Donnerstag, 20. Dezember 2012

Vertigo

Und hier sehen wir uns wieder: am Wendepunkt der Gezeiten. Was meint ihr, wie bescheuert all die Wichser gucken, wenn morgen tatsächlich die Welt untergehen sollte? Dann hatten all die Trottel mit ihrem pseudo-wissenschaftlichen Verschwörungstheorien-Wichs aus dem Internet die Wahrheit gesagt: Die Illuminaten sacken noch fix die Bilderberg-Gruppe ein, alle Fische verlassen die Erde, die Pyramiden öffnen sich (überall auf der Welt, überall), und Echnaton reitet, mit der Leiche von Paul McCartney auf dem Schoß, an der Seite von Rasputin, dem Mothman, Dick Cheney und allen ehemaligen Skull-&-Bones-Mitgliedern nach Rosswell, wie es Päpstin Johanna, Nostradmus, die Protokolle der Weisen von Zion und die Tempelritter einst prophezeiten. Und dann hebt ein Raumschiff ab (zum ersten Mal mit Menschen an Bord). Und wir gucken blöd und ungläubig in den Himmel mit all unserem verwesenden Spott, während Cobain und L. Ron Hubbard aus den Trümmern von Ground Zero auferstehen, um, mithilfe der Salafisten und der N.R.A. alle Menschen einfach aufzufressen. Eigentlich hätten wir alle doch nur 11 und 12 zusammenzählen müssen!  

Ich bin wieder da. Alles wird langsam wieder klarer. Der Boden hat außerdem aufgehört, zu schwanken. So umgehauen war ich, glaube ich, selten zuvor. Die letzten zwei Wochen gehen somit also auch in meine persönliche Krankheiten-Hiliste ein:
  1. Die große Virusinfektion in Ohr und Rachen, 2002
  2. Morbus Osgood-Schlatter (oder: "Rugby Knee"): dreimonatiger Totalausfall mit Vollgips in Neongrün, 1998
  3. Der absolut ungeklärte Schwindel-Knockout, 2012 (Neueinsteiger)
Gott, bin ich froh, dass alles wieder läuft. Da ein extremer Ausraster von mir das Ganze bewirkt zu haben scheint, muss ich mich wohl tatsächlich ein wenig zusammenreißen. Aber im Ernst: Ich kann die Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern wirklich nicht leiden! Ich bin weder Dortmund noch Wolfsburgfan, doch habe ich mich trotzdem so sehr aufgeregt, dass es für alle um mich herum - und auch für mich selbst - überaus beängstigend wurde. Überhaupt lässt mich totaler Kleinscheiß so sehr aus der Haut fahren: die Ticketpreise von Chris de Burgh (ich wollte da nicht hin; ich fand nur absurd, wie beschissen teuer die Karten sind), das Fernsehprogramm, Hansi Hinterseer (wirklich: er ist das Symbol für Falschheit, dieser dämliche Wichser), österreichischer Akzent, "Von daher" (im Ernst: Es ist eine sprachliche Epidemie), Apple, überflüssig und inflationär gebrauchte QR-Codes oder der peinliche Zirkus um Pyrotechnik in den Fußballstadien - mit all seinen Beteiligten.

Es ist ein Fluch, aber ich muss einfach gelassener werden. Deswegen habe ich mich heute Nacht auch nicht aufgeregt, als der Marine-Idiot über uns eine Frau auf dem Boden gevögelt hat, die offensichtlich eine Nutte war; ihr Stöhnen klang wie Anfang 20, aufgesetzt und professionell (mehr so, als hätte er einen Porno gefickt). Also sehe entweder nur ich in ihm einen armseligen, cholerischen Fettsack in den späten Vierzigern, und er ist in Wirklichkeit ein ziemlicher Player, oder man hat sich vom Bundeswehr-Weihnachtsgeld eine anständige Hure gegönnt. Wie dem auch sei; ich bin nicht grün geworden, und zeriss auch nicht mein Shirt, sondern schlief mit einem seligen Lächeln in einer wundervollen Welt ein.

Hulk ist tot! Lang lebe:

A.       

1 Kommentar:

  1. Du bist nicht, was du zu sein glaubst.
    Du bist, was du glaubst.

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