Donnerstag, 30. August 2012

Wasserstand

Guten Abend,

ich fühle mich furchtbar. So furchtbar, dass meine Augen denken, da steht "fruchtbar" statt "furchtbar". Furchtbar. Alles verschwimmt. Fruchtbar fühle ich mich natürlich auch. Lexman, Baby. Ich habe mir irgendwo einen Magen-Darm-Virus eingefangen. Es wäre wahrscheinlichn jedoch höflicher, zu sagen, ich sei unpässlich, oder? Wie auch immer: Da die Zeitabstände zwischen Schwindel und Badezimmer erquickend kurz sind, richte ich heute nur kurz ein Paar meiner heiligen Worte an Euch, verehrte Lex-Army.

Die gute Nachricht ist, dass es mir und meinem Körper heute gelungen ist, Nahrung für uns zu behalten. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass meine Nahrung nur aus leicht verdaulichem Blödsinn besteht: trockenes Toastbrot, salzige Brühen, Bananen, Salzstangen und Tee. Uncool. Ich will endlich wieder Dinge essen, die für mich gestorben sind - buchstäblich. Wenn ich nicht im Badezimmer oder im Bett bin, schlurfe ich wie ein 90-Jähriger durch die Wohnung, die Hände in den Taschen des Bademantels vergraben. Ich bin bald zurück. Macht Euch bereit für meine Rückkehr.

A.
  

Montag, 27. August 2012

Stormtroubadour

Ich tue wirklich alles, um nicht mit meinem Uni-Zeug weiter zu machen. Seit Stunden klammere ich mich an meine Gitarre und diese Melodie. Das wird'n Hit, ich schwör's Euch! Und deswegen lasse ich Euch auch - jetzt schon - daran teilhaben. Ich habe außerdem einen fantastischen Weg gefunden, dabei nicht mein Gesicht preiszugeben.

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Außerdem möchte ich kurz auf das hier hinweisen. Niemand fotografiert 0815-Zootiere so schön, wie es diese junge Dame tut. Love!

A.

Am Ende der Nacht

Draußen fällt gerade ein mächtiges Gewitter vom Himmel, obwohl die Sonne nicht aufgehört hat, zu scheinen. Ich trinke eine Tasse Pfefferminztee und höre "29" von Ryan Adams, eines von drei Alben aus dem Jahre 2005. Ich erinnere mich noch genau, wie ich die Amazon-Verpackung aufriss. Draußen lag Schnee. Wenige Tage später war Weihnachten, dann Sylvester, dann der Weltuntergang. Keine Angst, ich wisch mir die Tränen aus dem Gesicht. 

Ich bin weder ein Teekenner, noch einer dieser nervigen Spasten, die sich ihren krümeligen Snob-Tee selbst aufbrühen, um damit anzugeben. Früher war ich sogar eher jemand, der (wenn überhaupt) irgendeinen billigen Himbeer-Vanille-Erdbeer-Tee mit 27 Löffeln Zucker trank. Doch dann entdeckte meine Mutter im Urlaub den Pfefferminztee aus dem Hause Eilles und zwang ihn mir auf, als ich einen Kater hatte, nach irgendeinem Grillabend in der alten Heimat. Seitdem trinke ich viermal die Woche eine riesige Tasse Tee - sogar ohne Zucker! Also wenn Sie, lieber Leser, zufällig Repräsentant der Firma Daboven sind, ich bin gern bereit in irgendeiner Form Werbung für Ihre Firma zu machen. Ich würde alles tun, um nicht mehr für das Zeug bezahlen zu müssen. Meine Spanne reicht von Werbebannern, über T-Shirts, bis hin zu Gesichtstätowierungen.

Donnerstag, 23. August 2012

Foxgloves & Cigarettes

Das Leben ohne Zigaretten ist wie eine Flasche Coke Zero. Das Leben mit Zigaretten ist wie eine richtige Cola - nur, dass die Flasche eben kleiner ist. Irgendwann verschieben sich jedoch die Prioritäten, oder? Ich weiß nicht, wie fit Ihr im Schulhof-Jargon des Millenniums seid, aber ich habe einen Tabak-Flash. Eine Zigarette und ich fühle mich, wie nach 'nem Headshot. Wisst ihr noch, was ein Headshot ist? Kleiner Tipp: Es hat nichts mit Killerspielen zu tun. Überhaupt scheint alles, was früher noch wilden Spaß gemacht hat, jetzt meinen Kreislauf zu ficken. Immer, wenn ich zuviel trinke, habe ich jetzt einen Kater, wirklich immer. Überhaupt vertrage ich weniger. Und als ich das letzte Mal einen Joint geraucht habe, war ich fast drei Stunden ausgeknockt, lag auf dem Badezimmerboden in der Wohnung eines Freundes und kotzte mir meine verfluchte Seele aus dem Leib. Er musste mich sogar in die Dusche ziehen, in der Hoffnung, dass mir das kalte Wasser doch wieder ein bisschen Leben einhauchen würde - wie bei einem dieser Vergewaltigungsopfer im Film. So ein peinliches Trainspotting-Drama, wegen einem einzigen verfickten Joint. Irgendwann muss ich meinem Gleichgewichtssinn mal das Herz gebrochen haben, denn er ist sofort gegen mich, wenn ich irgendetwas zu mir nehme, das unter Umständen dazu neigt, mein Hirn aufzuweichen, und er zwingt mich anschließend dazu, mich zu übergeben. Schwindel und Gekotze auf dem Badezimmerboden sind nie weit entfernt. Das ist das Gleichgewicht. Ich war nie gut zu meinen Ohren. Jetzt wisst Ihr's. Hätt' ich nur ein wenig Selbstdisziplin und würde den Scheiß nicht so idealisieren, dann könnte ich einfach mit dem Rauchen aufhören. Aber so wäre ich niemals mit ganzem Herzen bei der Sache. Ich bin doch ein Cowboy. Doch ewig leben will ich trotzdem.

