Mittwoch, 28. November 2012

elefant fickt esel bilder

"Elefant fickt esel bilder", ja. Wie meine Statistiken offenbaren, hat genau das jemand bei Google gesucht - und ist dann hier gelandet. Wahrscheinlich hat der auch bei der Umfrage angeklickt, dass er Star Wars nicht mag. Ich lasse den Scheiß mit den Umfragen wieder. Die Idee gefiel mir eigentlich schon nicht mehr, als ich sie ausformuliert hatte. Also, wenn Ihr das hier lest, gibt es keine Umfragenoption mehr. Das habt Ihr jetzt davon, dass Ihr Star Wars nicht mögt. Das kränkt mich.

Überhaupt sind die Suchbegriffe, mit denen die Leute hier landen überaus beunruhigend: "schmutz dreck gestank", "hoden langziehen", "eier langziehen", 6x "Leitungswasser", 7x "Todesgeschichten" - was stimmt nicht mit Euch? "Thomalla ficken" finde ich auch schön. Also lustig, ich finde es lustig. Ich bin noch immer der Meinung, das Mutter und Tochter niemals wieder vor eine Kamera treten sollten. Aber: Jeder nach seiner Fasson.

Es ist passiert: vorgestern habe ich mich nach Jahren einmal wieder dazu überwunden, zu einem Konzert zu fahren - auf die Reeperbahn. Sin City. In nicht einmal einer Stunde ist man mitten auf dem Kiez. Schon aus Prinzip will ich da eigentlich nicht hin, doch die Karten waren ein Geschenk - und außerdem hat Michael Kiwanuka, für mich, eines der Alben dieses Jahres herausgebracht!

Sonntag, 25. November 2012

Der Wochenatlas II

Schon wieder merkwürdig geträumt: Es gibt Kulissen meines Lebens, die vielleicht längst nicht mehr existent sind - trotzdem begegnen sie mir immer wieder im Schlaf. Der alte Klassenraum in einer Schule, die längst abgerissen wurde, die Gartenlaube meiner Großeltern, die weiten, waldigen Landschaften von Lista oder der Wald um Warin, ein kleines Nest mitten in Mecklenburg, nahe meiner Heimatstadt. Hier bin nicht nur in erste Romanzen verwickelt gewesen, hier betrank ich mich auch zum ersten Mal, erlebte Abenteuer mit meinen Freunden, rauchte heimlich und baute Scheiße. Jahre sind vergangen und die Zeit ist ein Gauner. So vieles ist dort passiert. Ungefähr einmal im Jahr, wenn es meinem Vater und mir gelingt, gleichzeitig im Haus meiner Eltern zu sein, fahren wir raus in die Wälder und angeln - meistens dort. Es sieht aus wie in der Kulisse von "The Blair Witch Project" und man begegnet fast nie jemandem. Ich mochte es dort immer. 

Und wieder ist Sonntag. Wahlsonntag. Freue ich mich, dass morgen wieder eine neue Woche entbrennt. Die große erste Umfrage ist also Geschichte. In einer Welt, in der nur die IADST-Leser über die Regierung entscheiden würden, schafft die CDU knapp den Einzug ins Parlament, die FDP kassiert weniger Stimmen als die "Anderen" und Rot-Grün holen 61%. Steinbrück wäre Kanzler, Trittin wahrscheinlich Außenminister und der dicke Gabriel Minister für Inneres. Piraten und Linke säßen mit jeweils 13% wahrscheinlich in der Opposition. In dieser Welt wären aber auch nur 29 Menschen zur Wahl gegangen.

In dieser Woche soll es nicht um die große Bühne der Politik gehen, sondern um etwas viel Wichtigeres: Welches ist Euer Lieblings-Star-Wars-Teil? Na, schwere Entscheidung? Find' ich auch.

