Sonntag, 3. Juni 2012

Von Gottes Gnaden

Oh Gott, Zanderfilet, frische Jungkartoffeln, Blumenkohl und Sauce Hollandaise - ich bin so verflucht vollgefressen, dass ich kaum noch laufen kann. Ich werde niemals wieder irgendetwas essen, nie wieder. Ich schwör's! 

Heute ist Trooping the colour, oder? Tausende jubeln einer Familie von Auserwählten zu und staunen über die militärische Gewalt des Empire. God save the Queen! Was hat die Frau sich bewährt im Laufe des letzten Jahrhunderts? Wieviele Krisen mussten sie und ihre Familie erleiden? Wieviel Glanz und Leid? Großmutter, oh, Großmutter. Ich habe gerade ein Dekret des dänischen Königshauses von 1953 übersetzt, indem Grönland, geordnete Wahlen zugestanden werden. Eskimos haben 400 Worte für Schnee. WTF. Eskimos? Ich meinte natürlich: Inuit, Yupik und Aleuten. Wir wollen doch die Etikette wahren, oder etwa nicht, Sire? Es ist so unglaublich absurd, dass sich diese jämmerlich-dekadenten Relikte in unsere traurigen Zeiten gerettet haben. Ich meine nicht die freien Wahlen, sondern Monarchien. Warum stört es so wenige, dass so viel Geld für so einen Mist ausgegeben wird? Laut presseurop hat das britische Königshaus den Steuerzahler im Jahre 2010 satte 49 Millionen Euro gekostet. Aber das war es wert, denke ich. Außerdem muss man der Queen ja auch ein wenig unter die blassen Arme greifen - sie hat schließlich nur ein geschätztes Vermögen von 500 Mio. €. Und das alles, weil die Royals einem Halt geben in diesen grauen und glanzlosen Zeiten? Ich weiß nicht. Aber Will und Kate waren doch so niedlich zusammen. Man muss ja auch mal an die Billionen von Arbeitsplätzen denken, die mit dem Schicksal der Windsors verknüpft sind: Fotografen, Floristen, Trillionen von Securityleuten, alberne Palastwachen mit großen Hüten, Menschen, die Tassen mit Motiven bedrucken, Reitlehrern und Polopferden. Die Mehrheit ist wohlmöglich dafür, dass alles so weitergeht, wie bisher - same procedure und so. Aber könnten die Bluebloods nicht einfach zu Selbstversorgern avancieren? Beatrix aus die wundebare Niederlanden kassiert übrigens auch 40 Mio. - zu recht. Man muss sich mal vorstellen, wie es um ein europäisches Land bestellt sein könnte, wenn auf einmal keine hochwohlgeborenen Emporkömmlinge mehr pseudo-diplomatische aka repräsentative Verpflichtungen wahrnehmen? In so einem Land möchte ich nicht leben.

Die Spanier, die ja nun wirklich ein bisschen gebeutelter sind, von Krise und allem, kommen da ein wenig kostengünstiger bei weg. Letztes Jahr musste jeder Bürger ungefähr 18 Cent für den Luxus einer eigenen Monarchie löhnen (insgesamt ca. 8,48 Mio.). Die Leute dort jubeln aber auch ihren supraverschuldeten Fussballvereinen zu - zumindest auf dem Trainingsgelände, Tickets für die maroden Stadien sind bestimmt ziemlich teuer. Das muss verflucht merkwürdig sein: jeder zweite Jugendliche ist arbeits- und perspektivlos (!), alles ist teuer und scheiße, aber die 20 Erstliga-Vereine schulden dem spanischen Fiskus zuckersüße 750 Millionen Euro, eine 3/4 Milliarde. Boom. Aber die trifft ja keine Schuld an irgendwas, Fussball stiftet ja schließlich Identität, wie die Royals.

Schwachsinn,
A.


Kommentare:

  1. Tja, sie sind halt da, was willste machen?

    Man müsste tatsächlich mal eine Art Bilanz aufstellen. Was wäre kostengünstiger?
    "Königs" be- & unterhalten oder alle per Sozialhilfe zu unterstützen.
    Und darauf würde es hinauslaufen, denn die können ja nichts so richtig (3 Semester Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Ägyptologie sind in solchen Kreisen zwar gern genommen, aber zum Lebensunterhalt verdienen eher uneffektiv) und müssten erstmal für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden.

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    1. Die haben ja ein bisschen was zurückgelegt. Die Zeit, die es dauert, bis das ganze Geld aufgebraucht ist, könnte man ja dafür nutzen, sich langsam mit dem Berufsleben anzufreunden. Der deutsche Hochadel hat das ja auch geschafft. Man kann 'ne Menge Geld damit machen, aufmerksamkeitsgeile Bordellbesitzer und ambitionierte Blutsauger-Schlampen zu adoptieren und zu heiraten. Der Titel bleibt ja.

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  2. Schöner Artikel!
    Die Leute jubeln "großen" Dingen gerne zu - gibt es ihnen doch das Gefühl von eigener Größe.König,Mondlandung,Fußball macht keinen Unterschied.(Schon gar nicht in der Geldverwschwendung)
    Keiner aus dieser Doofmannsgehilfenabteilung käme auf die Idee,dort Überfluß zu sehen.
    Wenn´s nach mir ginge,wäre das komplette europäische Adelspack zügig enteignet und zusätzlich die Hälfte im Knast für Jahrhunderte
    der Ausbeutung ihrer Untergebenen.

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