Donnerstag, 22. November 2012

Requiem

Ich bin seit fast drei Wochen wieder da. Langsam vergesse ich, wie es war, in Norwegen aufzuwachen, und sich über nichts Gedanken machen zu müssen. Ich bin gaschaffter als vor dem Schlafen. Zwei Bier, mehr habe ich gestern nicht getrunken, und trotzdem fühle ich mich, als wäre ich die ganze Nacht unterwegs gewesen: Meine Augen fallen ständig zu, meine Knochen tun weh - und ich habe scheußlich geträumt. Betrug, Verrat, Straßenbahnfahrten und eine weiße Katze, die mich verfolgt. Das Gefühl von beißender Eifersucht unter meiner Haut ist noch immer nicht gewichen. Ich hatte vergessen, wie sich das anfühlt, nach all den Jahren. Vergessen waren Nächte, völlig vernebelt von blindem Zorn auf alles, das meinem vermeintlichen Glück gefährlich werden konnte. Das war kein Glück, viel zu gläsern. Sich von der Furcht beherrschen zu lassen, ist nie gesund: "Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid" (Meister Yoda). Nur leider war ich nie ein Jedi.


Um ein wenig zu puzzeln:
  • Die Straßenbahn, von der die Rede war, sah exakt so aus, wie ich mir die Straßenbahnen in Zafón's "Der Schatten des Windes" vorgestellt habe. Noch bevor ich einschlief, habe ich gestern an das Buch gedacht und auch daran, was "Der Schatten des Windes" für ein grandioser Titel ist - und für ein grandioser Roman. Warum sind seine anderen Bücher so verfickt mittelmäßig?
  • Seit Wochen beobachte ich eine weiße Katze im Garten hinter dem Haus. Als es noch wärmer war, hat sie die beiden Eichhörnchen gejagt, die dort leben. Jetzt scheint sie die beiden zu vermissen. Sie sprintet allein immer wieder über die große Wiese unter der Kastanie - als jage sie Erinnerungen nach.
  • Was den Verrat, den Betrug und die Untreue betrifft, glaube ich, hat Folgendes meinen Geist in diese Richtung gestoßen: Gegen 0.00 Uhr, nachdem ich mich wirklich zu Genüge mit der Champions League befasst hatte, ging ich ins Badezimmer. Während ich mir die Zähne putzte und eine träge Version meiner selbst im Spiegel anglotzte, hörte ich wiederholtes Kichern und leichte Anfälle eines Stöhnens, begleitet von aufgekratztem, männlichen Geschleime (ich deutete es so - die Worte habe ich nicht verstanden) aus dem Badezimmer über meiner Wohnung. Am Vormittag hatte mein Mitbewohner mir schon berichtet, nachts "die triebigen Laute einer ekligen M.I.L.F. im Liebesspiel" gehört zu haben. Und ich bin mir sicher, dass er diese Mama nicht gern ficken würde. Über ihm ist das Schlafzimmer. Dass der dämliche, alte Wichser über uns jetzt also schon den zweiten Tag in Folge auf seiner Vorstellung einer Wolke Nr. 7 schwebt, bedeutet zweifellos, dass man sich extra freigenommen hat, für das schmutzige Abenteuer ü40. Vielleicht gibt es da bei der Bundeswehr sogar feste Tage für: Einmal im Monat ziehen Sie gefälligst los, um eine dumme, alte Schlampe flachzulegen, die vorzugsweise wie ein verschissener Andrea-Berg-Look-a-like aussieht, also herumläuft wie eine Nutte aus den 90'ern, pausenlos gackert, gerne mal "ein Cocktailchen schlürfen geht - mit den Mädels aus'm Büro" und der das Ticken ihrer biologischen Uhr ebenso viel bedeutet wie Kant's verfickte "Kritik der reinen Vernunft". Sir, jawohl, Sir! Scheiße, worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, dass er ihre beschissene Vorgängerin, die fette Frau (Gott habe sie selig) gerade erst geheiratet hatte, vor 'nem Jahr oder so. Ich bin ein aufmerksamer Beobachter von Türschildern. When two become one: Wenn aus zwei Namen einer wird. Und jetzt muss die fette Frau irgendwo anders ihre beschissene Proleten-Hitparade pumpen, während Leutnant Schwanzgesicht einen Monat nach ihrem Auszug verträumt mit der nächsten Verschwendung von Platz, Sauerstoff, Spenderorganen und Butter durch den Penny stolziert und sie anschließend in der Badewanne durchbügelt. Die müssen einen scheiß Whirlpool da oben haben, denn selbst für mich + wilde Gespielin ist es reichlich eng in der Badewanne. Und der Leutnant ist ein Fettsack - just as much as his babygirl. Ich neige heut' zum Abschweifen. Merkt man kaum. Woher kommt all das? Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass Madame Butter (just butter) einfach so in sein Leben gewabbert ist. Die gab es doch schon vorher! Und jetzt kann es endlich gebührend zelebriert werden - mit Sekt aus'm Penny, Fischstäbchen und allem Pi, Pa, fucking Po. These: Sackgesicht hat die fette Frau mit Andrea Berg betrogen - und tausendmal belogen.

HEGDL,

A.
      

Kommentare:

  1. Da Du (glaube ich) kein Eichhörnchen bist, solltest Du Dich im Traum nicht von einer weißen Katze verfolgen lassen. Aber vermutlich verfolgt sie Dich gar nicht in böser Absicht, sondern ist nur auf der Suche nach etwas Zuwendung.
    Die Sache mit der beißenden Eifersucht habe ich vielleicht nicht richtig verstanden. Existiert die gerade tatsächlich bei Dir oder ist sie ein Nachhall aus einem Traum? Und dafür ist die Tatsache verantwortlich, dass sich Dein Nachbar nach einem Jahr verheiratet sein entschieden hat, doch lieber eine andere Dame an seiner Seite haben zu wollen? Es ist doch nichts neues dass "für immer" nicht selten weitaus kürzer ausfällt.
    Außerdem frage ich mich, wieso Du sofort annimmst, er hätte seine Frau verlassen, nachdem er sich vorher um ein anderes warmes Bett gekümmert hat (was leider heutzutage auch viel zu sehr an der Tagesordnung ist). Möglicherweise hat er den Status des verheiratet seins auch dazu genutzt, jegliche Freundlichkeit seiner Gattin gegenüber einzustellen und sie als rechtmäßigen Besitz zu betrachten. Und vielleicht hat ihr das nicht gefallen und sie ist aus freien Stücken gegangen?
    Wie dem auch sei - ich hoffe Deinen Träume werden bessere und ungute Gefühle verflüchtigen sich...

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    1. Ich bin nicht wirklich eifersüchtig, das war nur ein Nachhall. Das war natürlich alles nur, was ich in die Umwelt hineingelesen habe. Alles Hypothesen, wenn auch realistische.

      Das letzte Einhorn war ein toller Film, oder?

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    2. Das letzte Einhorn? Ähm - wie meinen????

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    3. Missverständnis. Ich muss wieder mehr Lesen üben.

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