Donnerstag, 22. November 2012

Requiem

Ich bin seit fast drei Wochen wieder da. Langsam vergesse ich, wie es war, in Norwegen aufzuwachen, und sich über nichts Gedanken machen zu müssen. Ich bin gaschaffter als vor dem Schlafen. Zwei Bier, mehr habe ich gestern nicht getrunken, und trotzdem fühle ich mich, als wäre ich die ganze Nacht unterwegs gewesen: Meine Augen fallen ständig zu, meine Knochen tun weh - und ich habe scheußlich geträumt. Betrug, Verrat, Straßenbahnfahrten und eine weiße Katze, die mich verfolgt. Das Gefühl von beißender Eifersucht unter meiner Haut ist noch immer nicht gewichen. Ich hatte vergessen, wie sich das anfühlt, nach all den Jahren. Vergessen waren Nächte, völlig vernebelt von blindem Zorn auf alles, das meinem vermeintlichen Glück gefährlich werden konnte. Das war kein Glück, viel zu gläsern. Sich von der Furcht beherrschen zu lassen, ist nie gesund: "Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid" (Meister Yoda). Nur leider war ich nie ein Jedi.

Mittwoch, 21. November 2012

An der Tür

Gerade hat eine Nonne geklingelt und mir fest in die Augen gesehen:

Nonne: Guten Tag, mein Name ist ______. Ich hätte Ihnen gerne mal ein Zitat aus der Bibel vorgelesen.
Lexman: Eher nicht. Ich habe keine Hose an - das wär' doch ein schlechtes Omen, oder?
Nonne: So generell nicht?
Lexman: Genau.
Nonne: Dann wünsche ich Ihnen trotzdem alles Gute.
Lexman: Ja, ich Ihnen auch.


Manchmal hau' ich mich selbst um.

A.

Dienstag, 20. November 2012

Das Ende der fetten Frau

Meine Schritte werden schneller. Hinter mir lacht eine Gruppe Schülerinnen wie ein Rudel Hyänen. Ich drehe mich um: Sie sehen aus, als wären sie alle bereits in ihren späten Zwanzigern. Das ist der Fluch unserer Zeit. Alle wollen Mitte zwanzig sein. An der Kasse im Penny-Markt sehe ich das dämliche Arschloch aus der Wohnung über uns. Tatsächlich, er hat sich einen neuen weiblichen Sidekick besorgt. Die fette Frau wurde substituiert. Nach all den Jahren der nächtlichen Beschimpfungen und der furchtbar ekelhaften Musik ist sie verschwunden. Doch das überrascht Sherlock keineswegs, nein. Schon, seit über einer Woche wunderte ich mich, warum alles so leise, so dezent war. Und dann, gestern, ich war mir ganz sicher, das Geräusch von Hackschuhen auf dem Parkett zu hören. Trägt die fette Frau neuerdings etwa Hackschuhe? Das hätte ich doch schon vorher gehört haben müssen. Und nun bestätigt es sich, der cholerische Arbeiterklassenromeo von der verkackten Marine hat ein neues Herzblatt. Vor einem Monat habe ich die fette Frau noch gesehen, da bin ich mir sicher. Der lässt nichts anbrennen. Hat sie das verdient? Nun, sie schien Unheilig und Culcha Candela zu lieben.

Und wisst Ihr was? Die Neue sieht aus wie die Alte - nur mit glatten Haaren.

A.   

Montag, 19. November 2012

Zwischen den Büchern

Ich habe es geschafft. Nach vier satten Jahren Studium ist es mir doch einmal gelungen, mich in das W-Lan-Netz der Universität einzuloggen. Dass ich das hinbekommen habe, ist wirklich nicht selbstverständlich, schließlich muss man beinahe ein verfickter NASA-Hacker sein, um bei dem ganzen Client-Wichs-Computerkram durchzusehen. Aber: They can't stop the Lex. Und nun bin ich online. Seit 6 1/2 Stunden habe ich mich in der Bibliothek verkrochen, um zu schreiben. Jaha, der große Roman, er ist in Planung. Ich fühle mich auf einmal wie ein Teil der arbeitenden Bevölkerung: Seit 8:00 Uhr bin ich hier, 20.00 Uhr habe ich Feierabend - Zwölfstundenschicht, Bitch. Nachher noch mit'm Bier auf die Couch - schön im Unterhemd oder so. Ich habe leider nur schwarze Unterhemden (und ehrlich gesagt auch nur eines). Das ist dann nicht stilecht. Es gibt einfach zu wenige Anlässe, bei denen man Unterhemden tragen sollte. Und die Typen, die da anderer Meinung sind, sind Idioten.

