Donnerstag, 10. Oktober 2013

Die Tür

Es klingelt zweimal. Schrill hallt es in meinen Ohren nach. Neben mir rührt sich nichts und alles ist dunkel. Ich werfe die Bettdecke zur Seite und laufe barfuß in den Flur. Meine Schritte klingen wie Ohrfeigen auf dem Parkett. Ich reiße die Tür zum Zimmer meines Mitbewohners auf und schreie ihn an: "Was hast du für dämliche Freunde, die hier mitten in der Nacht klingeln?". Er beteuert seine Unschuld, woraufhin ich, ohne es wirklich stoppen zu können, damit beginne, seine Einrichtung zu demolieren. Ich werfe den Schrank um, packe ein Regal und kippe seinen Inhalt auf den Fußboden. Ich knalle seine Tür wieder zu und gehe mit leisen Schritten durch den dunklen Flur. Unter der Wohnungstür schimmert Licht aus dem Treppenhaus auf den finsteren Boden. Krümel von Sand, der an Straßenschuhen hereingetragen wurde, kleben an meinen nackten Füßen. "Wer ist da?", frage ich, ohne die Tür zum Hausflur zu öffnen. Ich meine, ein Atmen und Schritte zu hören. Die Geräusche bewegen sich weg, also nehme ich meinen Mut zusammen, lege meine Hand auf den Knauf und öffne vorsichtig die Wohnungstür. Schritte hallen plötzlich schnell auf der Treppe. Jemand läuft auf mich zu. Ein Schritt zurück und dann wird die Tür von außen aufgerissen.

"Alles in Ordnung, Alex?", fragt eine vertraute Stimme. Ich öffne die Augen und sehe nur ihr blondes Haar. "Hattest du wieder einen Albtraum? Du hast geschrien im Schlaf, das war ziemlich gruselig", sagt sie und streichelt mein Gesicht. Ein gedämpfter und tiefer Schrei steckt noch immer in meiner Kehle, wie etwas Fremdes, das nicht mir gehört. "Ja, alles okay, war nur ein Traum", antworte ich, als die Überraschung über all das hier aus meinen Augen gewichen ist. Es ist noch dunkel draußen, 5:16 Uhr. "Du bist schon auf?", frage ich. "Naja, ich muss zur Arbeit", antwortet sie mit einem Anflug lächelnden Unverständnisses in der Stimme. Ich schiebe die Bettdecke zur Seite und laufe barfuß in den Flur. Meine Schritte machen kaum einen Laut auf dem Parkett. Kein Licht fällt unter der Wohnungstür hindurch. Die Badezimmertür knarrt hinter mir und irgendwo im Haus pinkelt noch jemand. Man ist nie allein in Mietwohnungen. Ich wasche kalt mein Gesicht und lege mich wieder ins Bett. "Versuch', zu schlafen, versuch', besser zu schlafen", sagt sie.

A.

  

KOPECKY FAMILY BAND "HOPE" OFFICIAL MUSIC VIDEO from AK Hottman on Vimeo.

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