Sonntag, 21. Oktober 2012

Die fabelhafte Welt der Blasphemie I

Die Maschine arbeitet wieder: Daddy's back. Morgen beginnt das neue Semester. Ich kann es kaum erwarten. Aber ein Trost ist, dass ich in 7 Tagen bereits durch nebelverhangene Täler, dunkle Wälder, vorbei an schroffen Bergen und der tiefen See spazieren werde. Das ist keine Metapher. Es ist dann Sonntag, und ich bin in Norwegen aufgewacht (Urlaubstagebuch, die Zweite? Ja. Nein. Ich weiß noch nicht), in einem knarrenden Holzhaus mit Blick auf das raue, dunkelblaue Meer. Nur leider nicht für immer. Ja, ich weiß, "nur leider nicht für immer". Das klingt, als wäre ich eine dieser Tussis, die nach der Schule für ein Jahr ins Ausland gehen, und dann 7 Jahre lang geistig nicht wieder in Deutschland ankommen, sondern sich stattdessen als rührselige Weltbürger aufspielen, die nicht von ihrer neuen Heimat loskommen. Ich nenne das den "Klassenfahrt-Kater-Effekt", benannt nach dem Gefühl, das sich immer bei mir einstellte, wenn ich im Reisebus auf dem Rückweg von einer Studienfahrt saß. Alles war vorher ungewiss und aufregend, aber letztendlich war es toll und der Abschied viel mir schwer. Ja, ich habe die Filmrechte bereits nach Hollywood verkauft. "The School-Trip-Hangover-Effect" wird 2013 verfilmt. Mit Ashton Kutcher in einer Nebenrolle (er spielt einen geldgeilen, pseudo-lässigen Penner, der sich noch immer für einen 16-Jährigen hält).



Aber das soll heute nicht unser Thema sein, nein. Wir reden über den Tod; über den dunklen, alles umnachtenden Moment vor der ewigen Stille, das ultimative Ende, den Eintritt ins Nichts. Doch keine Angst, ich werde Euch nicht mit hochphilosophischen Näherungswerten bzw. Ausdeutungsversuchen in den ewigen Schlaf schreiben. Es soll ja nicht langweilig werden. Außerdem könnte ich mir dann ca. 333 Diffamierungen religiöser Menschen nicht verkneifen. Hakuna Matata. Nur so viel: Niemand kann wissen, was danach passiert, weil bisher niemand von der anderen Seite zurückgekehrt ist, um Bericht zu erstatten. Nahtoderfahrungen sind einen Scheiß wert, schließlich sind sie eben keine Ganztoderfahrungen! Fest sollte also stehen: Glaub' niemandem etwas über das Jenseits, der unter den Lebenden weilt (auch nicht, wenn er auf einer Kanzel steht, aus einem alten Buch vorliest oder im Schneidersitz vor Dir Platz genommen hat). Wer etwas anderes behauptet, ist ein Naivling, ein Träumer oder einfach ein Idiot. Die Ungewissheit, was das bittere Ende betrifft, ist scheiße, na klar, aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns überraschen zu lassen. Im Übrigen: Dass viele Leute an etwas glauben, macht es noch nicht wahrscheinlicher. Der spanische Schriftsteller-Gottkönig, Carlos Ruiz Zafón, hat es wohl mit am schönsten formuliert: "Wenn der Tod anklopft, springt die Skepsis zum Fenster hinaus." (Das Spiel des Engels). Hilfskonstrukte fürs Gewissen, nicht mehr, jedoch auch nicht weniger.

Ich persönlich glaube, dass wir einfach sterben, dass es einfach aufhört: Kein Bewusstsein, kein Körper, rein gar nichts bleibt. Lichter aus. Schwer vorstellbar, aber darum geht es ja schließlich auch: Der Verlust des eigenen Lebens ist unvorstellbar, weil er ein Bewusstsein voraussetzen würde. Ich glaube, es war Tugendhat, der in diesem Zusammenhang ein ganz gutes Beispiel parat hatte: Sinngemäß schrieb er, dass man sich zwar den Verlust eines geliebten Menschen oder eines Körperteils vorstellen könne, jedoch nicht das eigene Nicht-Sein, den Verlust der eigenen Existenz - ergo würde es auch keinen Sinn machen, den Tod (als Zustand) zu fürchten. Man kann jedoch bedauern, dass das Leben, wie wir es kennen, aufhört, denn eines ist gewiss: Das wird es. Davor fürchte ich mich. Doch getreu dem Motto "Alle Kunst entsteht aus Angst vor dem Tod" (Hesse) werde ich mein Bestes geben, nach Unsterblichkeit in den Erinnerungen der Anderen zu streben. Wenigstens etwas.

Ich bin nocht nicht fertig! Da der Post jedoch viel zu lang geworden ist, habe ich ihn unterteilt. Das war der langweilige, theoretische Teil. Morgen geht's weiter.

HEGDL,
A.

Kommentare:

  1. Ich fürchte mich nicht davor, dass das Leben aufhört - wann auch immer. Ich fürchte mich eher davor, wie es passieren,wie lang und unangenehm der Weg dorthin sein könnte.
    Natürlich fände ich es sehr schade, wenn mir nicht noch mal genausoviele, halbwegs gesunde Lebensjahre vergönnt wären - aber da hat man ja nicht so richtig viel Einfluss drauf.
    Das einzige, was man machen kann, ist das Leben so gut es geht genießen...

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  2. ich finde es immer eigenartig, dass so ziemlich alle menschen glauben, hoffen oder gar wissen, dass mit dem sterben alles erlischt, und es eben dann alles war.
    ich meine, hat sich jemand schonmal mit dem menschlichen gehirn auseinander gesetzt? wohl kaum. wenn wir wollten und könnten, und es wahrscheinlich auch legel wäre, könnte wir so viel mehr erreichen, als nur einen bruchteil des gehirns zu nutzen.
    ach, ich finde es so traurig, dass die meisten lebewesen nur in eine richtung denken...
    aber ich lese mir trotzdem die fortsetzung durch, einfach aus prinzip.

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