In einer Stunde beginnt mein nächstes Seminar. Eigentlich habe ich noch Texte zu lesen, aber diese ganze Internetgeschichte hier ist da eher kontraproduktiv. Ich mag mich außerdem nicht an einen der großen Tische setzen, schließlich höre ich dann das bekackte Gelaber irgendwelcher Einfaltspinsel, die sich auf ein beschissenes Referat oder so vorbereiten. Schräg vor mir sitzt ein fettärschiges Mädchen mit einer schlimmen Körperhaltung. Ob sie sich fragt, warum ich einfach nur tippe, ohne, dass ich auch zehn stinkende, alte Bücher neben mir liegen habe und bedeutungsschwanger über die Seiten schiele? Wenn sie wüsste, dass ich gerade über sie hier schreibe. Ein Typ mit T-Shirt und Mütze (!) hat sich neben sie gesetzt. Beide tuscheln. In seinen gierigen Augen und seinem zögerlichen, immer wiederkehrenden Lächeln sieht man, dass er die Kleine auf der Stelle vögeln würde. Zeit, zu gehen.

A.

Sonntag, 18. November 2012

Was ich Sie noch fragen wollte...

Nicht erschrecken! Ich habe eine Umfragenoption eingefügt. Warum? Mich interessiert das. Ich finde einen kleinen Funken Interaktion auf IADST ganz spannend, weswegen ich Euch bitten möchte, das Ganze nicht als bloße Schrulle abzutun und zu ignorieren, sondern Euch rege zu beteiligen. Vote! Thematisch lassen wir uns nicht festnageln, meine sehr verehrten Damen und Herren. Den Anfang markiert die obligatorische Bundestagsfrage. Ein Klassiker zu Beginn. Jede Abstimmung läuft genau sieben Tage.

A.

Samstag, 17. November 2012

Der Wochenatlas

Falls Ihr Euch bisher nicht sicher wart, ob ihr nun "Cloud Atlas" im Kino sehen solltet oder nicht, hört auf mich: Seht ihn Euch an! Zugegeben, ob man, ohne das Buch gelesen zu haben, das Gros des Films beim ersten Mal versteht, wage ich zu bezweifeln, aber nichtsdestotrotz erwartet einen ein verdammtes Feuerwerk. Szene nach Szene knallt einem an den Kopf. Drei Stunden pure Unterhaltung. Das Kino war fast leer - und ich war zur Premiere. Es war leer - trotz Wetten-Dass-Promo-Offensive von Hanks und Berry. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt, mit welcher Passion der Mob in Filme wie "Hotel Transsilvanien" (?) oder "Paranormal Activity 4" pilgert. Sicher, der Wolkenatlas, das Buch, ist um Längen besser, als der Film es je sein könnte. Das liegt in der Natur der Sache, schmatz. Trotzdem finde ich unfair, dass der Film so unerfolgreich ist, wenn auf der anderen Seite Till Schweiger weiter seinen verschissenen Lebensunterhalt mit zusammengekniffenen Augen im unheiligen, deutschen Filmgeschäft verdienen darf. In so einem Land möchte ich nicht leben, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Aber was reg' ich mich auf, in Amerika startet "Cloud Atlas" ja auch nicht durch. Mal was Anderes: Halle Berry ist 46? 46? Really? Ich weiß, man neigt gern zu einem "Die hat sich ja gut gehalten"-Bla-Bla, aber HB ist nicht wie Demi Moore oder Madonna; also kein dünnhäutiger Vampir mit toten Augen, HB ist heiß! Smokin' hot! Dass die meine Mutter sein könnte, ist hingegen merkwürdig.

Ich habe übrigens gerade eine neue Rubrik erfunden. Einfach so.

