Dienstag, 8. Juli 2014

Die Antwort weht im Wind

Dunkle Wolken ziehen auf, my Darling. Sieht so aus, als würde eine regnerische Nacht bevorstehen. Perfekt fürs Public Viewing. Das Ostufer und das Marine-Ehrenmal von Laboe werden weich gezeichnet vom Nebel. Meine erste WM ohne Panini-Sticker - und es fühlt sich nicht einmal schlimm an. Wesentlich wohlhabender bin ich dadurch trotzdem nicht. Im Gegenteil. Heute spielt Bob Dylan in Flensburg. Ja, ich weiß, das fängt an wie ein mieser Witz. Ich meine, in Flensburg? Warum nicht gleich in Itzehoe oder Bad Segeberg? Jedenfalls würde ich ganz gern hin. Es ließe sich bestimmt sogar bewerkstelligen, das Spiel anschließend in irgendeiner Kneipe in der Nähe zu sehen. Das klingt überhaupt nicht, als hätte ich das gedacht. Aber wie so vieles, löst sich auch diese Angelegenheit von selbst, denn die Karten kosten meinen Kontostand. Pah, und Dylan klingt doch sowieso nicht mehr wie zu der Zeit, aus der seine guten Songs stammen, der alte Penis. Die neuen Sachen klingen, als würde Tom Waits Dylan-Songs nachahmen. Und so werde ich gleich ein heißes Bad nehmen (wie es harte Typen nun einmal so machen) und das Halbfinale bei einem Kumpel sehen, und dabei vermutlich eine Schachtel Kippen wegrauchen vor Aufregung.

Ich habe wieder beschissen geträumt: eine Art Episodengeschichte, die in verschiedenen Jahrzehnten der DDR spielte. Da ich gerade einmal vier Jahre alt war, als die Mauer fiel, beziehe ich mein ganzes Wissen über die DDR aus Erzählungen, Büchern, Filmen und Dokus. Aber auch das erklärt nicht wirklich, warum in meinem Traum Widerständler von mit Schwertern werfenden Stasi-Ninjas niedergemetzelt wurden. Ich war lediglich Beobachter, unfähig, das Unvermeidliche zu verhindern; jemanden zu warnen oder zu retten. Nehmen wir mal an, dass das Unterbewusstsein lediglich versucht, Gefühle zu vermitteln. Zieht man dann den ganzen Schwachsinn ab, bleibt das Gefühl der Machtlosigkeit. Eine weise Freundin von mir hat mal gesagt, dass Gefühle das ausdrücken können, was der Verstand nicht formulieren kann. Wenn es die richtige Person sagt, ist es keine Binsenweisheit. Wenn man denjenigen mag, ist es nicht pathetisch. 

Langsam erhebt sich ein wenig Wind und weht über die Balkonbrüstung in mein Gesicht, was den Rauch der Zigarette in mein Schlafzimmer ziehen lässt. Später werde ich das bereuen. Am Horizont donnert es.

Ich habe mich den ganzen Tag mit Musik abgelenkt, zumindest so lange, bis ich in die Uni und bei ungefähr tausend Grad einer Vorlesung über das Frühmittelalter zuhören musste. Zum Glück ist das Semester vorbei.

Ich gehe jetzt ein Schaumbad nehmen! Kettensägen, Tittenhefte, Panzer.

A. 

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