Montag, 2. Juli 2012

Auch nochma' Lob an die Mannschaft

Ich dachte, ich bin ein schlechter Verlierer - immerhin habe ich mir das EM-Finale gestern nicht angeguckt. Ich habe es einfach keinem von beiden gegönnt, obwohl die Italiener ja so prächtig ihre Hymne mitsingen. Gut, die Spanier haben keinen Text, aber allein ihre Gesichtsausdrücke. Die Gesichtsausdrücke! So sieht Entschlossenheit aus. Natürlich war nichts davon mein Ernst. Niemand sollte so etwas ernst meinen. Deswegen glaube ich auch, dass die Bild-Zeitung und die Politiker, die so etwas wie eine Mitsingpflicht beim Deutschlandlied fordern, einfach nur einen sehr zynischen und trockenen Humor haben. Was wohl Wolfgang Bosbach dazu zu sagen hat? Ich bin sicher, wir werden es erfahren - früher oder später.


Doch der Ton war rau am Wochenende, oder? Waren wir nicht noch alle ein Team vor dem Italienspiel? Die Nationalelf, die Bild-Zeitung, die Fans, das ganze Land - alle zusammen waren wir ein "Wir". Wir kommen ins Finale, wir werden Europameister, wir spielen am konstantesten. Und nun? Ihr Memmen! Ihr habt enttäuscht. Wir sind wegen Euch nicht Europameister. Und Rolf Töpperwien, völlig aus Zeit und Realität gefallen, mahnt bei Markus Lanz, dass es schon auffällig sei, dass da nur die Spieler mit Migrationshintergrund nicht richtig mitsängen. Ha! Nach dem Satz streicht er sich nervös die Kleidung zurecht und sieht sich um. Ist das Junky-Behaviour? Gottseidank gibt es noch so egozentrische und aufdringliche Fossilien wie Töppi - oder vielmehr: Gottseidank gibt es noch so verzweifelt profillose Schaufensterpuppen wie Markus Lanz, die so egozentrischen und aufdringlichen Fossilien wie Töppi eine Lobby geben.


Mal davon abgesehen, dass es mehr als müßig ist, darüber zu diskutieren, ob wir schlechter gespielt haben, weil einige unserer Spieler unsere/ihre Hymne nicht aus vollem Halse mitgeschmettert haben, und auch abgesehen davon, dass es verflucht nochmal jedem selber überlassen ist, ob er da mitsingt, sollte man sich in Erinnerung rufen, dass es vorher auch niemanden gestört hat. Podolski ist nicht gerade ein Debütant mit seinen über 100 Länderspielen. Selbst beim Sommermärchen 2006 hat er nicht mitgesungen, als alle Welt Prinz Poldi, den Teenie-Schwarm gefeierte. Und Özil? Sonst ist er doch des deutschen liebster Türke oder so ähnlich. Dass wir seit 1996 keinen großen Titel mehr geholt haben, wird vermutlich am mangelnden Elan der Mannschaft bei der Hymne liegen. Was heißt "der Mannschaft", was Töppi und einige andere sagen wollten, ist doch, dass sich die vermeintlichen Ausländer im Team nicht richtig mit der Sache, mit Deutschland, identifizieren. So kann das ja auch nichts werden. Diese Undankbaren!  

Zugegeben, ich war gekränkt, ich war getroffen und ja, ich war auch enttäuscht von der Leistung der Mannschaft, doch der Ton, der momentan angeschlagen wird, ist doch eine Prise zu rau. Wenn die DFB-Elf jetzt noch zwei Spiele verliert, fordert die Springer-Presse wahrscheinlich, dass Jürgen Klopp endlich Bundestrainer wird. Der Kloppo, das ist einer von uns und so, ein Malocher, und nicht so ein aufgetakelter, schwäbischer Dandy. Ich seh die Schlagzeilen schon vor mir.

 

Kommentare:

  1. Tja, das was wir hier mal wieder erleben müssen ist doch einfach typisch deutsch.
    Läuft alles rund gibt es nichts auszusetzen. Herr Löw hat eine überraschende Aufstellung geliefert? Das wird einmal mit seinem guten Gespür begründet - wenns gut gegangen ist. Anderenfalls muss er sich verantworten, wie um Gottes Willen man eine solche Formation auf den Platz schicken konnte.

    Diese Hymnen-Sache finde ich besonders witzig. Die Spanier hätten nach dieser Theorie ja nicht gewinnen dürfen, haben sie schließlich gar keinen Text zum mitsingen.

    Ich finde es traurig, dass eine Mannschaft erst hochgejubelt wird um dann eiskalt wieder fallengelassen zu werden. So blöde es klingen mag - es muss nunmal einer verlieren. Manchmal ist es Pech, manchmal eine schlechte Tagesform, manchmal konnte die eine Mannschaft mehr an die Schiedsrichter zahlen.
    Diese ganze Suche nach fadenscheinigen Gründen ist albern. Die anderen haben gewonnen. Ende.

    Und es kommen auch wieder andere Zeiten. Dann werden die Nörgler von heute wieder ihr Fähnchen in den Wind hängen und loben was das Zeug hält. Bis - ja bis es dann vielleicht mal wieder nicht klappt.

    So kann einem der Spaß an Sportübertragungen wirklich langsam vergehen...

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    1. Ob das nun typisch deutsch ist, wage ich nicht zu beurteilen - so schlimm wie diesmal, hatte ich es bisher auch noch nicht in Erinnerung.

      Aber wir beide können die Welt wohl nicht verändern, Madame.

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    2. Nein, wir beide alleine können das wohl nicht. Aber wir können laut äußern, was wir davon halten. Immerhin besser als nichts!

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