter

Ich hab's gesagt. Ich hätte es nicht sagen sollen. Draußen sind die Tropen; ich bin gegen 7 Uhr vom Donnern des Gewitters wach geworden. Um 8 Uhr stand ich schon rauchend auf dem Balkon und blickte in den prasselnden Regen und die Blitze über dem Wasser. Irgendwie gehören Unwetter doch in eine spätere Zeit des Tages. Wie soll man lächelnd in die Welt herausgehen, wenn sie einen so begrüßt. Mein Gesicht brennt. In der 80. Minute bin ich gestern einfach aus dem Raum gegangen, um mir meinen EM-Bart abzurasieren, vielleicht ein bisschen grob und ohne danach Aftershave zu benutzen. Schweinsteiger und Lahm hatten meinen minimalistischen Bartwuchs nicht mehr länger verdient.

Heute in Kiel! © kn-online.de

Den ganzen Tag schon vegetiere ich in diesem Gewächshausklima dahin und fühle mich furchtbar leer. Ich will einfach nichts mehr über Niederlage gestern hören und umgehe systematisch das Fernsehprogramm und die Titelseiten der gängigen Zeitungen. Draußen leuchten schon wieder die nächsten Blitze auf und der Regen setzt ein. Donner. Wundervoll. Meine Kippenschachtel ist auch leer. Und die scheiß Gute-Laune-Nachrichten von Captain Morgan Deutschland bei Facebook gehen mir auch auf den Sack. Ich habe heute Nacht auch noch irgendwem die Freundschaft gekündigt. Wem habe ich vergessen. Wenn ich nicht mal das weiß, war es keiner Freundschaft - nicht einmal einer digitalen - würdig. 

Überhaupt distanzieren sich gerade haufenweise Leute von mir. Das ist nichts Neues. Über die Jahre ist das immer mal wieder passiert. Wie eine Regel, die irgendwann immer wieder greift. Die Wenigsten halten lange durch, und selbst von denen gehen einige scheinbar mit der Zeit. Aber das muss wohl so sein. Und wisst ihr was? Fickt euch! Keine Kompromisse. Ich rede mir manchmal gern ein, dass ich wie einer dieser Filme bin, an denen sich einige nie sattsehen können, obwohl sie speziell und vielleicht etwas vulgär sind - anderen wiederum reicht es wirklich, wenn sie den Film ein paar Mal gesehen haben. Ich will einfach kein verfluchter Lemming sein. Und irgendwie kann ich es auch einfach nicht.

Ich bin nur so gefühlsduselig, weil ich ein bisschen Wein getrunken habe. Normalerweise habe ich keine Gefühle. Der scheiß Fußball verdirbt mir den ganzen Tag. Ich werd' mir auch das Finale Sonntag nicht angucken. Die können mich mal.

Schlaft schön,
A. 

1 Kommentar:

  1. 1. Freunde: Zum Glück sind nur die, die bleiben, die einzig wichtigen.

    2. Keine Gefühle: das ist mir auch schon aufgefallen, wie nüchtern, sachlich und frei von Gefühlen alle Deine Posts sind.

    3. Stadt unter (ein bisschen) Wasser: hätte irgendwie Lust gehabt, da drin zu stehen.

    4. Falls nicht schon geschehen lies bitte NICHT meinen Kommentar unter 2006. Ich will nicht schon wieder in Ungnade fallen ;-)

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