Erkenntnisse der Woche:
  • Ich habe Kumpir zu Unrecht verdammt.
  • Ich habe Latein nach weniger als einem Jahr wieder verlernt.
  • Ich verliere sowohl bei Münzwürfen, als auch bei Stein-Schere-Papier. Immer!
  • Dark Dark Dark machen mich melancholisch und verfickt wütend - und trotzdem mag ich sie.
  • Ich würde Jahrzehnte allein mit einer Playstation überleben.
  • "Soloalbum" ließ sich nur kurz nach der Jahrtausendwende lesen, vermute ich. Danach war es irgendwie unsympathisch und affektiert. Das ist nicht schlimm; so manche Kunst funktioniert nur in ihrer Zeit - z.B. Limp Bizkit. Ja, für mich war Limp Bizkit Kunst. It's all about the he-said-she-said-bullshit!
  • "Because the only thing that punk-rock should ever really mean is not sittin' 'round and waiting for the lights to go green..." ist eine wirklich gute Songzeile, auch wenn ich jetzt nicht so Punk-Rock bin. Frank Turner, falls Ihr Euch fragt.
  • Es gibt Wissenschaftler, die sich passioniert mit den Abständen zwischen zwei Eisenbahngleisen im Wandel der Zeit, und in verschiedenen Ländern, befassen. Das ist jedenfalls nicht Punk-Rock.
  • Paula Lambert, deren einziger Lebensinhalt, das Reden über Sex zu sein scheint, ist eine der unerotischsten Personen der Medienlandschaft.
  • Das Gerede über Europa nervt mich. Die eigentliche Idee scheint sich in den Köpfen der Menschen in ihr Gegenteil zu pervertieren.
  • Meine Leberwerte sind erhöht.
  • Jogi Löw ist ein selbstgerechter Vollidiot, weil er lieber ohne Stürmer spielt, als dass er Stefan Kießling beruft. 

Schönes Wochenende,
A.    

Donnerstag, 15. November 2012

Nach der Flut

Okay, okay, vielleicht hatte ich tatsächlich den Blues, seitdem ich wieder da bin. Aber soll ich Euch etwas sagen? Jetzt, wo ich mir all das, sicherlich etwas ausführlich, von der Seele geschrieben habe, hat mich die Normalität wieder. Der Einfachheit halber gibt es jetzt auch den Reisebericht am Stück, falls noch jemand ein Bedürfnis danach verspürt - wahrscheinlich werde ich selbst das sein, in ein paar Monaten.

Zurück zum Tagesgeschäft also. Ich sitze wieder in Hörsälen und Seminarräumen, lausche den Gesprächen der anderen Deppen, bekomme beschissene Hausarbeitsthemen zugelost und lasse mich davon einschüchtern, wie schnell mir die Zeit durch die Finger rinnt. Home sweet home.  

A.
 

Dienstag, 13. November 2012

Sieben Tage in Utopia: Finale (Part IV)

Wir parken das Auto und gehen zurück ins Haus. Das Leben pulsiert. Alles ist bereits dabei, Sachen zusammenzusuchen und zu packen. Ich verstaue meine Gitarre in ihrer Hülle und stelle alles bereit. Mein Vater kehrt vom Meer zurück. "Ich habe morgens zwei Tassen Kaffee getrunken. Auf dem Meer hab' ich dann acht wieder ausgekotzt", sagt er, völlig erschöpft. Den Steinbutt, den er gefangen hat, wird meine Mutter zum Abendessen vorbereiten. Ich will nicht warten, bis es dunkel wird. Ich will mich nicht verabschieden, und hier vorm Fernseher vegetieren. Als mein Vater dann auch noch "Over the Top" im Fernsehen einschaltet, reicht es mir. Ich streife meine Jacke über und klettere erneut in meine Stiefel.

Einen letzten Gang den Weg herunter. Noch einmal die Strecke, die ich schon millionenmal gelaufen bin. Die schwindende Sonne taucht den gesamten Himmel in einen Ton von Vanille. Wer weiß schon, wann ich zurückkehre?


Sieben Tage in Utopia: Finale (Part III)

Regen prasselt auf die Frontscheibe, doch die Wolken formen noch immer ein Gemälde am Himmel. Ich blinke nach links und frage mich, ob ich mit jemandem zusammen sein könnte, der all das hier sofort gegen einen All-inclusive-Urlaub in der Sonne eintauschen würde. Oder mit jemandem, der Simon & Garfunkel scheiße findet. Oder Star Wars nicht mag. Wirklich, ich hasse Leute, die Star Wars nicht mögen. Echt, wir kann man das nicht mögen?

Wir setzen meine Großeltern ab und fahren weiter. Ich habe noch einen Ort auf der Agenda. Als ich klein war, nannten ich und meine Freunde diesen Ort "Grusel-Gespenster-Wald". Wir waren ironisch. Und trotzdem hatten wir Schiss. Als der Wagen hält, donnert es am Himmel. Bevor es in den Wald geht, werfe ich einen Blick ins Wasser. Der kleine Hafen, der fast ein Zwilling des Hafens in unserem Ort sein könnte, ist menschenleer.