Mit ganzem Herzen

B**** W****
Wahrscheinlich fragt Ihr Euch schon eine ganze Weile, warum IADST so unglaublich gut ist, oder? Ich denke, die Antwort ist, dass man dazu bereit sein muss, etwas preiszugeben. Damit meine ich nicht etwa Fotos von sich, die eigene Identität, den eigenen unfehlbaren Musik- oder Modegeschmack, Bastelarbeiten oder Nagellack, sondern etwas Wahres und Persönliches. Damit eine Sache wirklich gut wird, muss man einen Preis zahlen. Ein Pfund Fleisch. Nie habe ich mehr von mir preisgegeben, als in diesem Post. Ich rede nicht von der Identität auf dem Personalausweis (Ihr dürft unter keinen Umständen herausfinden, dass ich Bruce Wayne bin), sondern von viel mehr, von meiner wahren Identität: meinen Gedanken.

Seit Tagen hallen die Worte eines Eurer Kommentare durch meinen Kopf: "Was letztendlich bleibt, jedes Mal, wenn ich den Post zu Ende gelesen habe, ist die Frage, wie ein Mensch sein muss, um vor Deinem kritischen Auge zu bestehen. Und ob es überhaupt solche Menschen gibt."

Ich dachte, die Antwort darauf wäre einfach, doch das ist sie nicht, ganz und gar nicht. Ich gefalle mir in dieser Formulierung nicht besonders, auch wenn sie mir natürlich schmeichelt. Ich werde versuchen, alles dafür zu tun, im Folgenden nicht selbstgefällig zu klingen - auch, wenn es mir schwerfällt, bei der Beantwortung einer solchen Frage. Am Besten ist wohl, ich beginne am Anfang; in den dichten Wäldern und den tiefen Sümpfen Mecklenburgs, in einer längst vergessenen Zeit ohne Handys und Facebook, selbst ohne Internet. Ich beginne in den Neunzigern.

Montag, 20. August 2012

am, F, C, G

Wie hat es der große angelsächsische Philosoph Robbie Williams schon gesagt? "I got to much life running through my veins going to waste" - das trifft es. Gegen 7:30 Uhr bin ich panisch und durchgeschwitzt aufgewacht; düstere Träume, Geister der Vergangenheit, Bla. Seitdem warte ich nicht etwa darauf, dass ich gar bin, sondern stürze mich von einer Sache in die nächste, wenn auch in Shorts. Noch vor dem Frühstück habe ich zwei Strophen zu 'nem Song geschrieben, immer mit den gleichen Harmonien: A-Moll - F-Dur - C-Dur - G-Dur; die vier Akkorde Gottes. "In My Sleep". Dann war ich im Penny, um den Wocheneinkauf zu erledigen. Das verfluchte Geld ist immer so schnell weg - und dann auch noch für so etwas Langweiliges wie Nahrung. Danach habe ich mich an eine Rezension zu David Foster Wallace' "Das hier ist Wasser" gesetzt. Mir ist schrecklich heiß, meine Beine wippen ununterbrochen und ich habe einen unbändigen Appetit auf Zigaretten. Sobald ich eine Kippe ausgedrückt habe, suggeriert mir mein Körper, dass es Zeit wäre, mal wieder eine zu rauchen. Ich mache tausend Dinge, doch bleibt das Problem, dass ich nichts davon zu Ende

Sonntag, 19. August 2012

Das Ende der Welt

Wolken sehen auch gut aus, wenn man Fotos von ihnen nicht bearbeitet

6:34 Uhr. Die Sonne scheint durch das Fenster direkt auf meinen linken Fuß, der unter der Bettdecke hervor guckt und nun grell und weiß leuchtet, als wäre er aus Kreide. Solarien sind 'was für Schwuchteln. Strände auch - zumindest, wenn die Sonne scheint und es warm ist. Für kurze Zeit hallt immer wieder ein Knallen durch den Innenhof. Intuitiv sehe ich vor meinem inneren Auge eine Frau ihren Fußabtreter gegen einen Laternenpfahl schlagen, wie früher. Jedes Wochenende schien sich dieses Schauspiel in unserem Wohngebiet zu wiederholen, während wir auf den Bürgersteigen spielten, Fußballkarten tauschten oder Fahrradfahren lernten. Der Wetterbericht hat Schreckliches vorhergesagt, und so hielt ich es für eine gute Idee, den Tag, statt am Strand oder im Park, im klimatisierten Einkaufszentrum zu verbringen. Konsum gegen Kummer. Die Hoffnung, dass es dort leer sein würde, war natürlich trügerischer Natur, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Freitag, 17. August 2012

