Montag, 4. November 2013

Nicht-Lesetipp

Hey, ich habe gedacht, es wäre doch mal wieder Zeit, dass auch hier eine Rezension zu finden ist. Also! Falls Ihr Interesse an mehr haben solltet, besucht: Buchpiraten!

Genre: Roman, Erotik
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Heyne 
Erscheinungsdatum: 23. September 2013
ISBN: 978-3-453-26886-9
 
Ich will gar nicht lang um den oft zitierten heißen Brei herumreden. Eigentlich sollte man Sasha Grey dankbar sein, denn mit "Die Juliette Society" ist der ehemaligen Porno-Actrice ein Denkmal, nein, was sag ich, ein Mahnmal gelungen, erinnert es uns doch schmerzhaft an vieles, das Literatur nicht sein sollte. Jetzt immer nur auf der Vergangenheit Marina Hantzis, so Greys bürgerlicher Name, herumzureiten, mag unfair erscheinen, aber es entspricht doch schließlich genau dem Kalkül, welches sich die Autorin, ihr Management und ihre Verleger selbst zu eigen machen, denn ohne die Pornovergangenheit Sasha Greys hätte diese Sammlung an Papierverschwendung vermutlich nicht einmal einen Platz in der Kummer gewohnten Erotikliteraturlandschaft gefunden.

Sasha Grey mag, gemessen an den meisten ihrer ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, sicherlich etwas Besonderes sein, interessiert sie sich doch so herzzerreißend für Filmgeschichte, beschäftigt sich mit Philosophie, liest fast ununterbrochen und vergöttert avantgardistische Musik vergangener Jahrzehnte. Der Kunst, der Kunst, ja der Kunst habe sich dieser gebildete Sonderling im Körper eines scharfen Dirty-Girls verschrieben. Und auch ich habe ihr geglaubt, als der Rolling Stone vor ein paar Jahren Sasha Grey mit einem Interview und einer Feature-Story mit einem weltweiten Publikum bekannt zu machen versuchte.

Und so ist es im Lebenslauf der äußerst ambitionierten Grey nur natürlich, dass nach der Pornokarriere und dem ersten Foto-Buch "Neü Sex" nun mit "Die Juliette Society" auch endlich ein Roman aus ihrer Feder erschienen ist. Ich will ehrlich sein, ich war gespannt! Sofort, nachdem ich davon gehört habe, drängte ich mich bei den Damen und Herren der Random-House-Abteilung "Heyne Hardcore" auf, um ein Rezensionsexemplar zu ergattern - und dank des ganzen PR-Zirkus, ausgelöst durch das Erscheinen Sasha Greys auf der diesjährigen Buchmesse, stand es um die Kapazitäten wohl so günstig, dass mir innerhalb weniger Tage eines zugesandt wurde.

Doch leider wird bereits nach zwei gelesenen Seiten eines bittere Gewissheit: Ein Image kann kein Buch schreiben, denn nur ein richtiger Mensch mit all seinen Facetten ist hierzu in der Lage. Sasha Grey ist nicht mehr als ein Image. Die fade und völlig von jeglicher Tiefe befreite Story um die Filmstudentin Catherine, die in den Strudel ihrer eigenen Fantasien gerät, während sie sich mit einer ominösen Sex-Geheimgesellschaft einlässt, hätte nun wirklich auch auf die Rückseite eines Sex-Shop-Kassenbons gepasst, stattdessen bekommt der Leser in dieser auf 320 Seiten aufgeblähten Fick-Schmonzette jede Menge angeberisches Namedropping quer durch die Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts, haufenweise aufgesetzen Palahniuk-Slang, Sexszenen, die schocken sollen, die meiste Zeit jedoch eher nerven, und einen so handlungsleeren Plot, wie eher einem von Sasha Greys alten Filmen angemessen wäre. 

Permanent drängt sich einem das Gefühl auf, man wird beim Lesen dieses Ergusses um sexuelle Unter- und Überwerfung lediglich Zeuge des Versuches vonseiten Greys, das eigene Profil zu schärfen, was hier jedoch meisterlich in die Hose geht, denn die Hülle ist dünn. Zu offensichtlich kokettiert sie mit dem eigenen Image, stets jedoch, ohne wirklich etwas zu sagen zu haben. Laberig, langweilig und eingebildet, vor allem aber ohne jede Leidenschaft, dümpelt "Die Juliette Society" langsam vor sich hin und lässt mich, gerade nach den teilweise doch ganz guten Kritiken, voller Unverständnis zurück. "Die Juliette Society" ist nämlich einfach nur ein schlechtes Buch.

Ganz zu schweigen von der Prosa Greys, die sich mitunter dann so liest: "Ich sehe Anna, die mitten in einer großen, düsteren, nasskalten, schmutzigen, unheimlichen Lagerhalle an eine Kloschüssel auf einem Betonsockel gekettet ist" oder "Ich weiß nicht, ob ich Anna ficken oder sie retten will". Da muss ich schon fast lachen. Wem hierbei die Hand in die Hose gleitet, der hat es wirklich nicht anders verdient. Und wer hier eine fantastisch künstlerische Meta-Ebene vermutet, der ebenfalls nicht. Ich habe schon schlechtere Bücher gelesen, aber bestimmt nicht all zu viele.

A.

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