Mittwoch, 23. Oktober 2013

Mein Zuhause ist ihr Schloss

Mir ist kalt, schrecklich kalt. Mit einer Frau zusammenzuleben bringt viele Vorteile mit sich. Natürlich, man hat öfters Sex, die Wohnung ist sauber, das Essen ist besser und es riecht gut überall - auch man selbst. Zumindest meistens. Ich mag es, dass jahreszeitenbedingt dekoriert wird, dass es auch warm in Zimmern ist, in denen man sich gerade nicht aufhält, dass jemand neben einem liegt, auf der anderen Seite des Bettes. Ich mag es, dass ich das Klo nicht mehr putzen muss (dafür bringe ich ganz oft den Müll runter, Frau Schwarzer!), dass Pflanzen überleben und ich mag den Geruch von Kaffee, den jemand in der Küche kocht, gemeinsames Frühstück, dass der Kühlschrank wie der einer Familie aussieht. Man kommt sich gleich viel männlicher vor, wenn jemand sieht, wie man einen Nagel in die Wand haut, ein Loch bohrt oder die Senderliste des Fernsehers programmiert.

Sicher, ab und an gibt es auch Streit: Auf einmal sind Star-Wars-Poster nicht mehr cool oder ein T-Rex auf dem Schreibtisch unpassend oder Gitarrenkoffer gehören nicht ins Wohnzimmer oder ich habe zu viele Bücher oder weiße Wände sind ja so langweilig oder "Warum darf ich nicht im selben Raum sein, wenn du Playstation spielst?" oder meine Sachen stinken nach Rauch. Aber das gehört alles dazu, wie ein routiniertes Spiel. Ich bin ein verlorener Junge; ich werde immer Schwachsinn und Bücher kaufen oder blöde Ideen und Träume haben. Ich denke, sie mag genau das an mir. Ich will einen Weihnachtsbaum. Einen echten. Ich freue mich auf Weihnachten. Nur Frauen schaffen es, dass aus einer Wohnung ein Zuhause wird.

Doch nach spätestens zwei Jahren hat man keine Ahnung mehr, wo irgendetwas ist. Ich weiß nicht einmal, wo meine eigenen Unterlagen sind. Rechnungen, Kontoauszüge, Versicherungskram, keine Ahnung. Es ist, als hätte ich Verantwortung abgegeben und wäre in einem großen 25°C-warmen 50'er-Jahre-Traum aufgegangen - mit allen Annehmlichkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung des 21. Jahrhunderts. Ich bin auf der Suche nach dicken Socken - doch alles, was ich finde, sind blau-weiß gestreifte Ringelsöckchen aus Plüsch oder so. Kombiniert mit meiner weiß-grau-karierten Pyjama-Hose sehe ich jetzt aus wie Beetlejuice. Die Älteren werden sich erinnern.


Als ich heute in der Küche stand und darauf wartete, dass das Wasser zu kochen beginnt, ist mir zum ersten Mal das unglaublich schöne Bild aufgefallen, das diesen Monat auf dem Kalender in der Küche zu sehen ist: Eine Villa im Schweizer Stil, gelegen am Hang des Sognefjord. Das sagt die Beschreibung. Ich war vor einigen Jahren mal am Sognefjord. Ich weiß nicht mehr, ob es mir gefallen hat. In diesem Haus würde ich gern leben. Mit Blick aufs Wasser. Für immer.

A.

Kommentare:

  1. Seit ich "Ich will einen Weihnachtsbaum. Einen echten. Ich freue mich auf Weihnachten." gelesen habe weiß ich, dass ich meine Augenbraunen bis an den Hinterkopf hochziehen kann.
    Aber ansonsten freut es mich, dass Du Dich in eurer Zweisamkeit so wohl fühlst. Ein bisschen Neid ist vielleicht auch dabei, bin ich doch ein Mensch, der einen anderen dauerhaft in seinen vier Wänden nur schwerlich ertragen kann...

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    1. Dachtest du etwa, ich würde Weihnachten nicht mögen? Merry Lexmas und so. Und das mit dem Zusammenleben in vier Wänden ist reine Gewöhnungssache!

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    2. Ja, irgendwie dachte ich, Weihnachten wäre Dir zu kitschig, nervig, materiell.

      Ich habe bereits vier Mal versucht, mich daran zu gewöhnen. Ich glaube, ich bin da gewöhnungsresistent!

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    3. Ich weiß auch nicht, was es ist, dass mich an Weihnachten und allem drum rum so begeistert, aber ich würde lügen, würde ich sagen, dass es mir nicht gefällt; die Musik, das Essen, die Stimmung. Entscheidend ist aber natürlich, was man daraus macht. Es kann auch weniger kitschig und materiell ablaufen, gibt man sich Mühe.

      Ach, gib mal die Hoffnung nicht auf! Man findet doch, wenn man aufhört zu suchen, nicht?

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    4. Ich verabscheue Weihnachten. Die Musik, das Essen, die Stimmung. Deshalb habe ich Weihnachten aus meinem Leben gestrichen.

      Ich suche nicht. Ich bin meistens zufrieden so, wie es ist.

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  2. Echt ein wunderschöner Blog, besuch doch auch mal unseren: http://technik-highlights.blogspot.de/

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  3. Deine Freundin beschwert sich darüber, dass Du Bücher kaufst??? Im Ernst? o.O

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    1. Naja, ich kaufe schon ein wenig viele. Bekomme außerdem oft welche geschenkt. Und die Wohnung ist nicht unendlich. Dich würde das nicht stören?

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