Fünfundzwanzig Minuten Ruhm

Der Regen hatte gerade nachgelassen und ein paar Sonnenstrahlen fielen mir vor die Füße, als ich vorhin an der Schwelle zum Balkon stand und diesen zauberhaften Moment festhielt. Dadurch, dass die Grünanlagen völlig durchnässt waren, hatte die verfluchte Rasenmäher-Infanterie die Schlacht endlich verloren gegeben - nachdem sie mich nun schon seit Tagen genervt haben. Die dämliche, fette und zutiefst unsympathische Familie in der Wohnung über mir geht mir auch auf den Sack. Immerzu hämmert es. Keine Ahnung, ob die seekuheske Dame des Hauses einfach nur ein sehr dickes Stück Fleisch zusammenklopft, oder aber ihren hohlen Schädel im 4/4 Takt gegen die Wand schlägt, doch der Rhythmus brennt sich in mein Hirn und hindert mich an jeglicher Konzentration. Wenn sie damit fertig ist, zieht sie sich für gewöhnlich die Charts von vor sechs Monaten rein. Irgendwann breche ich in ihre Wohnung ein und stehle den verfluchten Subwoofer. Ich kann die scheiß Bassline von "Somebody that I used to know" einfach nicht mehr ertragen. Ich weiß, warum es so viele nörgelige Rentner gibt. Wenn man tagsüber zu Hause ist, wird man irgendwann penibel, wenn es um Geräusche im Haus geht. Vielleicht sollte ich morgen mal in den Park gehen, Ewigkeiten mit dem Bus fahren oder die Penny-Kasse blockieren, indem ich ewig nach Kleingeld krame. Das würde mich bestimmt ausgeglichener machen.

Dienstag, 14. August 2012

Der talentierte Mr. Lexley

Willkommen im Angesicht des sicheren Todes, liebe Freunde. Ich bin der König der Titel. Ich habe mich auf den Balkon gesetzt und komme mir düster vor. Bedrohliche Dunkelheit bevölkert alles, was ich sehe. Irgendwo krächzen Krähen und mit dem Wind weht "Que Sera, Sera" und das Gelächter einer Party im Freien zu mir auf den Balkon. Ich komm' mir vor wie in einem szenigen Film. Was mir noch fehlt hier draußen, ist eine alte Underwood-Schreibmaschine und das Licht einer Kerze. Doch Nostalgie hat keinen USB-Port, und ihr könntet dann auch nicht lesen, was ich mir aus den Rippen leiere. Zurück zur Tagesordnung.

Liebes Tagebuch,
als ich aufwache, ist es 07:00 Uhr, was bedeutet, dass ich erst seit weniger als fünf Stunden schlafe. Mir ist schrecklich warm, in meinem alten Kinderzimmer riecht es wie in einem Schlangenhaus und in meinem Kopf liegt ein riesiger Ziegelstein, zumindest fühlt es sich so an. Ich mühe mich hoch und gehe langsam und holperig in die Küche. Die Sonne scheint so grell, dass ich meine Augen zusammenkneife, während ich die Kopfschmerztablette schlucke und anschließend ein Glas Leitungswasser hinterher schütte. Gute Reise, kleiner Freund, gute Reise. Die Küche meiner Eltern ist aufgeräumt und riecht nach Vergangenheit, so ruhig und in das Licht der Sonne gehüllt. So muss ein Komatraum sein: All die vertrauten Orte, getaucht und schläfriges Licht. Nur sind sie einsam, und es fühlt sich an, als stehe man in einem alten Foto. Alles hier hat eine innere und feste Ordnung. Meine Mutter sortiert ihre Teelöffel sogar nach Herkunft - in Reih' und Glied liegen sie in der Schublade, bereit zum Fahnenappell, wie eiserne kleine Soldaten. Jeder hat seine Leichen im Keller. Alles schläft noch, während ich benebelt nach draußen in den Garten starre, ohne die heilige Ruhe des Morgens einer langen Nacht zu stören. Ich kann mich nicht daran erinnern, wieder in mein Bett gegangen zu sein, doch genau dort wache ich drei Stunden später auf. Die Kopfschmerzen sind noch da.

Samstag, 11. August 2012

Gebissen vom Wind

Ich erinnere mich noch genau; es muss im Sommer vor fünf Jahren gewesen sein: Ich hatte mich gerade wieder zusammengerissen und damit aufgehört, ein wehleidiger Idiot zu sein. Die Königin der Hölle war verschwunden, auch wenn ich damit begonnen hatte, sie und meine traurige Geschichte zu einem Mythos zu Stillisieren, um Mädchen abzuschleppen. Wer behauptet, Geschichten über vorherige Beziehungen und den tiefschwarzen Schatten der Vorgängerin seien ein so etwas wie ein "Stimmungskiller" oder ein "No Go", ist nicht nur ein Vollidiot und benutzt schwulstige, peinliche Formulierungen, sondern unterschätzt auch die Macht, die darin liegt.

