Freitag, 17. Oktober 2014

Welthungertag

Einige meiner Freunde sind schon Eltern oder auf dem besten Wege, welche zu werden. Sie haben Jobs oder abgeschlossene Studiengänge und verdienen viel Geld, kaufen vorwiegend Biokram, teure Kaffeemaschinen und leben in geräumigen Wohnungen oder Häusern, verstreut über die großen Städte der Republik. Sie planen eine Zukunft, in der sie schon längst leben. Sie tragen Verantwortung für andere und sich selbst - und sie sehen glücklich dabei aus, ohne irgendein Loch im Herzen (Metapher!). Sie haben mehr als einen Anzug, Haustiere, schicke Möbel, gehen gern irgendwo frühstücken - und tragen nichts aus Polyester oder Bangladesch. Sie sind vernünftig und erwachsen.

Und ich war gestern, am Welthungertag, bei einem Cheeseburger-Wettessen zwischen meinem Mitbewohner und einem Kumpel, der als Kind mal Werbung für s.Oliver gemacht und als Jugendlicher mit irgendwelchem Bodybuilderkram, Steroiden oder was auch immer, gedealt hat. Mein Mitbewohner hat gewonnen: Elf Cheeseburger in dreißig Minuten. Die Belegschaft und die Leute im Laden haben ihm anerkennend zugenickt. Wir leben in einer zynischen Welt.
 Ich glaube, heute ist Freitag.

A.

P.S. Anlässlich des heutigen Geburtstages von Oscar Wilde, möchte ich eines meiner absoluten Lieblingszitate hervorholen:

"Die toten Liebhaber der Welt sollen unser Lachen hören und traurig werden. Ich will, dass ein Hauch unserer Leidenschaft ihren Staub wieder zum Bewußtsein ruft und ihre Asche aufweckt zu Schmerzen."
Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray

Kommentare:

  1. Scheiß aufs vernünftig sein! Ich hatte gestern auch Cheeseburger.

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