Sieben Tage in Utopia: Finale (Part II)

"Alexander, die Wolken sind beeindruckend, oder? Aber es is' auch ganz schön windig, ne?", sagt meine Oma mit glücklichem Gesicht.
"Ja, das wird meinen Vater schön durchschaukeln, aber das ist der Preis, den man zahlen muss", antworte ich, voll von offensichtlicher Schadenfreude. Sie stößt mir in die Seite, ohne ihr Lachen zu verlieren.

Und dann sind wir oben. Meine Pupillen rasen durch die Landschaft. Das hier ist ein perfekter Ort, da bin ich mir sicher. Ich blicke hinunter auf ein felsiges Tal, bestehend aus unendlich vielen Lagunen und Buchten. Immer wieder blitzen kleine Sandstrände vor dem klaren Wasser auf. Wie kommt es, dass ich hier noch nie war? Sicher, ich kenne den Strand - doch all dies hier war mit völlig unbekannt.

Sieben Tage in Utopia: Finale (Part I)

Der folgende Post wird Euch viel Zeit kosten und den ewigen Wunsch in Euch wecken, das zu sehen, was ich gesehen habe. Ich warne Euch bloß. Falls Ihr die bisherigen Fotos schon gut fandet, macht euch auf etwas gefasst. Ich ziehe alle Register. Aufgrund der Masse an Text und Bildern musste ich diesen Post auf mehrere Posts verteilen. Ich dachte dabei nur an die Größe Eures Scroll-Rädchens. Ich hoffe, Ihr wisst diesen Mehraufwand zu schätzen. Der letzte Tag war der beste.

Donnerstag:

Ich habe heute leider kein Foto für Euch. Rührei und Speck. Wind peitscht gegen die Wände des kleinen Hauses. Ich versinke den ganzen Tag in der Couch und lese "Der Gefangene des Himmels" zu Ende. Ich bin enttäuscht. Nicht einmal die unterschriebene Erstausgabe trübt meine Wahrnehmung. Kein Zauber, keine Magie. Resigniert klappe ich das Buch zu und verstaue es in meinem Rucksack. Jetzt habe ich nichts mehr, was ich hier lesen könnte - außer dem Käse, den die Anderen mitgebracht haben. Ich hasse es, kein Buch neben mir auf dem Nachttisch liegen zu haben. Das ist wie mit den Zigaretten: Habe ich welche, fällt es bei Weitem nicht so schwer, nicht zu rauchen, wie es mir fallen würde, wenn die Schachtel leer wäre. Macht das Sinn?

Das schlechte Wetter zwingt meinen Vater dazu, untätig neben der Familie auf der Couch zu sitzen. Das fällt ihm sichtbar schwer; er ist ein Getriebener. Man kann die Unruhe in seinen Augen sehen. Er ist daran gewöhnt, keine Zeit zu haben und zwölf Stunden am Stück, die ganze Nacht hindurch, irgendwo im Dreck auf einer Baustelle in Dänemark zu arbeiten. Wenn er frei hat, repariert er ständig Dinge und findet irgendetwas, das unbedingt am Haus getan werden muss. Für ihn bedeutet Urlaub schon, dass er nicht auf irgendeine Baustelle muss, genügend schlafen kann und Zeit zum Angeln hat. Dass er bisher nur zweimal auf See war, schlägt auf seine Stimmung, und das kleine Wohnzimmer beginnt langsam, zu eng für uns beide zu werden. Er provoziert mich, ich provoziere ihn.

Sonntag, 11. November 2012

Sieben Tage in Utopia: Episode V. One Night In Farsund

Mittwoch:

Rührei und Speck. Regen und Wind zersetzen alles. Kein Wetter zum Spazierengehen. Die Dynastie ist sympathisch aber eigen. Absurdität des Familienurlaubs Nr. 1: Meine Familie hat tatsächlich norwegischen Käse aus Deutschland mitgebracht - denselben Käse, den sie hier vor Jahren für sich entdeckt haben. Ja, Lebensmittel sind teurer hier oben, aber ist das nicht trotzdem irgendwie merkwürdig? Wenn schon nicht von meiner Familie, dann zumindest von Europa. Es ist dasselbe verfickte Lebensmittel!