Es geht um Entscheidungen, um Möglichkeiten. Wie hättest Du, neues Mädchen, dich in derselben Situation verhalten? Wärst du nicht eigentlich glücklich gewesen? Ist nicht das, was ich versucht habe, zu sein, auch das, was du immer wolltest für dich? Wie konnte jemand nur diese Chance vorbei ziehen lassen? Das Schöne an einer Geschichte, in der man wahrhaft und tatsächlich der Gute war, ist, dass man die eigene Rolle in der Retrospektive nicht einmal verklären muss. Ja, Bla, ist trotzdem relativ, ich weiß. Ich spreche nicht von Mitleid, was es zu erzeugen gilt, sondern viel mehr davon, die eigene Vergangenheit zu einem düsteren und schmerzhaften Teil des eigenen Selbst zu machen; anstatt sie in irgendeiner Schublade zu verstauen, trägt man sie auf der Haut. Das gibt einem nicht nur Profil, sondern schützt auch gleichermaßen vor Gegenwart und Zukunft, wenn man das Leben denn so sehen will. Die eigene Angst muss zum Verbündeten werden - Batman ist großartig.

Mittwoch, 8. August 2012

Modeopfer: Das Bloggen der Anderen

In den letzten Tagen habe ich mir mal ein paar Blogs reingezogen. Hui! Mal davon abgesehen, dass sich 3/4 aller Blogger mit Schminke und Klamotten zu beschäftigen scheinen, musste ich eines mit Erschrecken feststellen. Eigentlich musste ich eine Menge Dinge mit Erschrecken feststellen - wir wollen schließlich ehrlich bleiben.

Selbst wenn das Meiste, was ich gelesen habe, ziemlich großer Scheiß war, finde ich es mehr als beunruhigend, wie leicht alle ihre persönlichen Daten preiszugeben scheinen. Ja, ich kann das Gelaber vom Tod der Privatsphäre durch Facebook auch nicht mehr hören, aber verdammt nochmal: Was stimmt nicht mit den Leuten? Sicher, wenn irgendeine 16-jährige Aufmerksamkeitsgöre das Bedürfnis verspürt, ihren blassen, in ein hässliches Second-Hand-Kleidchen gehüllten Körper auf irgendeinem scheiß Kornfeld vor die Linse der Spiegel-Reflex ihres pseudo-schwulen besten Freundes zu halten und das Endprodukt anschließend schön von Instagram durchbügeln zu lassen, bin ich nun wirklich der Allerallerallerletzte, der damit ein Problem hat oder so etwas irgendwie behindert findet. Wie könnte ich auch? Alles hat seine Daseinsberechtigung, solange es einen anderen Idioten gibt, der sich dafür interessiert.

Montag, 6. August 2012

Funeral Songs

Zurück zum Tagesgeschäft. Ich habe scheußlich geschlafen; einer dieser Träume, die einen durch alle Stunden der Nacht verfolgen, selbst wenn man ab und an wach wird und versucht, sie abzuschütteln: Ich stand allein inmitten einer Straße, auf der die Autos nur so an mir vorbei rasen, ohne, dass ich von ihr herunter komme, um mich in Sicherheit zu bringen. Plötzlich sieht es nach Rettung aus; jemand wirft mir ein Seil um die Hüften und versucht, mich nach oben zu hieven. Bei diesem Rettungsversuch gerate ich jedoch zwischen die Räder eines Lkw. In der nächsten Einstellung sehe ich die Überreste meines Körpers vor die Füße meiner Großeltern fliegen, die am Straßenrand warten. Ich stehe neben meinem Großvater, als das passiert. Ich klopfe ihm auf die Schulter und sage: "Sieh da lieber nicht hin - das könnte dich emotional ganz schön mitnehmen". Was geht ab, Dr. Freud? Anschließend beobachtete ich dann das ganze Geschehen nach meinem grausamen Tod weiter - als Geist quasi. Ein widerwärtiges Gefühl: Ich versuchte krampfhaft, mit meinen Freunden und meiner Familie in Kontakt zu treten. Bei einigen klappte es, bei anderen nicht. Und ich konnte Wasser bewegen und kontrollieren (#aquaman). Ich war ein Geist. Am Ende befand ich mich vor der kleinen Flussbiegung, an der ich früher mit meinem Vater geangelt habe. Irgendwie wollte ich es schaffen, genügend Wasser in ein Tuch zu bekommen, um die Form meines Körpers zu rekonstruieren und wieder am Leben der Anderen teilzunehmen

Die Flussbiegung im Wald




Donnerstag, 2. August 2012

Die Leuchtturmtagebücher: Tag 4

Mit letzten Tagen ist das so eine Sache. Es ist nicht mehr wie zuvor, wenn du weißt, dass du am Abend wieder im eigenen Bett liegen wirst. Es ist nicht mehr dasselbe, wenn du dich von allem verabschiedest, was du siehst. Letzte Tage sind immer mit Melancholie verbunden - schließlich sind es Abschiede. Und Abschiede sind eben scheiße, soviel ist sicher. Ein letztes Mal mit Gefühl: Dies sind die Leuchtturmtagebücher.

