Dienstag, 11. März 2014

Das grüne Licht

Vor ein paar Tagen hat die Luft noch nach Sommer gerochen, alles war warm und lieblich und die Idioten draußen haben schon wieder damit begonnen, Skateboard zu fahren und in kurzen Hosen und Flip-Flops herumzurennen, ihre bunten Sonnenbrillen auf der Nase. Es war schön. Ich mag es, wenn die Sonne mich blendet und ich warme Luft einatme, wenn ich aus dem Hausflur hinaus ins Freie komme. Ein wenig übermotiviert habe ich diese kleinen Pflanzensamentütchen im Supermarkt gekauft. Dill, Petersilie, Basilikum, Schnittlauch und ein paar Blumen, deren Farben schön waren. Die Namen habe ich vergessen. Es hat ewig gedauert, bis ich alles in den Töpfen auf dem Balkon verstaut hatte. Naja, eigentlich habe ich die Blumenerde nicht einmal berührt. Vielmehr habe ich danebengestanden und geraucht, während sie alles eingesät hat. 

Jetzt ist die Luft wieder kalt und kein Wind weht mehr. Die Lichter von Laboe, dem Ort auf dem Ufer gegenüber, zeichnen sich deutlich auf dem Wasser ab. Es war den ganzen Tag kalt, auch wenn die Sonne genauso hell geschienen hat wie gestern und an dem Tag davor. Das ist keine Metapher, auch wenn es so klingt. Ich blase Zigarettenrauch vom Balkon in die Dunkelheit. Wenn es kühl ist, und man im Dunkeln Rauch ausatmet, sieht es immer aus, als könnte man fast Feuer speien, so viel kommt da. Drüben, auf der anderen Seite des Wassers scheint ein neues Leuchtfeuer errichtet worden zu sein: ein grünes Licht. Wie im Gatsby. Ich bilde mir das doch nicht ein! Immer wieder legt sich das grüne Licht auf das dunkle, ruhige Wasser in meine Richtung, verschwindet blitzartig und kommt wieder.

Ja, ich weiß, ich habe mich eine ganze Weile nicht gemeldet, liebes Tagebuch. Weißt Du, ich hatte mir doch vorgenommen, niemals mit der leeren Seite zu kämpfen. Außerdem ging ich mir irgendwie selbst auf den Geist. Da habe ich es dann einfach vorgezogen, ein wenig die Fresse zu halten, also im übertragenen Sinne. Das war vielleicht ein wenig selbstsüchtig und nicht ganz fair Dir gegenüber, aber so liegen die Dinge eben. Nicht nur hier. Es mag Dir jetzt wie Hohn vorkommen, aber Du hast mir gefehlt und ich musste wirklich oft an Dich denken. Aber jetzt bin ich zurück.

A.    

Kommentare:

  1. Hey, schöner neuer Post mit einem Hauch von Frühling. Blumenerde berühren ist ein gutes Gefühl. Solltest du mal ausprobieren.
    - Und jeder hat so sein grünes Licht vermute ich.

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  2. Wie schön, endlich wieder ein Lebenszeichen.
    Und suche nicht nach dem grünen Licht, du weisst, das kann kein gutes Ende nehmen...

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