Sonntag, 25. November 2012

Der Wochenatlas II

Schon wieder merkwürdig geträumt: Es gibt Kulissen meines Lebens, die vielleicht längst nicht mehr existent sind - trotzdem begegnen sie mir immer wieder im Schlaf. Der alte Klassenraum in einer Schule, die längst abgerissen wurde, die Gartenlaube meiner Großeltern, die weiten, waldigen Landschaften von Lista oder der Wald um Warin, ein kleines Nest mitten in Mecklenburg, nahe meiner Heimatstadt. Hier bin nicht nur in erste Romanzen verwickelt gewesen, hier betrank ich mich auch zum ersten Mal, erlebte Abenteuer mit meinen Freunden, rauchte heimlich und baute Scheiße. Jahre sind vergangen und die Zeit ist ein Gauner. So vieles ist dort passiert. Ungefähr einmal im Jahr, wenn es meinem Vater und mir gelingt, gleichzeitig im Haus meiner Eltern zu sein, fahren wir raus in die Wälder und angeln - meistens dort. Es sieht aus wie in der Kulisse von "The Blair Witch Project" und man begegnet fast nie jemandem. Ich mochte es dort immer. 

Und wieder ist Sonntag. Wahlsonntag. Freue ich mich, dass morgen wieder eine neue Woche entbrennt. Die große erste Umfrage ist also Geschichte. In einer Welt, in der nur die IADST-Leser über die Regierung entscheiden würden, schafft die CDU knapp den Einzug ins Parlament, die FDP kassiert weniger Stimmen als die "Anderen" und Rot-Grün holen 61%. Steinbrück wäre Kanzler, Trittin wahrscheinlich Außenminister und der dicke Gabriel Minister für Inneres. Piraten und Linke säßen mit jeweils 13% wahrscheinlich in der Opposition. In dieser Welt wären aber auch nur 29 Menschen zur Wahl gegangen.

In dieser Woche soll es nicht um die große Bühne der Politik gehen, sondern um etwas viel Wichtigeres: Welches ist Euer Lieblings-Star-Wars-Teil? Na, schwere Entscheidung? Find' ich auch.

 