Die Leuchtturmtagebücher

Tag 4:


Das Erste, was ich sehe, ist ein von Wolken verhangener, dunkler Himmel. Der Wecker hat noch nicht geklingelt, aber ich weiß instinktiv, dass er kurz davor ist, es zu tun. Es liegt bereits in der Luft, die Stille, bevor mein Handy die Faded Paper Figures "B Film" immer lauter singen lässt. Ich streife mir schnell meine Klamotten über und schließe die Tür leise hinter mir. Im Treppenhaus hört man die Menschen; ihr Packen, ihr Gerede. Ich nicke der Empfangstussi zu und gehe erst einmal vor die Tür, um eine zu rauchen. Französisches Frühstück vor dem Frühstück: Gauloises. In einem gläsernen Anbau sitzt die Gemeinde aus Touristen, isst und quatscht, lacht und herzt. ein riesiger Mann stapft immer wieder labernd durch die Gänge und füllt Kaffee auf. Das muss der Hausherr sein. Er sieht schon aus, als würde er einem auf den Sack gehen: Ein riesiger Pseudo-Seebär, der auch auf dem Fischmarkt Passanten vollquatschen könnte, mit 'nem Aal in der Hand. Unangenehm. Unten, im Foyer, hängen drei gerahmte Urkunden an der Wand. Als ich nähe trete und die fernöstlichen Zeichen darauf sehe, muss ich schon schmunzeln; asiatischer Naturheilkundeschwachsinn. Der Hausherr ist offensichtlich ein Meister im Reiki. Ja, er hat den ersten, den zweiten und den dritten Grad (Meistergrad)! Nicht schlecht, oder? Und das auch noch innerhalb von drei Monaten. Ich würde jedem sofort meine Wirbelsäule anvertrauen, der sich im Rausch eines beknackten Midlife-Crisis-Esotherik-Trips sein Geld für so einen Dünnschiss hat aus der Tasche ziehen lassen. Andere kaufen sich ein Motorrad - der Hausherr wird Homo-Miyagi. Wahrscheinlich hatte er selbst einen Bandscheibenvorfall oder so und hat im Zuge dessen, von alternativen Heilmethoden im Internet gelesen. Und nun hat er sich dazu berufen gefühlt, irgendetwas zu tun, jetzt wo er in den Wechseljahren ist. Die Welt ist voll von Leuten, die dümmeren Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Ein ewiger Kreis. 

Der Himmel sieht düster aus, und die Luftfeuchtigkeit ist ins Unermessliche gestiegen. Ich fühle mich, als würde sich ein klebriger Film auf meine Haut legen und mich erdrücken. Es ist noch nicht einmal 10.00 Uhr, und schon liegt ein Gewitter in der Luft. Man möchte meinen, das erleichtere einem den Abschied. Irgendwie ist das tatsächlich ein bisschen so. Das Frühstück war OK und der Reiki-Sensei hat uns in Ruhe gelassen. Seine Frau bietet uns noch an, eine weitere Nacht zu bleiben, doch wir lehnen ab. Das Hotel war wirklich in Ordnung; ich wär gern noch geblieben, doch wir haben eine Mission. Nur noch ein Leuchtturm auf der Agenda: Pilsum. Erinnert sich noch jemand an "Otto - Der Außerfriesische"? Ich leider ja.

Pilsum
Über eine Stunde lang brausen wir auf Frieslands Landstraßen, bis wir Pilsum erreichen. Alle Orte enden mit "-siel" hier draußen. Außer Pilsum natürlich. Auf dem Parkplatz in der Nähe des Leuchtturms müssen wir dann feststellen, dass das Geld fast weg ist. Ein Fünfziger und ein Euro Kleingeld. Da der Parkautomat keine Fünfziger nimmt, sind wir auf die Gnade einer Rentnerin angewiesen, die uns ihr Parkticket schenkt. Vielleicht ist die Menschheit doch noch nicht verloren. Die kleine Würstchenbude und die öffentliche Toilette haben noch nicht geöffnet. Obwohl alles so nebelverhangen ist, kann man die Umrisse holländischer Industrie auf der anderen Seite des Wassers erkennen. Auf dem Deich weht ein leichter Wind, der den klebrigen Film von der Haut zieht, den die Schwüle zuvor dort hinterlassen hat. Vor uns geht ein kleiner Junge, der seinen Vater darauf hinweist, dass der Leuchtturm gar nicht blinken würde. Verdammt richtig. Die Witterung würde es zulassen.

