Donnerstag, 23. August 2012

Foxgloves & Cigarettes

Das Leben ohne Zigaretten ist wie eine Flasche Coke Zero. Das Leben mit Zigaretten ist wie eine richtige Cola - nur, dass die Flasche eben kleiner ist. Irgendwann verschieben sich jedoch die Prioritäten, oder? Ich weiß nicht, wie fit Ihr im Schulhof-Jargon des Millenniums seid, aber ich habe einen Tabak-Flash. Eine Zigarette und ich fühle mich, wie nach 'nem Headshot. Wisst ihr noch, was ein Headshot ist? Kleiner Tipp: Es hat nichts mit Killerspielen zu tun. Überhaupt scheint alles, was früher noch wilden Spaß gemacht hat, jetzt meinen Kreislauf zu ficken. Immer, wenn ich zuviel trinke, habe ich jetzt einen Kater, wirklich immer. Überhaupt vertrage ich weniger. Und als ich das letzte Mal einen Joint geraucht habe, war ich fast drei Stunden ausgeknockt, lag auf dem Badezimmerboden in der Wohnung eines Freundes und kotzte mir meine verfluchte Seele aus dem Leib. Er musste mich sogar in die Dusche ziehen, in der Hoffnung, dass mir das kalte Wasser doch wieder ein bisschen Leben einhauchen würde - wie bei einem dieser Vergewaltigungsopfer im Film. So ein peinliches Trainspotting-Drama, wegen einem einzigen verfickten Joint. Irgendwann muss ich meinem Gleichgewichtssinn mal das Herz gebrochen haben, denn er ist sofort gegen mich, wenn ich irgendetwas zu mir nehme, das unter Umständen dazu neigt, mein Hirn aufzuweichen, und er zwingt mich anschließend dazu, mich zu übergeben. Schwindel und Gekotze auf dem Badezimmerboden sind nie weit entfernt. Das ist das Gleichgewicht. Ich war nie gut zu meinen Ohren. Jetzt wisst Ihr's. Hätt' ich nur ein wenig Selbstdisziplin und würde den Scheiß nicht so idealisieren, dann könnte ich einfach mit dem Rauchen aufhören. Aber so wäre ich niemals mit ganzem Herzen bei der Sache. Ich bin doch ein Cowboy. Doch ewig leben will ich trotzdem.

Aber die Scheiße ist auch so unsagbar teuer. Ich habe diese Woche jeden Tag eine Schachtel Zigaretten kaufen müssen - jeden verfluchten Tag. Ich stehe bei 20 €. Ich frage mich, wie viele Minuten das sind, die ich weniger lebe. Vielleicht wäre es ein Anreiz, das Geld stattdessen wegzupacken und in eine Gitarre zu stecken. Nehmen wir an, ich würde jeden Tag eine Schachtel kaufen. Dann hätte ich in 71,8 Tagen die Traveler-Gitarre. Das klingt nach einem Ziel. Das klingt gut. Das klingt machbar. Mal sehen, ob ich es mache.

A.

P.S.: Ich will ja nun wirklich niemanden beeinflussen, aber das hier solltet ihr mögen. Cory Chisel und die wunderbare Adriel Harris mit "Foxgloves" aus ihrem aktuellen Album "Old Believers".

Kommentare:

  1. Ich frage mich ja immer wieder warum man Dinge macht, bei denen klar ist, dass es einem danach dreckig geht. Wobei ich auch sagen muss, dass es für mich wenig schlimmeres gibt als Übelkeit oder gar Kotzerei. Auch ein Grund warum ich dem Alkohol recht früh abgeschworen habe und die Joint-Erfahrung erst gar nicht machen wollte...

    Ich würde Dir wünschen, dass Du Dir Deine Gitarre kaufen kannst - und wenn Du dafür dass rauchen aufgibst umso besser. Auch wenn das noch kein Garant für ewiges Leben sein dürfte.

    Der Musiktipp diesmal: sehr schön!

    AntwortenLöschen
  2. Man muss das auch mal zuende denken; je mehr Zigaretten, desto kürzer die Zeit, in der du Geld für Zigaretten ausgeben (musst).

    AntwortenLöschen
  3. Früher haben wir uns wenig bis gar keine Gedanken über Konsequenzen gemacht, das hat uns, ich sag mal "widerstandsfähig", gemacht - heute denken wir immer öfters nach, manchmal vielleicht sogar zu viel.

    Lg

    AntwortenLöschen