Donnerstag, 18. Oktober 2012

Reflexion

Notiz an mich selbst: Okay, es war wirklich keine gute Idee, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, krank den Abend in einer Kneipe zu verbringen (Sie hatten Recht, Madame) - genau genommen war es sogar eine ziemlich beschissene Idee.

Wenn ich schon unbedingt hingehen musste, so hätte ich wenigstens auf Zigaretten und Alkohol verzichten können/sollen - doch das tat ich nicht, nein, natürlich nicht. Ich wollte einfach nichts verpassen. Ich wollte dabei sein. So bin ich eigentlich sonst nicht. Ich kann normalerweise problemlos auf alle sozialen Gepflogenheiten scheißen, wenn mir danach ist. Meine Freunde schätzen und lieben das. Aber es stand gar nicht zur Debatte, den heiligen Bar-Mittwoch zu vernachlässigen. Und dann ging es mir schlecht. Halb komatös ließ ich mir ein Erkältungsbad ein, nachdem ich nach Hause gekommen war, musste es jedoch nach wenigen Minuten schnellstens verlassen, da mein Blut bereits vor Hitze zu kochen begann. Mein Kopf hämmerte, meine Ohren dröhnten, und wenn ich hustete, zog es bis in meine Eier. Noch ein Kurzer Bronchipret, cheers, und ab in die Falle. Köstlich, immer wieder vom Geschmack des Hustensafts aufzustoßen.


Und dann lag ich im Bett und kämpfte gegen den Brechreiz, dessen Ursache ich nicht einmal genau bestimmen konnte. Zu viele Möglichkeiten. Ich wurde erst ein wenig ruhiger, als ich das Ende von "Und täglich grüßt das Murmeltier" sah. Bill Murray ist ein ziemlich beruhigender Typ und der Film erinnert mich an Weihnachten im Kreis der Familie.

Zwei Stunden später wache ich völlig durchgeschwitzt auf. Ich habe einen Ziegelstein im Kopf und mein Mund ist so verflucht trocken, dass es sich anfühlt, als hätte ich Sand auf der Zunge. Zitterig robbe ich zur Heizung, deren Geräusch ich in der Dunkelheit orten kann, um sie abzudrehen, damit ich und sie, die Heizung, endlich selig schlafen können.

7:00 Uhr: Aufwachen in Zeitlupe. Ich fühl mich nicht besser. Wieder Sand auf der Zunge. Während ich pinkele, beginnt mein Hirn erst zu arbeiten. Gottseidank setze ich mich hin. Meine zittrigen Hände hätten das Laserschwert nur schwer unter Kontrolle halten können. Ich klatsche mir kaltes Wasser ins Gesicht. Mein Spiegelbild müht sich nicht einmal zu einem Grinsen. "Du siehst beschissen aus", sage ich, ohne meine Lippen zu öffnen. Meine Augen wirken, als gehörten sie eigentlich einer siebzigjährigen Kettenraucherin.

Dann schütte ich Kakao über meine Tastatur. Vielleicht sollte ich doch wieder ins Bett gehen. Mühsam versuche ich, jeden Tropfen aus den Rillen zwischen den Tasten zu pulen. Dämliche Scheiße. Meine Nervosität setzt bereits ein. Und die Wohnung ist kalt und leer. Ich geh jetzt mit meinem Dänisch-Wörterbuch ins Bett.

Ja, das klingt alles scheiße, aber mein Freund und Mentor, der weise Philosoph Robert Balboa Sr., hat mal Folgendes gesagt: "Die Welt besteht nicht nur aus Sonnenschein und Regenbogen; sie ist oft ein gemeiner und hässlicher Ort. Und es ist mir egal, wie stark du bist, sie wird dich in die Knie zwingen und dich zermalmen, wenn du es zulässt. Du und ich, und auch sonst keiner, kann so hart zuschlagen wie das Leben. Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann, es zählt bloß, wie viele Schläge er einstecken kann, und, ob er trotzdem weitermacht, wie viel man einstecken kann und trotzdem weitermacht! Nur so gewinnt man. Wenn du weißt, was du wert bist, dann geh' hin und hol' es dir - aber nur, wenn du bereit bist, die Schläge einzustecken. Aber zeig' nicht mit dem Finger auf andere und sag': Du bist nicht da, wo du hinwolltest, wegen ihm oder wegen ihr oder sonst jemandem. Schwächlinge tun das, und das bist du nicht! Du bist besser!"

Ich bin besser! Ahu! Danke, Rock!

A.    

Kommentare:

  1. Gute Besserung... mehr fällt mir grad echt nicht ein, ich meine das hört sich als würdest du sterben...

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    1. Und das war gewissermaßen auch zutreffend. Bis ich mich an Rocky erinnert habe.

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  2. Gute Besserung! Das wird schon auch ohne Obsttellerchen :-)Viel Glück bei der Klausur!

    ...und Danke! Du hast mich gerade auf eine super Idee gebracht. Wenn mein Freund mal wieder "sterbenskrank" ist gebe ich ihm ein Blatt Papier und einen Stift um sein ganzes Leid aufzuschreiben....gemein ich weiß.

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    1. Erzähl' ihm lieber von Rocky's weisen Worten!

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    2. Wozu? Er kennt sie eh auswendig...würg!

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  3. ey :)
    wenn männer krank sind, geht echt ihre eigene welt unter ^^

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