Hochzeitsgesellschaft in Pilsum

Je näher wir kommen, desto mehr zeigt sich auch das Übel: Im Leuchtturm gibt es ein Standesamt. Ich erkenne eine dickliche Braut mit Krönchen und einen Bräutigam mit Sonnenbrille und Bürstenschnitt, der sich offensichtlich für einen Türsteher oder das Abziehbild eines Draufgängers hält. Die Zeremonie ist beendet und es wird zum Hochzeitsfoto ausgeholt. Muss das wunderbar sein, auf dieser Erinnerung für die Ewigkeit, einen Haufen unbeteiligter Fremder in kurzen Hosen zu sehen, wie sie mit ihren umgehängten Kameras und ihren Gürteltaschen das kitschige Romantik-Utopia des trotteligen Brautpaars besudeln. Tür auf: Das nächste Brautpaar tritt hervor, nachdem es den heiligen Bund der Ehe offensichtlich zum erneuten Male geschlossen hat. Die Braut trägt grau und wirkt auch so. Ihr Glanz muss vor Jahren, nach der ersten Hochzeit erloschen sein. Das nächste Paar lässt sich trauen. Fließband! Und wir haben nicht einmal irgendein bescheuertes Schnapszahldatum. Als ob das auch etwas ändern würde. Für ein paar Minuten sitzen wir auf dem Deich und beobachtet dieses Theater der Peinlichkeiten und lachen einfach. Kein Zorn, keine Rage. Es ist einfach irgendwie witzig, sie alle dabei zu beobachten, wie sich so furchtbar ernst nehmen. Wir verlassen Pilsum, nachdem wir einem jungen Familienvater unser Parkticket in die Hand gedrückt haben. Wahrscheinlich ist es heute noch gültig.

Greetsiel
Auf dem Hinweg haben wir die erhobenen Masten eines kleinen Hafens gesehen. Wir beschließen, dort nach einem Restaurant zu suchen. Noch einmal die Kohle raushauen, ein kleiner, harmonischer Funken Dekadenz, bevor wir in den Regen und den Sturm Kiels zurückfahren. Wir finden Greetsiel, ein beschauliches und idyllisches Fischernest voller Restaurants und kleinen Boutiquen. Wieder spendiert uns jemand das Parkticket. Es muss auch solche Tage geben. Der Zugang zur öffentlichen Toilette neben dem Bernsteingeschäft bleibt uns jedoch verwehrt. Komisches Gefühl. Ich bleibe vor einem Uhrenladen stehen und sofort fällt mir eine Automatikuhr ins Auge. 2000 €. Ob ich mir so etwas jemals werde leisten können? Ich habe noch nie in meinem Leben 2000 € besessen.

Restaurant
Wir entscheiden uns, in das erste Restaurant, direkt am Wasser zu gehen. Weil ich nicht draußen, zwischen den ganzen Menschen, sitzen will, nerve ich rum, dass es doch innen bestimmt angenehm kühl sein wird, in so einem gehobeneren Laden. Ja, das war ein Irrtum. Drinnen ist es mindestens genauso heiß, wie draußen. Merkwürdiger Laden. In der unteren Etage sind Weinflaschen bis an die Decke gestapelt. Eine Vinothek. Da hatte wohl jemand einen Traum. Die Kellnerin mustert mich skeptisch, als ich eine große Cola bestelle. Irgendwie tun die sich immer schwer damit. Ich bekomme meine Cola in einem 0,5-Liter-Bierglas. Damit kann ich leben. Mein Flammkuchen mit Speck und Lauch ist köstlich. Der Teig ist fantastisch. Wir zahlen und schlendern zurück. Vorbei am Meer. Vorbei an den kleinen Fischkuttern. Vorbei an den Restaurants. Vorbei an den Touristen. Vorbei an die Läden mit den teuren Uhren. Vorbei am malerischen Idyll dieses kleinen Nests. Wir lassen die Masten des Hafens hinter uns und setzen uns in unser glühend heißes Auto.

Greetsiel

Der Verkehrsfunk wirft einen ersten großen Schatten auf die Rückreise. Vier Tage lang haben wir uns nun immer weiter von zu Hause entfernt. Jetzt wollen wir so schnell wie möglich den Rückweg hinter uns bringen. Das Geld ist alle, unsere Haut ist braun und ich bin wirklich entspannt. Wenn dein Pferd tot ist, steig ab. Zum Test gebe ich in das Navi ein, dass wir Autobahnen meiden wollen. 6 1/2 Stunden würde das dauern. Wir lachen und fahren los, Richtung Autobahn. Die Hiobsbotschaften werden immer schrecklicher und kurz hinter Bremen kommen wir tatsächlich das erste Mal zum Stehen. Die Stimmung kippt ein wenig. Je näher wir Hamburg kommen, desto schlimmer wird es. Im Verkehrsfunk tun die immer alle so, als kämen die ganzen Staus zwischen Hamburg und Bremen aus dem Nichts; als wäre das verschissene höhere Gewalt. Dass man da jedoch von einer scheiß Großbaustelle, in die nächste fährt, fällt irgendwie unter den Tisch. Nach 6 1/2 Stunden sind wir in Kiel. Ironie schmeckt bitter, wenn sie einen in den Nacken trifft.

