Freitag, 13. Dezember 2013

Mixtape: Christmas

Freunde, 

in zwei Wochen ist wieder alles vorbei und wir alle warten, gelangweilt und fettgefressen auf den bescheuerten Jahreswechsel, um uns immer schneller einem Jahrzehnt zu nähern, dem wir endlich wieder einen Namen geben können. Ja, dann sind es noch sechs Jahre, bis die goldenen Zwanziger beginnen und wir alle alt sind. Aber Schluss mit Tristesse, es ist Weihnachten, das Fest der Nähe, der Liebe und der Geschenke! 

Hier im Exil, abseits der Familie, setzt die Festtagstimmung irgendwie später ein. Zuhause wird all das ernster genommen: Meine Mutter ist eine glühende Verfechterin jeglichen Weihnachtskults, und wenn es nach ihr ginge, würde all dies hier bereits im Oktober einsetzen, sofern die letzten wärmenden Sonnenstrahlen durch den Garten geschienen sind und es langsam zu kalt wird, um sich mit einem Buch auf die Terrasse zu setzen und sich über kläffende Köter und den Lärm zu ärgern, den all die in die Jahre gekommenen Jack-Wolfskin-Träger machen, während sie ihre passgenauen Rasenflächen in der Eigenheimsiedlung mähen, an dessen Rande auch das Haus meiner Eltern steht. Die amerikanische Familie, so nennen die Nachbarn, zu denen meine Eltern keinen Kontakt pflegen, uns, wenn sie im Winter mit ein wenig Hohn und Lästereien auf der Zunge zu dem geschmückten und mit Lichterketten behangenen Haus am Ende der Stichstraße blicken, in dessen Fenstern immer ab dem ersten Dezember Schwibbogen stehen. Das Haus ist nicht geschmacklos oder irgendwie kitschig geschmückt. Sicher, ein bisschen idealisiere ich das Ganze, weil mich der Nebel der Familie vor objektiven Urteilen schützt, aber es gibt keine bunten oder flackernden Lichter oder Gartenzwerge in Santa-Claus-Kostümen, sondern schlichte weiß-gelb leuchtende Lichterketten an Terasse, Dachgiebel und Carport, zwei geschmückte Tannenbäume im Garten und den Geruch von Plätzchen und Vanille aus der Küche, in der nun pausenlos Licht zu brennen scheint. Die amerikanische Familie. Von so einem Schmähnamen hatte meine Mutter ihr Leben lang geträumt in den Zeiten, in denen es uns noch schlechter ging. Sie war ganz begeistert, als sie mir davon erzählte, dass sie gehört hätte, dass einige der Nachbarn sie so nennen. Und auch ich bin ihr Sohn: Bereits vor über einer Woche habe ich einen Tannenbaum besorgt, der geschmückt im Wohnzimmer steht, den Schwibbogen vom Dachboden geholt und Morgen für Morgen öffne ich das kleine Türchen in meinem dekadent teuren Niederegger-Weihnachtskalender.

Ja, ich weiß, viele von Euch werden diesen ganzen Weihnachtskram ziemlich bescheuert finden oder zynisch gegenüberstehen, weil sie damit irgendetwas Schlechtes assoziieren: Einsamkeit, erdrückende Nähe oder das Gefühl, in all diesem besinnlichen Lebensreflexionskosmos der freien Tage, den Erwartungen an das eigene Leben hinterherzuhängen, das ist doch normal, aber nichtsdestotrotz ist es irgendwie eine andere, eine nostalgische und eine so herrlich beruhigte Zeit im Jahr - mit tollem Essen, das muss man sich immer vor Augen und im Gedächtnis halten. Weihnachten ist, was Ihr daraus macht. Wenn Euch das beschissene Fernsehprogramm auf den Sack geht, lest ein gutes Buch. Wenn die Geschäfte und die Paare in den Einkaufszentren nerven, unterstützt die ehrbaren Internetversandhäuser. Wenn Ihr Weihnachtsmärkte so sehr hasst wie ich, scheißt auf sie und macht Euch über die Leute lustig, die sie mögen. Keine Zwänge, alles ist gut.

Um hier meinen kleinen Beitrag zum Fest zu leisten, habe ich ein Mixtape vorbereitet mit nur einundsiebzig Weihnachtssongs im Indie/Singer-Songwriter-Gewand (Ich weiß selbst, dass Bing Crosby kein verdammter Indieguy ist, das ist nur das Intro, wegen der Stimmung und so), weil ich ein ganz normaler Junge mit ganz gewöhnlichen Hobbys bin. Den Player findet ihr wie gewohnt auf der rechten Seite oder aber direkt unter dem Beitrag, vorausgesetzt, ihr habt Eure Seele bereits an Spotify verkauft (Anmeldung schnell und kostenlos). Ich hoffe sie gefallen Euch. Keine Panik, in zwei Wochen ist alles wieder vorbei.

In diesem Sinne wünsche Euch allen ein gesegnetes Fest, ruhige Tage, die Euch die Scheiße des Jahres vergessen lassen, schöne Geschenke und dass Ihr einfach glücklich und gesund seid.

A.
   

Kommentare:

  1. Jack-Wolfskin-Träger :-) tchichi...
    Na dann ein besinnliches Fest! Am Wochenende geh ich meine Seele verkaufen... vielleicht hat Spotify noch einen Platz für mich frei.

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