Freitag, 25. Januar 2013

Der Himmel über Kiel

Der Winter stinkt. Es geht mir furchtbar auf die Eier, dass es nie richtig hell wird! Sicher, Kiel verwöhnt einen das ganze Jahr über eigentlich nicht mit gutem Wetter, aber das ist doch jetzt alles ein verfickter Witz hier. Winter, ey, und das im Januar! Alles hier sieht aus, als hätte ich meine beschissene grüne Brille verloren; jetzt hat die Smaragdstadt ihren Glanz eingebüßt und ist verblasst. Aber ich lass' mich doch nicht davon runterziehen, dass der graue Himmel meine Augen vergewaltigt.  

Die grüne Brille war übrigens keine flache Marihuana-Anspielung! Erstens sind Samy Deluxe und Eißfeldt aka Jan Delay inzwischen peinliche, alte Männer (manche Dinge funktionieren nur in ihrer Zeit - ich nenne dies das "Fred-Durst-Phänomen") und zweitens habe ich nach meinem letzten Joint fast vier Stunden auf dem von Katzenstreu gesäumten Badezimmerboden eines Kumpels gelegen und gekotzt - und wurde anschließend von ihm in die Dusche geschleppt, wo ich dann zwanzig Minuten, zusammengekauert wie das Opfer einer Vergewaltigung im Film, auf dem Boden hockte und in den Abfluss starrte, während ich mich von meinem letzten Bisschen Rock'n'Roll verabschiedete. Die ganze Zeit drangen dabei die Geräusche meines Freundes in mein Ohr, der, während ich über das Absterben meiner Jugend nachsann, im Wohnzimmer saß, bekifft Bass spielte und dabei Spongebob guckte. Unangenehme Sache. Einen ähnlichen Absturz hatte ich nur einmal im Vorgarten eines Dealers, dem ich die gesamte Blumenrabatte vollkotzte und anschließend seine Katze dafür verantwortlich machte. Ich weiß bis heute nicht, ob er mir geglaubt hat. Ich hätte mir geglaubt. Wahre Geschichte. Und jetzt bin ich Straight Edge, mit Ausnahme von Kippen und Alkohol. Ja, ich rauche noch immer. Werft nur Steine, wenn Ihr frei von Sünden seid!


Kurzzeitig wollte ich den/das/le Blog einstampfen, einfach aufhören und es sein lassen, wisst Ihr? Doch jetzt, wo ich schreibe, macht es auf einmal wieder Spaß. Ich bin nur einfach ein verflucht fauler Bastard, und da ich mich in den letzten Wochen vielen meiner anderen, extrem erfolgsversprechenden, Großprojekten (grandioser Debut-Roman, Musikkarriere, Uni) gewidmet hatte, blieb nicht mehr viel Aufmerksamkeit für IADST übrig - schließlich musste ich auch noch Playstation spielen und das Dschungelcamp gucken. Hat er wirklich gesagt "das Dschungelcamp gucken"? He did. Trash, der nicht vorgibt etwas anderes außer Trash zu sein, ist nicht nur ehrlich, sondern mir auch tausendmal lieber als irgendeine deutsche Produktion, die nicht mitbekommt, wie peinlich sie ist - oder der verfickte "Tatort" oder der sonstige Schwachsinn. Außerdem mag ich es, eingebildeten Neurotikern dabei zuzusehen, wie ihre Karrieren welken - weil ich ein missgönnerisches Scheusal bin. Aber wer ist das nicht? Sich darüber zu echauffieren und zu erheben, ist peinlich.

Okay, offenbar interessiert es mich doch nicht so sehr. Schließlich schreibe ich gerade, statt es zu sehen. Ich habe wieder ein paar Freunde eingebüßt: Das ist mein Ding; ich bin gut darin! Die bezaubernde Offenheit, mit der ich die Leute bedenke, die mir nahe stehen, wird nicht immer positiv ausgelegt. Und ich dachte immer, dass in wirklichen Freundschaften kein Platz für Heuchelei sei. Und wisst Ihr was? Ich bleib einfach dabei! Ich will nicht Bundespräsident in einem Land sein, in dem man seinen Freunden nicht mehr sagen kann, wenn sie Scheiße reden oder sich wie verfickte Idioten aufführen. Ich erwarte doch dasselbe von meinen Freunden. Und trotzdem zieht es mich runter. Veränderungen sind immer schlecht. Keine Widerrede. Veränderungen sind immer schlecht und schmerzhaft und scheiße und nervenaufreibend. Ich wollte nie jemanden verlieren, im Gegenteil, sonst hätte ich mich schließlich nicht aufgeregt. Also wenn Ihr das hier zufällig lest und Euch angesprochen fühlt, dann fickt Euch, verdammt nochmal! Ihr habt mich verraten und nicht erkannt, worum es ging. Und das verletzt mich. Ich bin sicher nicht einfach, aber Ihr seid es! Und jetzt Schluss mit der peinlichen Show. Ich bin nicht Bruce Wayne, sondern Batman, verfickte Kacke. Und ich gehe mir selbst auf den Sack. Aber daran gewöhnt man sich.

Einzig der schwindende Schnee erhellt die Nacht ein wenig. Kein Mond und keine Sterne. Das Geschrei irgendwelcher Besoffener schallt durch trübe Dunkelheit. Die Kälte dringt unter die Hose meines Pyjamas. Ich drücke jetzt meine Kippe aus und geh' ins Bett.

Ich bleib' nicht lang weg diesmal, versprochen.



A.

1 Kommentar:

  1. Wenn irgendwann mein Laptop wieder da ist werde ich hierzu noch einen Kommentar abgeben. Via Handy ist mir das ein bisschen zu aufwändig...
    Aber eins noch - stampf bloß den Blog nicht ein!!!

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