Montag, 3. September 2012

Nach Norden



Da bin ich, genesen und gestärkt. Langsam fühlt es sich tatsächlich so an, als hätten meine Knochen wieder zueinandergefunden. Und mein Kopf ist auch endlich wieder dort, wo er hingehört: über den Wolken, statt unter der Erde. Der Bademantel ist abgestreift und ich trage eine Hose. Scheiße, ich sah so beschissen aus letzte Woche, dass ich beim Arzt, trotz vollem Wartezimmer, als Erstes aufgerufen wurde - und das, ohne der Sprechstundenhilfe zu sagen, was mir überhaupt fehlt. So schlecht fühlte ich mich wirklich lang nicht mehr.

Nachdem ich wieder einigermaßen stehen konnte, bin ich über's Wochenende in die Heimat gefahren. Ich wusste, wenn mein Magen das übersteht, bin ich über'n Berg. Hähnchen, Lachs, Burger. Ich war wieder im Spiel. Gefühlt habe ich den ganzen Samstag im IKEA in Rostock verbracht. Ich weiß, es ist eigentlich bescheuert, zu erwähnen, in welcher Stadt man im IKEA. Kaum hast du den Eingangsbereich hinter dich gebracht, um dicht gedrängt die Tour durch Musterräumlichkeiten zu beginnen, spielt es keine Rolle mehr, in welcher scheiß Stadt du bist. Die verfluchten Dinger sind überall gleich. Das ist ja auch ihr Rezept. Wie bei McDonald's. Bereits auf dem Parkplatz sah es aus, als würde man zum beschissenen Casting für's Supertalent gehen; Jungfamilien, braun gebrannte Typen mit Gürteltaschen und Wadentattoos, aufgehübschte Discoschlampen in engen Lederhosen. Ach Mecklenburg, meine unsterbliche Geliebte. Natürlich, der Laden war voll. Natürlich, ich musste ich zertretenen Röstzwiebeln stehen, während ich meinen Hotdog aß, umgeben von Volltrotteln, die über ihren Urlaub reden.

Doch nicht einmal all das konnte meine Laune trüben. Ich bin gefüttert mit guten Nachrichten. Kann ich mir eine weitere Gitarre leisten? Nein. Habe ich mir eine bestellt? Ja. Ich bin Daddy's kleine Prinzessin und habe ein Darlehen bekommen. Nachdem ich eigentlich dachte, die Leuchtturmtour wäre mein Jahresurlaub gewesen, werde ich in ein paar Wochen tatsächlich nach Norwegen zurückkehren. Der Wind hat sich gedreht. Sieben Tage wundervolle Einöde. Das wird Balsam für meine geschundene Seele. Seitdem das gebucht ist, haben sich alle Wogen erst einmal geglättet. Und wenn ich die Augen schließe, sehe ich die Bilder der vorherigen Aufenthalte vor mir:




That's what's on my mind. Mehr kann ich Euch nicht mitteilen, schließlich hing ich eine Woche lang in meinem Schlafzimmer. Doch jetzt, ja jetzt, bin ich zurück im Leben.

A.

Kommentare:

  1. Das freut mich für Dich. Natürlich, dass Du wieder fit bist. Und auch das mit der Gitarre. Aber besonders das mit Norwegen!

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  2. Und bloß den Nyman nicht vergessen.

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