Als ich abends auf dem Balkon stehe und rauche, entdecke ich den Lichtschein eines Leuchtturms auf dem dunklen Wasser der Kieler Förde. Der ist mir noch nie zuvor aufgefallen. Ich bin zufrieden und blicke hinaus auf das kleine Lämpchen, das immer wieder das Dunkel durchbricht. Es waren wunderbare Tage, in goldgelbes Licht getaucht. Ich habe schöne und irgendwie magische Erinnerungen in mein Gedächtnis gebrannt. Am Ende kommt es auf die Qualität von ihnen an. Ich erinnere mich trillionenmal lieber an diesen kleinen Funken Abenteuer, als daran, vor irgendeinem scheiß Hotel auf einer Liege gelegen zu haben. Erinnerung sind das Wichtigste, überdauern sie doch mit uns die Zeit. Egal, ob wir sie emporheben und glorifizieren, sie sind das, was zählt. Alles vergeht: ich, Du, die Leuchttürme, einfach alles. Wir alle sind im Angesicht des sicheren Todes. Die Frage ist, was wir bei uns tragen, bis zu dem Moment, indem wir ihn berühren.

Das waren die Leuchtturmtagebücher.

A.


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Mittwoch, 1. August 2012

Die Leuchtturmtagebücher: Tag 3

Der Sommer scheint wieder da zu sein. Und 'ne Goldmedaille haben wir auch. Dann ist die Welt ja gerettet oder so. Draußen spielen kleine Jungs im Garten. Als ich eben auf dem Balkon war, hörte ich den einen laut "Sofort in die Häuser! Es ist Krieg!" schreien. Vielleicht hat er recht. Es wird Zeit für den dritten Teil der wohl spektakulärsten Reiseberichte aller Zeiten. Dies sind die Leuchtturmtagebücher.

Zu den vorherigen Teilen gelangt ihr übrigens hier:

Die Leuchtturmtagebücher
Tag 3:


Die Kräne Bremerhavens
Wir leben! Keine Mörder. Kein Hinterhalt. Auf der Dachterrasse bemerke ich eine aufdringliche Katze. Sie lässt wirklich nichts anbrennen und springt mir auf den Schoß, während ich meine Guten-Morgen-Zigarette rauche - dabei kennen wir uns nun wirklich nicht lange. Die Kräne Bremerhavens begrüßen mich. Heute überqueren wir die Weser. Ich bin noch nie zuvor in dieser Gegend gewesen - ich scheine nichts verpasst zu haben.

Der Vermieterin zufolge gibt es in der Umgebung tatsächlich nicht einmal einen Bäcker. Scheißnest. Ich konnte mich nicht konzentrieren, als sie mir am Vorabend eine Wegbeschreibung gab, weil die Kinder im Pool der Nachbarn wie Tiere geschrien haben. Gottseidank wohn' ich nicht hier. Als wir losfahren, habe ich keine Ahnung mehr, wo genau wir irgendetwas zu essen finden. Die Vorräte sind aufgebraucht und unsere Mägen leer. Apfel essen. Motor an. Los.

Bremerhaven ist nicht schön, soweit ich das von der Autobahn aus beurteilen kann. In der Stadt sind irgendwelche dämlichen Hafentage. Nein danke. Kein Bäcker weit und breit. Wir tippen wahllos irgendeinen Ort auf dem anderen Flussufer ein. Dort würden wir essen. Der Verkehr ist noch relativ entspannt, als wir den Wesertunnel durchfahren. Früher, in Norwegen, habe ich immer versucht, die Luft anzuhalten, wenn wir durch einen der vielen Tunnel gefahren sind. Die Anderen im Auto haben dann auch mitgemacht. Ich habe es immer bis zum Schluss ausgehalten, ganz ehrlich. Auf der anderen Weserseite sind wir zurück in der Einöde. Hier gefällt's mir.

"Endlich Frühstück gegen 12.00 Uhr"
Und dann ist auf einmal eine der Hauptverkehrsschlagadern gesperrt. Ich bekomme einen Wutanfall und bin kurz dabei das verschissene Navigationsgerät aus dem scheiß Fenster zu schmeißen. Wegen der Vollsperrung sind wir vom Highway abgefahren und durchqueren nun Orte, die so verfickt klein sind, dass unser Atlas (!) es nicht für nötig hält, sie aufzuführen. Engspurige Wege durch irgendwelche inszetuösen Friesennester voller gaffender Rentner mit Rasenmähern. "Wenn möglich, bitte wenden." - "Halt deine scheiß Fresse, du dämliche Hure!" Ich sage noch mehr Dinge. Böse Dinge. Die dunkle Seite ist stark in mir. Früher wurden mal Alternativrouten errechnet. Ich kündige groß an, dass wir das Scheißding wegwerfen, und ich ein neues kaufe. Dann rauch' ich eine und kriege mich wieder ein. Und ich bin nur Beifahrer. Nicht auszudenken, wie ich fluchen würde, wenn ich selbst Auto fahren würde. Wir überlegen, wo wir ungefähr sein könnten und suchen uns ein neues Ziel. Es gibt für alles eine Lösung. Jade. Klingt schön, oder? Jade ist ein Kaff, aber in Jaderberg werden wir fündig. Keine Ahnung, ob das ein Ortsteil oder etwas Eigenständiges ist. Endlich Frühstück gegen 12.00 Uhr: Berliner und Schinken-Käse-Brötchen. Alles wird ruhiger. Ein leichter Wind weht, aber die Sonne lässt uns nicht vergessen, dass Sommer ist.

