Donnerstag, 6. Dezember 2012

Das Shoppen in der Nähe der Opera

Und wieder, wie jedes Jahr, verbringe ich Massen von Zeit auf der Amazon-Seite. Was soll ich bloß allen schenken? Wenigstens bin ich inzwischen von der Strategie abgerückt, die Geschenke am 22. oder 23. Dezember zu kaufen. Jeder scheint bereits fast alles zu besitzen - der Rest ist völlig unerschwinglich für mich. Wenn mich jemand fragt, was ich mir denn wünsche, muss ich eigentlich auch immer passen. Irgendwie besitze ich fast alles - der Rest ist völlig unerschwinglich für die, die mir am nächsten sind. Klug wäre es, sich einfach nichts mehr zu schenken, aber das bringe ich nicht über mein steinernes Herz, schließlich würde es den Geist von Weihnachten kastrieren. Ja, für mich bedeutet Weihnachten: "Christmas with the Rat Pack", osteuropäische Märchenverfilmungen, Judy Garland in "Der Zauberer von Oz", super-kapitalistische, blutrote Kommerzweihnachtsmänner, Marzipan, Entenbraten, die Weihnachtsdekoration im Haus meiner Eltern, Plätzchen, stundenlanges Lesen in überheizten Wohnzimmern, in heißen Kakao getunkte Erinnerungen  - und Geschenke, verdammt!

Doch die Einkaufszentren sind so schrecklich übervölkert um diese Zeit des Jahres. Ich wär' außerdem viel lieber im betörend glänzenden Palast des Konsums gegenüber der Oper von Paris - als in irgendeinem Scheißmarkt, hier im Gewerbegebiet. Galeries Lafayette, das Stammhaus am Boulevard Haussmann ist ein prunkvoller Jugendstilpalast, ein Kaufhaus der alten Garde.

In Berlin gibt es auch eine Filiale - doch die ist garantiert nicht so schön. Und nichts bringt mich nach Berlin - wenn ich nicht wirklich unbedingt muss. Ich werde nicht müde, zu betonen, wie beschissen ich Berlin finde. Ja, das versteht kaum jemand; das ist so ein Sektending. Oder so wie Nimmerland - nur, dass es nicht cool ist. Die Leute ziehen dort hin und vergessen, dass es den Rest der Welt gibt - und sie glauben, es sei dort schön! Und dieser Dialekt (den die Meisten, glaube ich, extra lernen, um so zu tun, als hätten sie schon immer so bescheuert gesprochen)!  Berliner Schnauze, wa? Ja, szenig und lebendig, modern und praktisch. Ekelhaft. Am meisten nervt mich aber, dass man Freunde verliert durch diese dämliche Scheiß-Stadt. Ein großer Magnet, der jedem etwas nimmt. Die Leute vergessen, wenn sie da sind: "Hier, in meinem Kiez hab' ich ja alles, ne?" Richtig, nur keine Vergangenheit - und die Scheiß-Tram fährt nicht bis in die Heimat, oder? Aber das ist es sicher wert. Nein, ich will nicht nach Berlin. Lasst Euch doch alle den beschissenen Fernsehturm tätowieren, in Eurer GZSZ-Kulisse. Dickes B, ey. Mario Barth, Hertha BSC, Die Ärzte, Tim Bendzko, Familie Kalkbrenner, Sophia Thomalla - alle nervig, alle aus Berlin. Diese ganze ekelhafte Selbstbeweihräucherung und krankhafte Identifikation mit einem Haufen Steine! Trier ist sicher auch 'ne schöne Stadt - die gehen einem jedoch nicht so auf die Eier. Aber da geht ja auch nicht so viel, wa? Oder Nürnberg! Nerven die Nürnberger oder die Lübecker jeden so? Nein! Nein! Nein! Oder die Dortmunder? Die Düsseldorfer? Nein. Die Kölner? Ja, doch, nicht so sehr, aber die tanzen auf jeden Fall auf der Grenze - Karneval und Mundart verursachen Gänsehaut. Die Hamburger? Hm, geht in eine ähnliche Richtung. Aber keiner und nichts ist so schlimm wie Berlin. Nein, nicht einmal München - und das liegt in Bayern! Habe ich erwähnt, dass ich Freunde an Berlin verloren habe? Das verletzt mich überhaupt nicht - und auch einen Scheiß mit meiner Wut auf Berlin zu tun!


Okay, zurück nach Paris. Sicher, man kann sich irgendwie nichts leisten, weil man für die Historie einen Zuschlag zu zahlen scheint. Beim letzten Mal habe ich eine Keksdose gekauft. Eine Keksdose. Ja, und Schlangen von wohlhabenden, asiatischen Touristen stehen sich vor den Kassen der Gucci- und Burberry-Bereiche ihre Füße platt. Doch es gibt auch Abteilungen, in denen sich diejenigen etwas kaufen können, die mit dem Zug vom Flughafen Charles-de-Gaulle in die Stadt fahren mussten. Gott, ich hasse Züge.
Zur Weihnachtszeit ragt ein riesiger Christbaum der gigantischen Glaskuppel entgegen. Es ist doch wesentlich romantischer, hier sein Geld für irgendwelchen Plunder rauszuhauen als im verfickten Internet. Außerdem erinnert es mich ein bisschen an den Spielzeugladen aus "Kevin - Allein in New York". Gott, der Film ist zwanzig Jahre her. Die Zeit ist ein Gauner, was?

Da ich schon so ziemlich jedem "Der Schatten des Windes" aufgedrückt habe, muss ich langsam kreativ werden. Was schenkt Ihr Euren Liebsten - oder zumindest: den Leuten, denen ihr etwas schenkt? Bitte sagt nicht: "Etwas Selbstgebasteltes".

Gott segne uns, Gott segne uns alle!

A.      

Kommentare:

  1. ich bin von selbstgemachtem weg,weil ich keinen mehr kenne,der sowas schätzt.außer bücher (unter denen auch der schatten des windes is) gibts pullover und ne thermoskanne.ansonsten kann ich den geschenkefinder bei dawanda empfehlen.

    und:ich finde es für alle genannten städte extrem beleidigend mit düsseldorf gleichgesetzt zu werden.düsseldorf is mit abstand die beschissenste stadt,in der ich in meinem ganzen leben war.und hey,ich wohne in berlin,das muss was heißen,oder?

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  2. Dieses Geschenke wird überbewertet. Man schenkt um beschenkt zu werden und verliert irgendwie den Sinn. Die Geschenke werden immer größer und protziger. Wer braucht den ganzen Mist? Ich nicht! Ich finde es total super, wenn man sich Gedanken macht. Ich finde Geschenke gut, die mich aus dem verdammten Altagstrott herausreißen. Theaterbesuch, spontane Touren in unbekannte Städte oder n Gutschein für eine Unterrichtsstunde von was auch immer :-) Leider ist meine Familie sehr unkreativ :-( also wird wie jedes Jahr Geld verschenkt. Mein Freund bekommt Konzertkarten...natürlich 2 damit er mich auch mitnimmt! Buchgeschenke kommen leider nicht bei jedem gut an.
    Berlin ...ist mir eigentlich total egal. Ich würde dort nie wohnen wollen. Bin ein Provinzkind.
    LG

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