Samstag, 27. April 2013

Das fehlende Stück


St. Peter-Ording hat zwei Leuchttürme, doch auf der großen Odyssee, fanden wir ihn nicht. Er blieb der einzige unauffindbare Turm. Doch das ist nun vorbei. Dies ist das fehlende Stück der Leuchtturmtagebücher.

Ein schönes Wochenende!

A.

Donnerstag, 25. April 2013

Morgendämmerung

Das Auto hält vor dem alten, grau-verputzten Gebäude, das ich in meiner Kindheit immer für die Überreste einer Burg gehalten hatte. Ob es wirklich alt ist, weiß ich gar nicht genau. Eher nicht. Aber es war vor mir hier. Mein Opa zeigte immer darauf und sagte dann, dass diese Kerben am Dach "Schießscharten" seien und dass dort die Stasi sitzen würde. "Schießscharten". Immer wieder sagte ich dieses Wort im Geiste. Mit der Stasi konnte ich nichts anfangen, aber sie musste etwas Schlechtes sein, so viel stand fest. Sonst hätte mein Opa es nicht in diesem Ton gesagt. Nach der Wende bezog die örtliche Polizei das Gebäude. Oder war sie schon vorher da? Den Produzenten einer ZDF-Serie, die in unserer Stadt spielt, war das Revier jedenfalls zu hässlich, weswegen sie sich einfach ein neues ausdachten, irgendwo in einem Berliner Filmstudio. Als Außenkulisse verwenden sie eine Musikschule in der Altstadt. Das fand' ich immer total bescheuert, aber wen kümmerte das schon? Im Fernsehen funktioniert so etwas. Ich war noch nie hier. Ich war nervös.

     "Erzähl' da keinen Scheiß. Du hast doch Nichts zu verbergen, das weißt du, oder? Reiß' dich zusammen!", sagt mein Vater, kurz bevor ich aus dem Wagen steige. Ich nicke wortlos, knall' die Tür hinter mir zu und zünde mir mit zittrigen Händen eine Zigarette an. Ich blicke zurück und sehe, wie mein Vater meine Bewegungen imitiert und mir anschließend einen Vogel zeigt. Dann fährt das Auto davon und verschwindet im Verkehr.

Halb-geraucht werfe ich die Kippe auf den Bürgersteig und komme mir dabei bereits vor, als würde ich eine Straftat begehen. Und das unter den Augen des Gesetzes. Ich muss mich gegen die schwere, riesige Tür stemmen, um sie überhaupt zu bewegen. Niemand zu sehen. Ich entdecke so etwas wie einen Wartebereich, an dessen Ende eine Art Durchreiche ist. Wie in Irrenanstalten in amerikanischen Filmen. Als ob ich dort meine Medikamente bekommen würde. Sagt man noch Irrenanstalt? Ich denke nicht. 

Donnerstag, 18. April 2013

Queen of the City

Seit ich ihn kenne, lässt mich dieser Song nicht mehr los. Joshua James hat mich damit direkt ins Herz getroffen. Schöne Nummer.


"Queen of the City" by Joshua James from Look Sessions on Vimeo.

Ich dachte, es geht Euch vielleicht genauso.

A.

Mittwoch, 17. April 2013

Aus den Erinnerungen des Katzenfürsten

Dreck. Ich schmecke Dreck in meinem Mund. Obwohl mir völlig unklar ist, woher ich das so genau wissen kann, bin ich absolut sicher. Es ist still um mich herum: Wind weht, ein paar Vögel singen, aber sonst ist Stille. Ich drehe mich auf den Rücken und spüre dabei, dass ich nicht in einem Bett liege. Ein stechender Schmerz zieht von meinem Nacken durch meine Schläfen wie ein Gift, das durch meine Venen direkt in mein Hirn pumpt. Vorsichtig öffne ich meine Augen. Grelles Sonnenlicht lässt meine Ohren kurz aufschrillen und verschlimmert für wenige Sekunden den Schmerz in meinem Kopf. Wo bin ich? Ich richte mich ein Stück auf, um den Sand neben mich auf den Boden zu spucken, sinke jedoch sogleich wieder zusammen. Ich bin auf einem Feld. Niemand ist bei mir. Ich lache mit meinem dreckigsten Lächeln die weiße Sonne an. Sie lacht zurück.

Es fühlt sich an, als würde ich meine Gliedmaßen zum ersten Mal benutzen. Die Erdanziehung reißt an mir, doch ich stehe. Etwa einhundert Meter neben mir liegt das bewachsene Ufer eines Sees, in dem sich die Sonnenstrahlen spiegeln. Sonst sehe ich nur Feld, das erst am Horizont von vereinzelten Waldstücken und kleinen Häusern abgelöst wird. Der Boden zu meinen Füßen ist zertrampelt und aufgewühlt. Als ich im Dreck meinen Schlafsack entdecke, treffen mich Gedankenfetzen wie Faustschläge. Aus meiner Erinnerung schallen die besoffenen Stimmen der Anderen zu mir. Kurze Episoden kehren zurück und werfen mich fast von meinen wackeligen Beinen. 

Donnerstag, 11. April 2013

Auf derselben Seite der Straße

video

"Gespenster sind nur dort, wo wir sie glauben." 
"Gespenster sind nur dort, wo wir sie glauben."
"Gespenster sind nur dort, wo wir sie glauben."

Ein schöner Satz. Mascha Kaléko: "Sei still...", in: "In meinen Träumen läutet es Sturm". Eine Freundin hat mir das Buch geschenkt. Und obwohl ich kein sonderlich großer Fan von Gedichten bin, gefällt es mir. Die Wochen rasen an mir vorbei; das Semester hat begonnen, ich weiß auf Anhieb nicht einmal genau, das wievielte. Ist ja auch egal. Meine Hände zittern beunruhigend stark, mein Kopf auch, eigentlich alles. 

Und die Worte sind mir auch nicht so gewogen wie sonst, aber ich habe mir vor 'ner Woche eine Ukulele gekauft, um all die dunklen Wolken zu verscheuchen. Bis jetzt klappt es ganz gut. Check out this awesome song that I wrote today. Alles, was ich gerade sagen will, findet sich in diesem sehr professionellen Musikvideo wieder, das ab morgen auch auf Viva läuft.

Ruft für mich an.

Ich melde mich,
A.