Samstag, 26. Oktober 2013

Wellen

Die Luft riecht nach Herbst; nach Nässe, Wind und gelben Blättern, die im Dreck auf dem Boden zertreten werden. Ich höre, dass draußen, im Dunkeln, der Regen einsetzt. Es ist warm, so warm, dass ich die Balkontüren weit offen lassen muss über Nacht. Im Fernsehen laufen alte Bilder von den Flutwellen, die über Japan hinwegfegen. Ein erneutes Erdbeben vor Fukushima scheint ein Segen für die Programmchefs zu sein. Als hätten sie nur darauf gewartet, senden sie die alten Dokus, als hätten wir alle so etwas Schlimmes noch niemals gesehen. Doch auf irgendeine Art ist es beruhigend, den Wellen dabei zuzusehen, wie sie genährt von Schmutz, Wasser und Kraft über das Land walzen und alles mit sich reißen; Häuser, Autos und Boote, als würden sie alle Anzeichen unserer Zivilisation hinweg spülen wollen. Eine einzige große Rache an uns allen, eine Sintflut. Und am Ende bleibt nichts außer endlosem Müll und Dreck. 5000 Jahre Kultur und Technik und am Ende bleibt Schrott, Schlamm und Chaos. Das alles hat so etwas Ohnmächtiges und Gewaltiges, dass es schon fast wieder schön ist, wären da nicht die vielen schrecklichen Schicksale, die einer solchen Katastrophe natürlich und zurecht jede Ästhetik nehmen. Nachdem das Wasser verschwunden ist, wird ein alter Mann gezeigt, der auf einem Berg von Müll steht und laut und verzweifelt nach seinen Kindern ruft. Doch alles, was zur Antwort schallt, sind die Rufe anderer, auf der Suche nach ihren Angehörigen.

A.

1 Kommentar:

  1. Interessiert dich wohl, meine About-Seite?;)
    Kommt schon noch. Keine Sorge. Und: schöner Text. Erinnert mich auch an was...

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