Meine Mutter hat sich in die hauseigene Kaffeemaschine und den Fernsehsessel verliebt, und lag nun meinem Vater so lange in den Ohren, bis er sich dazu bereit erklärt hatte, die Vermieter eingehend zu befragen, wo sie denn die Gerätschaften erstanden hätten. Das Wetter gibt nicht viel mehr her, also willigen ich und meine Begleitung ein, mitzufahren, falls man den Platz in unserem Auto benötigen würde.

Die kleinen Städte sind leer und grau. Der Winter kommt mit dem Ende der Saison. Deutsche scheinen sich hier momentan genauso wenige aufzuhalten wie Norweger in Kiel. Wir finden die begehrte Kaffeemaschine in einer kleinen Euronics-Filiale, die eher an einen Trödelladen erinnert. Während ich im Kopf die Preise in Euro umrechne, stelle ich fest, wie verfickt teuer alles hier ist. Die Kaffeemaschine kostet zärtliche 270 €. Wir lachen und verlassen das Geschäft. Der Stuhl kostet über 300 €. Wir lachen und verlassen das Geschäft. Bevor wir gehen, erstehe ich jedoch ein Paar enge Lederhandschuhe für 13 € (!). Mit ihnen an den Fingern, sieht es aus meiner Perspektive so aus, als hätte ich die Hände eines SS-Manns, während ich eine Zigarette zum Mund führe. Das beunruhigt mich kurz. Absurdität des Familienurlaubs Nr. 2: Meine Großeltern kaufen ein Kristall-Service. Made in Germany. Wir bringen den Import/Export-Kosmos völlig durcheinander.

Freitag, 9. November 2012

Sieben Tage in Utopia: Episode IV

Dienstag:

Zur festen Planung gehört es jedes Mal, den Leuchtturm von Lista, Lista Fyr, zu besuchen - seit ich klein war. Ihr wisst um meine Begeisterung für die Ästhetik von Leuchttürmen? Ich möchte nicht wissen, was Psychoanalytiker oder Feministen davon halten würden. Das ist also die Tagesaufgabe. Rührei mit Speck, 10°C, der Tag kann starten. Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, wie ich je allein frühstücken konnte.

Es hat die ganze Nacht geregnet und der Wind hat weiter zugenommen. Das perfekte Wetter zum Einschlafen für mich. Nichts ist gemütlicher, als wenn Wind und Regen gegen die dunklen Fenster peitschen. Aus diesem Grund finde ich den Schimmelreiter auch so gemütlich. Manchmal, wenn ich nicht einschlafen kann, versuche ich durch die Augen des Deichgrafen zu sehen, der nachts, dem rauen Wetter trotzend, über den dunklen Deich reitet.




Donnerstag, 8. November 2012

Sieben Tage in Utopia: Episode III

Montag:

Rührei mit Speck, und das Frühstück ist gar nicht mehr so laut. Der Himmel ist zugezogen, doch die Temperaturen sind gestiegen. Ein starker Wind bläst vom Land auf das Meer und lässt all die vielen Windkrafträder rotieren. Das Essen mit den Waltons finde ich tatsächlich nicht mehr anstrengend. Mein Plan war, jeden Tag früh aufzustehen, um möglichst viel in mich aufzusaugen, also muss ich sowieso damit arrangieren.

Alle wollen in die Stadt fahren - nur ich nicht. Seit Jahrzehnten liebt meine Familie das Softeis in Farsund, einer kleinen Hafenstadt, zwanzig Minuten mit dem Auto entfernt. Ich bin kein Eisfan - schon gar nicht im Herbst. Abgesehen davon war ich schon sechshundertsechsundsechzigmal in Farsund. Vor ein paar Jahren habe ich sogar das Nachtleben kennengelernt, aber die Geschichte darüber, würde einen ganzen Post füllen.

