Samstag, 26. April 2014

Die Guten, die Schlechten und die Hässlichen



"Drink up baby, look at the stars
I'll kiss you again between the bars
Where I'm seeing you there with your hands in the air
Waiting to finally be caught
Drink up one more time and I'll make you mine
Keep you apart, deep in my heart
Seperate from the rest where I like you the best
And keep the things you forgot"
                                - Elliot Smith: Between the Bars

Ich habe unzählige Posts begonnen und keinen davon zu Ende gebracht. Vielleicht wird auch dieser wieder nur ein Anfang, in dessen Verlauf ich bereits nach einigen Zeilen die Lust verliere, von mir selbst und meinem Gesülze genervt bin, müde werde oder einfach nur aufs Klo muss oder so. Prioritäten sind nicht meine Sache. Die Zeit überrollt mich. Auch der April ist schon fast wieder vorbei. Gerade erst war noch Silvester, Weihnachten, Abiball, erster Sex, Sonne und Sommerwind, Kindergeburtstage im Kino oder auf der Bowlingbahn mit anschließendem Essen von McDonald's oder vom Pizza-Service - und jetzt ist schon fast wieder das beschissene 2014 am Ende. Naja, fast. Ich denke, Du weißt trotzdem, was ich meine. Scheiße, es gibt nicht einmal mehr wirklich MP3-Player! Die wenigen, die es noch gibt, sind teuer und unpraktisch. Diese Entwicklung, also, dass die wilden WhatsApp-Kids nur noch ihre Smartphones zum Musikhören benutzen, ist völlig an mir vorbeigegangen. Diese Player waren doch praktisch, verdammt!

Ich glaube, dass jeder Mensch Themen hat. Also, so wie Künstler eben bestimmte Motive haben, die sie einfach nicht abschütteln können, so sehr und so hartnäckig sie sich auch bemühen, hat jeder von uns seine speziellen Themen, die sich durch sein ganzes Denken, durch jede Handlung und jeden Schritt ziehen, weil Künstler eben auch nur Menschen sind, die vögeln wollen und kacken müssen. Ich wollte gar nicht so oft "Künstler" schreiben. Das klingt so prätentiös. Genau wie "prätentiös" übrigens. Wenn ich jedoch damit richtigliege, was ich jetzt einfach mal so annehmen würde, was sind dann meine Themen? Rhetorische Frage. Meine Themen sind dann Vergänglichkeit, Liebe und Tod - was irgendwie alles dasselbe ist. Weißt Du, ich bin mir nicht sicher, ob das eine so gute Wahl war. Und ich bin mir nicht sicher, ob man da überhaupt eine Wahl hat oder hatte. Worauf ich damit eigentlich hinaus will: Ich habe Angst. Angst davor, bereits in der Gegenwart die verfluchten Wolken der Vergangenheit zu sehen. Zukunft bedeutet, dass die Zeit abläuft. Und das ist scheiße. Was, wenn ich dadurch irgendwann die Konzentration auf alles verliere und bereits Momente betrauere, die noch andauern - und sie dadurch beschädige? Sind denn Momente nicht viel kostbarer als alles andere? Kein Geld, keine Zeugnisse, keine Auslandspraktika oder Bausparverträge sind etwas wert, wenn man zum letzten Mal die Augen aufschlägt und einatmet. Und der Tag wird kommen, denn wir alle befinden uns im Angesicht des sicheren Todes, wir alle werden sterben, die Guten, die Schlechten und die Hässlichen. Wir sterben und gleiten hinüber ins Nichts.

Ich bin ein Labersack. Ich hätte Lust, mich anständig zu betrinken und irgendeinen Unbeteiligten vollzuquatschen. Die Zukunft wirkt auf mich manchmal so verfickt unrealistisch und befremdlich, dass da nur so ein idealistisches Gequatsche herauskommen kann. Ich sehe mich noch nicht als strahlender Familienvater mit anständigem Broterwerb und einem Kombi unterm Carport. Noch immer beginnen viel zu viele Sätze mit "Ich". Und das macht mir Angst. Und man soll doch nicht so viele Sätze mit Konjunktionen beginnen.

Ich geh' lieber schlafen.

A.     

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