Wilhelmshaven
Wir Tanken und suchen einen Autobahnzubringer. Ziel: Wilhelmshaven. Als wir von der Autobahn abfahren, sehen wir bereits den Leuchtturm. Verglichen mit den Türmen von gestern, wirkt dieser irgendwie profillos und supermarktmäßig. Ein paar Trottel mit Motorrädern halten auch auf dem kleinen Parkplatz. Lederhosen sind immer dämlich bei Männern. Immer! Nein, auch Cowboys und Wrestler sehen bescheuert aus in Lederhosen. Da stehen sie nun und bilden sich was ein auf ihr wildes Wochendleben. Idioten. Aber Montag ist die Bikerromantik wieder vorbei, und sie kehren zurück in ihre langweiligen Leben und ihren Ehefrauen mit den gemachten Nägeln und farbigen Leggins. Die Hafenindustrie wirft ihre Schatten voraus. Wir steigen ein und fahren weiter.

Die Strecke verläuft fast direkt am Wasser. Uns sind erst einmal die Leuchttürme ausgegangen. Wir beschließen einen kleinen Hafenort anzufahren, von dem aus wir eventuell einen Turm auf See sehen könnten. Ein kleines Riesenrad steht direkt am Pier. Ein bisschen friesischer Brighton-Flair - nur ohne Szene und Künstler. Mit Mühe befrei ich mich selbst aus den Fängen des Souveniergeschäfts. Das ist ein verdammter Fluch. Ich finde überall etwas. Ich kaufe einen kleinen Holzleuchtturm und vier (!) kleine Fläschchen mit Strandsand. Ich verliere niemals meinen Sinn für Pathos.

Neuhardingersiel

Hotelzimmer
Danach fahren wir in ein anderen kleines Nest an der Küste. Für heute Nacht haben wir uns in einem kleinen Hotel (mit Frühstück) einquartiert. Ab mittags hätten wir schon einchecken können - warum also nicht schon mal hinfahren und gucken. Das Zimmer ist in Ordnung und die Empfangstussi nett. Kühlschrank und Badezimmer. Zurück mit Komfort. Sie sagt, dass es nicht weit bis zum Wasser sei, und beschreibt mir den Weg. Dieses Mal höre ich zu. Nach etwa zehn Minuten Fußweg erreichen wir den Deich. Es hat sich ein wenig abgekühlt und selbst der Radweg vor dem Deich ist menschenleer. Wunderbar! So hatte ich mir das auch vorgestellt. An einigen Stellen muss man zwar gut auf die eigenen Füße achten, bewegt man sich doch auf einem Minenfeld aus Schafscheiße, doch nimmt das dem Ganzen keineswegs seine bezaubernde Wirkung.

Auf dem Deich
"..und orientieren uns Richtung Wasser."
Auf der anderen Seite angekommen, klettern wir über einen dieser Naturschutzzäune und orientieren uns Richtung Wasser. Die Landschaft ist fantastisch und es ist still. Ich komme mir vor, wie in der harmonischen Idylle eines Folk-Musikvideos. Ich bin ein zorniger Motherfucker, aber hier muss ich unwillkürlich lächeln. Allein dieser Ort rechtfertigt den ganzen Trip.

Die Gräser am Wasser sind trocken von der ewigen Sonne; wir brauchen keine Decke. Während das Meer behutsam und stilecht vor sich hin rauscht, starre ich in den klaren Himmel und bin zufrieden. Von hier aus sieht man tatsächlich einen Leuchtturm, auf einer Insel draußen im Meer. So habe ich mir das alles vorgestellt. Ich bin entspannt und genieße jede Minute.

Draußen auf dem Meer

"Ich wär' gern noch einmal dort."
Wie lange wir wirklich dort unten waren, weiß ich nicht. Ich wär' gern noch einmal dort. Irgendwann richten wir uns einfach wieder auf und gehen zurück. Wir kommen an einem kleinen Restaurant vorbei. Noch bevor ich beschließen könnte, dort irgendetwas zu essen, sehe ich den dicklichen Koch schwitzend aus der Hintertür stampfen. Ich esse bestimmt nichts, was dieser Typ vorher in der Hand hatte. Er zündet sich eine Zigarette an. Dann eben Sandwiches auf dem Zimmer. Das Bier aus der Hotelbar kostet tatsächlich nur einen Euro! Jever. Es fühlt sich herrlich an, in der weißen Hotelbettwäsche zu liegen und Bier zu trinken. I never lost Rock'n'Roll. Zufrieden schlafe ich ein, während im Fernseher irgendein Rotz läuft.

Morgen geht es weiter. Dann folgt der letzte Teil der Leuchtturmtagebücher.

Schlaft gut,
A.