Erkenntnisse der Woche: 
  • Weezer ist doch eine coole Band. Zumindest waren sie es. Einige Songs sind jedenfalls schön, und wecken bei mir Erinnerungen an Autofahrten und meinen Disc-Man (Ja, mein Disc-Man), denn Weezer habe ich schon gehört, bevor jemals eine Zigarette ihren Weg in meinen Mund, oder mein Penis seinen Weg in den Mund eines Mädchens gefunden hatte. Lang, lang ist's her.
  • Meine Skepsis gegenüber Burschenschaften war offensichtlich nie unbegründet! Natürlich sind das völkische Schwärmer und Ultra-Nationalisten, die sich hinter einem Traditions-Begriff verstecken - und die Wärme der Gruppendynamik so furchtbar schätzen, wie die Trottel, die früher in die freiwillige Feuerwehr eingetreten sind, weil sie keine Freunde hatten. Dabei weiß doch jeder, dass in der freiwilligen Feuerwehr nur gesoffen und Dünnschiss geredet wird. Außerdem würde ich nie so einen peinlichen Hut tragen - nicht einmal aus einer Tradition heraus. Letzteres gilt sowohl für freiwillige Feuerwehren als auch für Burschenschaften.
  • Peter Ramsauer, unser heiliger Bundesminister für Verkehrssicherheit und Straßenmaut, ist Burschenschaftler, natürlich. Franco-Bavaria, diese Namen immer! Aber er ist ja auch Bayer und CSU-Politiker. Wisst Ihr, wer Mitglied derselben Burschenschaft war? Heinrich Himmler.
  • Die Geschichte der Eisenbahn ist eine Geschichte voller Belanglosigkeiten.
  • Ich habe gelernt, einen Brief nach mittelalterlicher Technik zu falten. Fantastisch, zum Glück hat man mich an die Uni geschickt.
  • Das Klima wird rauer: Europa scheint zu einer hohlen Phrase verkommen zu sein. Vorbei der Traum von den Vereinigten Staaten der alten Welt. Jahrhunderte national-egoistischer Gesinnung in Europa und ein gut gedeihendes, kollektives Misstrauen, gegenüber denen da oben, den bösen Bankern, Südeuropa (oder Nordeuropa, ist man Südeuropäer) und allen anderen, scheinen es den Spitzenpolitikern inzwischen unmöglich zu machen, zu einem Gipfel zu reisen, ohne im Vorfeld mit dem rechten Rand in den Köpfen der Menschen zu flirten, und zu betonen, wie unglaublich hart man für die eigenen, nationalen Interessen kämpfen werde - denn darum geht es den Leuten: Zu allererst sind sie Bürger ihres Landes, dann, irgendwo, ganz weit hinten, vielleicht, unter Umständen, eventuell, so etwas Ähnliches wie Europäer. Alles, jede vermeintliche Bemühung, wirkt so halbherzig, dass ihre Wirkung sofort verpufft. Geograpahie ist noch lange nicht Identität, das zeigt sich grausam. Das wird alles noch viel schlimmer. Der Stammtisch ist wieder salonfähig geworden, denn am Ende eines Tages liegt es in der Natur eines (Berufs-)Politikers, dass er wiedergewählt werden will. Prinzipien sind da wandelbar. Müssen sie sein. Vielleicht ist die Idee von Europa nie wirklich in den Köpfen seiner Bürger angekommen. Vielleicht ist es unmöglich, ein so solidarisches Staatenkonstrukt auf unserem, scheißalten, von Kriegen geformten Kontinent zu erschaffen. Fest steht jedoch, dass diese ganze Heuchelei verfickt nervig ist. Entweder ganz oder gar nicht.
  • Couscous (Kuskus) schmeckt wirklich gut - und wurde von mir zu Unrecht als "assiger Ethno-Reis" bezeichnet. Marokko hat ein gebranntes Kind aus mir gemacht - ich war mal einen Tag lang dort. Sorry, Couscous!
  • Endlich weiß ein Verlag meine Rezensionskompetenzen zu schätzen. Gestern brachte die Post ein Buch, für das ich zum ersten Mal in meinem Leben nichts bezahlen musste - nicht einmal den verfickten Versand. Warum schreibe ich nicht schon seit Ewigkeiten Buchrezensionen; ich hätte so viel Geld gespart.
  • Manchmal, bevor der Schlaf mich ereilt, habe ich das Gefühl, irgendwo falsch abgebogen zu sein.
  • Ich finde es noch immer mehr als bescheuert, Hunde in einer Großstadt zu halten.
  • Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich mir einen künstlichen Weihnachtsbaum kaufen sollte.
  • "Die einzige Sünde ist die Verschwendung deiner Möglichkeiten." ist ein guter Satz. Danke, William S. Burroughs! Verschwende ich meine Möglichkeiten? Ich denke schon; ich könnte viel mehr sein. Viel mehr. Daran sollte ich arbeiten.
  • Ich habe ein unglaubliches Talent dafür, die Wappen von Fußballclubs dem jeweiligen Verein zuzuordnen. Ein Freund hat so ein Spiel auf seinem iPhone. Ich bin der King in dem Spiel.
  • "OS" bedeutet Betriebssystem.
  • Würden Audrey Tautou und Natalie Portman mich zwingen, mich zwischen ihnen zu entscheiden, ich wüsste nicht, was ich täte. Sorry, Nattie!
  • Eigentlich hatte ich schon mit Kraftklub abgeschlossen. Ich fand das Album nicht scheiße - trotzdem muss ich es nicht ständig haben - nee, wirklich nicht. Doch dann hörte ich zufällig "Liebe". So weit, so belanglos. Ich mag den Song eigentlich nicht einmal, wegen der Melodie des Refrains, aber in der Zeit zwischen 2.11min und 2.45min ist das Lied großartig.
  • Ich bin alt: Zum ersten Mal in meinem Leben reiße ich mich nicht darum, ein neues Handy zu kaufen. Ich bin zufrieden mit meinem Smartphone, weil es eine Tastatur hat. Ich fürchte mich vor reinen Touchscreen-Smartphones (was für ein bescheuertes Wort)!
  • Gedichte sind überhaupt nicht so uncool, wie ich immer dachte.
  • Ich mag die Uni nicht.
  • Thomas Gottschalk ist tot.
  • Ich erinnere mich noch immer an das "Go West"-Video.
  • Ich finde es peinlich, wie alle den "Tatort" vergöttern - und gucke ihn aus Prinzip nie. Ist mir egal, ob ich etwas verpasse.
  • Manchmal bin ich wirklich nicht gerade charmant.
  • Gerade habe ich Sushi gegessen. Das ist vielleicht merkwürdig. Nein, das ist nicht cool!

Auf eine neue Woche! Ich muss morgen in meine Lieblingsstadt, Hamburg. Ich kann es kaum erwarten.

A.             

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