Als der Rest vom Hof fährt, freue ich mich fast ein wenig auf die Ruhe. Ich werfe ein paar Stücken Holz in den Kamin und lege mich auf die Couch. Es ist so weit: Ich werde den neuen Zafón beginnen. Signierte Erstausgabe, Biatch. Ich wünschte, ich wäre geduldiger, schließlich wird die Fortsetzung erst in ein paar Jahren erscheinen. Mein einziges Zugeständnis ist, dass ich mich beim Lesen nicht beeilen werde. Das Gefühl, die ersten Seiten zu lesen, kommt in meiner Erinnerung, meinen Empfindungen, als ich den Vorspann von Episode I im Kino sah, ziemlich nahe. Lange hat man gewartet, und im Geist hält sich eine Mischung aus Angst und Spannung die Waage; Spannung, weil man es kaum erwarten kann, zu sehen, wie es weitergeht - Angst, weil es auch scheiße werden könnte, und somit etwas beschädigt wird, das man sehr schätzt.

Mittwoch, 7. November 2012

Sieben Tage in Utopia: Episode II

"Morgen" ist immer eine Sache des Blickwinkels.


Sonntag:

Wo zur Hölle bin ich? Es dauert ein wenig, bis ich die Umgebung erkenne. Schritte auf einer Treppe. Ich greife zu meiner Armbanduhr. Eiskristalle haben sich unter dem Glas des Ziffernblattes gebildet. Es ist kalt. Sehr kalt. 07:30 Uhr. Das kann doch nicht mein Ernst sein. Das reichhaltige Frühstück im Kreise der gesamten Dynastie ist laut, lauter als erwartet, und irgendwie fast zu laut - aber wirklich vielfältig. Ich erkundige mich trotzdem nach Rührei und gebratenem Speck und kassiere böse Blicke dafür. Vielleicht morgen. Wenigstens gibt es zwei Badezimmer.
Der Blick aus dem Fenster verheißt eine ruhige See; keine Schaumkronen in Sicht, was meinen Vater dazu bringt, sein Frühstück herunterzuschlingen, um so schnell wie nur möglich raus, aufs Meer, zu fahren. Angeln war nie wirklich mein Ding. Ich find' es irgendwie widerlich, die Fische vom Haken zu entfernen. Nicht, weil ich ein unglaublicher Tierfreund bin oder so - ich finde es schlichtweg eklig. Sicher, so cooler Ehrgeizscheiß mit dicken Angeberfischen, da kann ich mich auch für begeistern, aber die Viecher vom Haken nehmen oder gar filetieren, nope. Abgesehen davon muss ich bei leichtem Seegang schon kotzen. Mir reicht es, einmal im Jahr an irgendeinem bescheuerten Bach kleine Plötze zu fangen, und sie anschließend braten zu lassen. Damit befriedige ich meinen Jäger-und-Sammler-Trieb wirklich zu Genüge. Mein Vater ist trotzdem beleidigt, als ich seine Frage, ob ich mit wolle, mit einem Lachen quittiere. Kein Tigerblut in mir.

Montag, 5. November 2012

Sieben Tage in Utopia: Episode I

Da bin ich wieder. Ja, ich bin wehmütig. Habe ich Lust, mich wieder meinem eigentlichen, richtigen, routinierten Leben zu stellen, meinen Platz einzunehmen? Nein, natürlich nicht. Ich wär' viel lieber dort geblieben. Gut, das landwirtschaftliche Leben liegt mir nicht so; das frühe Aufstehen und der ganze eklige Scheiß. Sonderlich handwerklich begabt bin ich auch nicht - eher im Gegenteil: Ich bin sehr versiert darin, nichts zu können, wofür man Werkzeug verwendet. Eine Fachkraft im weitesten Sinne bin ich leider auch nicht; ich habe ja nicht 'mal irgendeine Ausbildung. Und die Sprache beherrsche ich, bis auf ein paar Floskeln und schmutzige Wörter, natürlich auch nicht. Ich denke, damit verfüge ich über alle nötigen Qualifikationen, um mich bei VOX zu melden. Der Süden Norwegens hätte keinen besonders großen Nutzen von mir. Umgekehrt hingegen schon.

Ich hüte mich vor Formulierungen wie "Isch hab' meine Batterien aufgeladen", "Endlich ma wieder Kraft getankt" oder anderem Quatsch aus den Mündern von Idioten. Aber natürlich war es erholsam und natürlich war es wunderbar, durch die zeitlosen Gefilde vergangener Sommer und Winter zu spazieren. Wenn Zuhause tatsächlich dort ist, wo das Herz ist, möchte ich mich festlegen, dass mein Herz nur schwer in Kiel zu finden ist.

Aber gehen wir chronologisch vor.